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Wörthsee:Dorfladen in der Krise

Wörthsee: Dorfladen Leiter Johannes Englmeier

Im Sommer wurde der Dorfladen an der Etterschlager Straße in Wörthsee unter der Geschäftsführung von Johannes Englmeier eröffnet. Im Oktober wurde eine Marktleiterin angestellt, die Engelmeier nun überraschend entlassen hat.

(Foto: Nila Thiel)

Der Geschäftsführer der Unternehmensgesellschaft kündigt der Marktleiterin in der Probezeit. Gründe für die Entlassung nennt er nicht. Kunden und Gesellschafter sind schockiert und sammeln Unterschriften für die Mitarbeiterin.

Im Dorfladen in Wörthsee hängt der Haussegen schief. Völlig überraschend für Kunden und Gesellschafter hat der Geschäftsführer Johannes Englmeier der bisherigen Marktleiterin gekündigt. Diese Entscheidung ist sehr umstritten innerhalb der Unternehmergesellschaft (UG), die das kleine Geschäft an der Etterschlager Straße betreibt. Auf dem Tresen liegt seit Freitag eine Unterschriftenliste aus, auf der Kunden ihre Solidarität mit der Marktleiterin erklären.

Die Gründe für die Entlassung sind nicht bekannt, UG-Beiräte haben sie aber zum Anlass genommen, zu einer nicht-öffentlichen Sitzung an diesem Montag einzuladen, zu der auch die etwa 200 stillen Gesellschafter kommen dürfen, die mit ihren Einlagen finanziell an dem Laden in den ehemaligen Sparkassenräumen in Wörthsee beteiligt sind.

Damit wird eine Personalie öffentlich, die Englmeier lieber intern behandelt hätte. In seinen Augen mischen sich Beirat und stille Gesellschafter ohnehin viel zu sehr in seine Angelegenheiten als Geschäftsführer ein. "Das gehört nicht in die Öffentlichkeit", meint er und schweigt sich über seine Gründe für die Kündigung aus. Überhaupt legt er viel Wert auf Verschwiegenheit und hat das auch bei der vergangenen Beiratssitzung sehr deutlich gemacht, bei der er das Kündigungsschreiben übergeben hatte.

"Ich habe meine Entscheidung getroffen und stehe dazu", sagte er der SZ. Er betont gleichzeitig, der gekündigten Marktleiterin sei nichts vorzuwerfen: "Man kann nichts gegen sie sagen." Aber er habe seine Gründe gehabt, noch in der Probezeit die Kündigung auszusprechen und sie freizustellen. Dabei habe er einen externen Berater eingeschaltet. Er habe bereits eine Nachfolgerin gefunden, die im Februar die Marktleitung übernehmen soll. Ihren Namen will Englmeier noch nicht nennen, denn er befürchtet, dass sie sonst in die derzeitigen Streitigkeiten involviert wird. Die gekündigte Marktleiterin wollte sich vor der Versammlung am Montag noch nicht äußern und verweist auf ihre Verpflichtung zur Verschwiegenheit. Die 45-Jährige machte aber deutlich, dass sie gerne weiter in dem Laden arbeiten würde und schwärmt von der besonderen Atmosphäre dort.

Obwohl der UG-Geschäftsführer seine Personalentscheidung für eine interne Angelegenheit hält, wird der Dorfladen erneut zu einem Politikum in Wörthsee. Dieses Geschäft ist längst mehr als nur eine Einkaufsmöglichkeit mit dem Flair eines Bioladens und hat sich zu einer Art Bürgertreff entwickelt, wo auch einmal ein Seniorennachmittag stattfindet und wo Kinder mit ihren Müttern einen Weihnachtsbaum aufstellen und schmücken. Wenn die Warenlieferungen kommen, helfen Ehrenamtliche mit, die Regale zu füllen.

Im Oktober war nach einer Ausschreibung die bisherige Marktleiterin gekommen, und sie scheint das Konzept des Treffpunkts mit Elan umgesetzt zu haben. "Das läuft total super. Das hat richtig Schwung aufgenommen", sagt zum Beispiel Michael Pröttel, der dort gerne zum Einkaufen geht. Die Kündigung ist seiner Ansicht nach "völlig unverständlich". Und so geht es auch anderen.

"Wir sind schockiert", sagt Hanna Weber, eine von drei Gesellschaftern an der Spitze der Unternehmensgesellschaft. Auch sie will sich nicht über die Hintergründe der unerwarteten Kündigung äußern, die vor einer Woche ausgesprochen wurde, und verweist ebenfalls auf ihre Verschwiegenheitspflicht. Aber auch sie betont: "Das ist viel mehr als ein Laden, das ist ein Treffpunkt für die Wörthseer Bürger geworden."

Der Dorfladen hat eine lange Vorgeschichte. Die Idee kam auf, als vor fast genau sechs Jahren die Tengelmann-Filiale an der Etterschlager Straße geschlossen wurde. Der Verein "Wörthsee isst regional" (WIR) wurde gegründet, in dem sich auch Hanna Weber und Roswitha Gahn federführend engagiert habe. Die Unternehmergesellschaft wurde gegründet, die so ähnlich wie eine Genossenschaft funktioniert; mehr als 200 Wörthseer haben Anteile davon gekauft, um so das Projekt finanziell zu unterstützen. Mit der Sparkasse wurde ein Mietvertrag geschlossen. Im vergangenen März hat Englmeier die Geschäftsführung übernommen. Der 51-Jährige ist Koch, hat ein Catering-Unternehmen in Walchstadt und ist noch Pächter des Kiosks an der Maistraße. Im Juni wurde der Dorfladen in den umgebauten Sparkassenräumen eröffnet. Sieben Monate später steckt das Projekt in einer ernsthafte Krise.