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Neue Leiterin:Mehr Bio im Dorfladen Wörthsee

Nach den jüngsten Zerwürfnissen übernimmt Billie Salzeder die Leitung. Die Uttingerin will das Bistro gemütlicher machen und Events veranstalten.

Der Ammersee, sagt die Neue, sei schon schön. Aber der Wörthsee sei faszinierend, geradezu magisch. Die Neue heißt Billie Salzeder und ist seit einer guten Woche Marktleiterin des Dorfladens Wörthsee. Die Uttingerin hat sich einiges vorgenommen. Sie möchte den Bio-Anteil bei den Waren auf 80 Prozent erhöhen, auch beim Essen und beim Kaffee im kleinen Bistro. Im hinteren Teil des Ladens wird ein wenig umgebaut, "das Sortiment wird angepasst", sagt die 47-Jährige.

Mit Öko-Produkten ist Salzeder quasi aufgewachsen. Ihr Vater Emil hatte eine Mühle im Chiemgau. Schon vor 35 Jahren stellte er auf "bio" um, war der erste Lieferant der Firma Seitenbacher. Die Mutter stammte aus einer Brauerfamilie. "Ich hatte immer mit Lebensmitteln zu tun", erzählt die Tochter und wollte in die Gastronomie. Doch die Eltern rieten ihr zu einer Ausbildung in der Hotellerie. Billie Salzeder lernte im Steigenberger, arbeitete im Kempinksi, wechselte nach fünf Jahren in den Handel und landete schließlich in einer Unternehmensberatung, erwarb sich Kenntnisse in Personalführung, Vertrieb und Marketing. Ihre 30 Jahre Berufserfahrung will sie nun im Dorfladen Wörthsee einbringen.

Wörthsee: Dorfladen Leiter Johannes Englmeier

Man habe einen Treffpunkt im Ort geschaffen, sagt Geschäftsführer Johannes Englmeier.

(Foto: Nila Thiel)

Salzeder hat sich viele Dorfläden angeschaut. Es ist das Konzept, das es ihr angetan hat: das Menschliche, das Soziale, das "Sinnvolle", sagt die alleinerziehende Mutter einer 15-jährigen Tochter. "Der Dorfladen ist großartig, er gehört hierher."

Das hört Geschäftsführer Johannes Englmeier gerne. Die vergangenen Wochen haben ihm zugesetzt. Die Kündigung der vorherigen Marktleiterin hatte eine Menge Staub aufgewirbelt, der Beirat der Unternehmergesellschaft trat zurück, weil er mit der Entscheidung des Geschäftsführers nicht einverstanden war. Im April soll nun auf einer Versammlung der stillen Gesellschafter ein neuer gewählt werden. Der Wirbel kam zur falschen Zeit. Gerade hatte der Dorfladen, der erst im Sommer eröffnet worden war, Fahrt aufgenommen. Davor standen vier harte Jahre mit vielen Rückschlägen und viel ehrenamtlichem Engagement.

Wörthsee Hauen und Stechen im Dorfladen
Einkaufen in Wörthsee

Hauen und Stechen im Dorfladen

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Jetzt laufe der Laden "weit über Plan", sagt Englmeier. Im Dezember sei die erste schwarze Null erreicht worden, mit der nächsten rechnet er im März oder April. Die Zahlen seien gut, ebenso wie der Personalstand und der Lieferantenstamm. Man habe einen Treffpunkt am Ort geschaffen. "Wir haben unser Ziel erreicht." Die Leistung der Visionäre Hanna Weber, Bobby Gahn und Hildegard Zehetbauer, ohne die es den Dorfladen nicht gäbe, sei nicht hoch genug einzuschätzen. Aber jetzt müssten "die Macher ran", damit der Laden läuft. Schließlich hänge das Geld von etwa 220 stillen Gesellschaftern darin - immerhin um die 94 000 Euro. Eigentlich hätte der Dorfladen mit 160 000 Euro starten sollen. Weder er noch seine Mitgesellschafter Birgit Dietrich und Hanna Weber entschieden leichtfertig. "Wir holen uns immer Fachberatung, es passiert nichts Unüberlegtes", sagt Englmeier.

Wörthsee: Dorfladen: neue Marktleitzerin Billie Salzeder

Billie Salzeder übernimmt den Dorfladen in Wörthsee. Die 47-Jährige verfügt über Berufserfahrung in Personalführung, Vertrieb und Marketing.

(Foto: Nila Thiel)

Für die neue Marktleiterin, die nun Chefin von fünf Festangestellten und zwei Aushilfen ist, heißt es, nach vorne zu schauen. Billie Salzeder will nicht nur das Sortiment an die Kundenwünsche anpassen - getrocknete Pilze gehen zum Beispiel überhaupt nicht, Hygieneartikel dagegen viel besser als erwartet -, sie möchte die großen Schaufenster gestalten lassen und das Bistro so gemütlicher machen, und sie will mit neuen Lampen Strom sparen. Alle vier bis sechs Wochen plant sie ein Event, bei dem spezielle Produkte vorgestellt werden sollen. In den sozialen Medien will der Dorfladen noch präsenter sein, angedacht ist auch ein wöchentlicher Newsletter mit Rezepten an die Kunden.

"Wir wollen gute und gesunde Lebensmittel anbieten, die Leute sollen sich wohlfühlen, und die Zahlen müssen stimmen." Nicht mehr und nicht weniger hat sich Billie Salzeder vorgenommen.

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