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Einkaufen in Wörthsee:Hauen und Stechen im Dorfladen

Erst hat Geschäftsführer Johannes Englmeier die Marktleiterin Ulla Gahn rausgeworfen, jetzt soll er selbst gehen. Der Beirat wirft ihm vor, eigenmächtig zu handeln. Die Rede ist von einem "Klima der Angst".

Die Probleme im Wörthseer Dorfladen haben weitere personelle Konsequenzen: Nach der Kündigung der bisherigen Marktleiterin Ulla Gahn fordert der von der Gesellschafterversammlung gewählte Beirat den Rücktritt von Geschäftsführer Johannes Englmeier. Das wurde bei einer nichtöffentlichen Versammlung am Montagabend bekanntgegeben. Die Atmosphäre ist mittlerweile so vergiftet, dass eine Beirätin ihr Amt niedergelegt hat. Immer wieder sei von Hinweisen auf eine Verschwiegenheitspflicht und von Drohungen mit juristischen Folgen die Rede gewesen, berichten Teilnehmer.

Das war auch ein zentrales Thema bei der zweistündigen Versammlung, die offiziell als öffentliche Beiratssitzung deklariert war. Mehr als 60 der sogenannten stillen Gesellschafter waren gekommen, um sich über die neuesten Entwicklungen im Dorfladen zu informieren. Das dreiköpfige Beiratsgremium sieht sich jedoch gerade durch den Wunsch nach Aufklärung in einem Dilemma, denn der Vorsitzende Marco Walz sowie Bobbi Gahn und Inge Kronthaler, die mittlerweile aufgegeben hat, sind völlig verunsichert, was sie überhaupt noch sagen dürfen und was sie für sich behalten müssen. So berichten sie von Drohungen einer Rechtsanwältin, "die mit allen Mitteln versuchte, die Zusammenkunft als nicht rechtmäßig zu deklarieren" und die Informationsveranstaltung zu verhindern. Von einem "Klima der Angst" ist in einer Erklärung des Beirats die Rede.

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Für Englmeier ist die Versammlung vor allem ärgerlich. "Das ist wie erwartet ungut gelaufen und bringt nur Unruhe rein", sagte er am Dienstag der SZ. Erneut machte er deutlich, dass das alles seiner Ansicht nach nicht in die Öffentlichkeit gehöre. Zudem sei gegen die Satzung der Unternehmer-Gesellschaft (UG) verstoßen worden. Der Beirat ist nach seiner Auffassung nur ein Kontrollgremium und kein Gremium, das ins operative Geschäft eingreifen dürfe. Zu der Rücktrittsforderung sagt er: "Darüber müsste man reden". Bisher habe ihm aber niemand ein Angebot gemacht, sagte er und verwies darauf, dass er nicht nur ehrenamtliche Arbeit in den Laden investiert, sondern auch verschiedene Ausrüstungsgegenstände aus seinem Catering-Unternehmen zur Verfügung gestellt habe. "Da gibt es eine ganze Liste".

Die Probleme, die nun auftauchen, sind offenbar eine Folge des speziellen Geschäftsmodells in Wörthsee, das so ähnlich wie eine Genossenschaft funktioniert. Die Idee eines Dorfladens wurde dort nach der Schließung einer Tengelmann-Filiale im Lauf von vier Jahren mit viel ehrenamtlichem Engagement in die Tat umgesetzt. Etwa 220 Gesellschafter haben insgesamt 94 000 Euro aufgebracht. Seit dem vergangenen Juni läuft der Verkauf, anfangs mit verschiedenen Aushilfen hinter der Theke, seit Oktober unter der Regie von Ulla Gahn. Der Laden hat sich zu einem Bürgertreff entwickelt, in dem man sich gerne zu einem Plausch beim Kaffee verabredet. Dort gibt es einen Mittagstisch und Angebote für Senioren. Der 45-Jährigen, die als Marktleiterin im Ort bald sehr geschätzt war, hatte Englmeier in der vergangenen Woche ohne Angabe von Gründen in der Probezeit gekündigt.

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Nun soll Geschäftsführer Englmeier gehen, wenn es nach den Beiräten geht. Er ist einer von drei ebenfalls ehrenamtlich tätigen Gründungsgesellschaftern. Er entscheide inzwischen "völlig eigenmächtig und gegen den Willen der Anteilseigner", wie es in der Erklärung vom Dienstag heißt. Wie es nun weitergeht, ist offen. Wegen des Rücktritts der Beirätin Kronthaler muss wohl für die Nachwahl eine Gesellschafterversammlung einberufen werden.

Englmeier konnte ebensowenig wie die gekündigte Marktleiterin Gahn an der Versammlung teilnehmen, weil sie beide nicht zu den sogenannten stillen Gesellschafter gehörten. Ulla Gahn würde gerne wieder in dem Laden arbeiten. Nach ihrer eigenen Einschätzung hat sie das Projekt nach vorne gebracht. Von vielen Kunden bekommt sie gerade positive Resonanz. Wie beliebt sie ist, zeigt eine Unterschriftenliste, mit der Kunden ihre Solidarität bekundeten.

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