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Wörthsee:SPD-Bürgermeisterin tritt wieder an - aber lieber nicht für die SPD

Blumenspalier für Christel Muggenthal

Mit Rosen ist Christel Muggenthal 2014 von den Bürgern als neue Wörthseer Bürgermeisterin empfangen worden. In einer zweiten Amtsperiode würde sie gerne die angefangenen Projekte zu Ende bringen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Christel Muggenthal geht als unabhängige Kandidatin in die Kommunalwahl. Ob ihr Ortsverein mit nur zehn Mitgliedern eine Liste zusammenbringt, ist offen.

Der Kommunalwahlkampf ist in Wörthsee ist eröffnet. In einem Flyer, der dieser Tage von der Post an alle Haushalte verteilt wird, kündigt Bürgermeisterin Christel Muggenthal an, dass sie 2020 wieder antritt, allerdings ohne eigene Liste. 2014 war sie Spitzenkandidatin der SPD. Die Stichwahl gegen den damaligen CSU-Kandidaten Josef Kraus hatte sie überraschend deutlich gewonnen.

"Bürgermeisterin für alle" lautet das Motto der 64-Jährigen. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass Parteipolitik im Kommunalen "nicht zielführend" sei, sagte sie am Freitag. Der Gemeinderat habe in den vergangenen Jahren sachorientiert und konstruktiv zusammengearbeitet. Sie möchte, dass das so bleibt und sich auf Sachthemen konzentrieren. Den Flyer verteile sie jetzt schon, weil sie zum einen zeigen wolle, was in ihrer Amtszeit gemacht und geschafft worden sei, zum anderen wolle sie aber auch Zukunftsthemen besetzen und sie nicht den anderen Parteien und Gruppierungen überlassen.

Dazu gehören unter anderem der Bau eines Kinderhauses mit einem flexiblen Angebot an Krippen-, Kindergarten- und Hortplätzen, die Entwicklung Wörthsees zur klimafreundlichen Kommune, die Unterstützung der Landwirte und der Erwerb preisgünstiger Grundstücke. Begonnene Projekte wie die Schaffung bezahlbaren Wohnraums und die Sanierung des Kirchenwirts - nach ihren Worten "Herzensangelegenheiten" - möchte sie gerne zu Ende bringen.

Für den Wörthseer SPD-Vorsitzenden Dirk Berg-Schlosser ist die Entscheidung Muggenthals verständlich, und "keine Katastrophe". Sie habe die volle Unterstützung der SPD. "Ich bin froh, dass wir so eine tüchtige SPD-Bürgermeisterin im Landkreis haben." Jetzt muss der Ortsverein, der ohnehin durch den Wegzug mehrerer Mitglieder "einen Aderlass" erlitten habe und nur noch zehn Mitglieder hat, "ohne Zugpferd auskommen". Auch braucht es einige Überzeugungsarbeit, um überhaupt eine SPD-Liste für die Kommunalwahl zusammenzubringen. Wörthsee hat mittlerweile mehr als 5000 Einwohner, der Gemeinderat wird wohl von 16 auf 20 Sitze vergrößert. Berg-Schlosser: "Wir versuchen es auf jeden Fall." Der 75-Jährige, emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Universität Marburg, ist seit 1972 Mitglied der SPD und fühlt sich verantwortlich für den Ortsverein, den er mitgegründet hat.

Wahlvorschläge zur Kommunalwahl dürfen nur Parteien oder Wählergruppierungen machen. Wer weder den einen noch den anderen angehört, muss sich Unterstützer suchen, erläutert Landratsamts-sprecher Stefan Diebl. Zunächst müssen sich zehn wahlberechtigte Wörthseer finden, die für Muggenthal unterschreiben, sich lose zusammenschließen und sich einen Namen geben. Die Gründung eines Vereins ist laut Diebl nicht nötig. Die Unterstützerunterschriften müssen bei der Gemeinde eingereicht werden. Im Rathaus wird dann geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Kandidatur gegeben sind. Sind sie das, braucht Muggenthal weitere Unterstützerunterschriften. Die Zahl richtet sich nach der Größe der Kommune, in Wörthsee sind das 120 Unterschriften. Die Unterstützer müssen zum Unterschreiben ins Rathaus kommen.

Christel Muggenthal ist zuversichtlich, dass sie das schafft. Und der SPD bleibe sie als Mitglied ja erhalten. Sie werde für die Partei auf der Kreistagsliste kandidieren, kündigt sie an.