SZ-Kolumne: NepomukEnde der Debatte per Knopfdruck

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Ein Notschalter gegen zu viel Polemik: Manchmal wäre das ein echter Segen.
Ein Notschalter gegen zu viel Polemik: Manchmal wäre das ein echter Segen.
Elmar Gubisch via www.imago-images.de/

In Wörthsee reicht ein Tastendruck, um Polemik und Dauergequatsche zu unterbinden. Eine technische Errungenschaft, die Vorbild für die große Politik sein könnte.

Von eurem Nepomuk, Wörthsee

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Es ist ein Kreuz mit den Politikern, liebe Freunde, das sage ich euch. Und das ganz besonders, kurz bevor die Wähler wieder zum Kreuzerl-Machen gerufen werden. Dann wird gestritten, gezetert und geraunzt, als hinge das Schicksal der ganzen Welt davon ab. Ich sage euch: Mir dröhnen schon die Ohren. Die Kandidaten tragen Wortgefechte aus, trampeln rhetorisch in jedes Fettnäpfchen, und an den Stammtischen liefern sich die beleidigten Leberwürste einen endlosen Schlagabtausch. Die verbalen Entgleisungen, die ich da höre, sind so deftig, dass ich sie euch gar nicht mitteilen mag. Und am Ende? Tränen, Beleidigtsein und ein paar Jahre Wogen glätten, bis das Ganze wieder von vorn losgeht.

Doch im Landkreis Starnberg gibt es ja gottseidank noch einen Ort, an dem Tugenden wie Anstand, Höflichkeit und Toleranz gegenüber anderen Meinungen gelten. In Wörthsee sorgt Bürgermeisterin Christel Muggenthal für eine politische Kultur, die ihresgleichen sucht. Ihr Geheimnis: Sie hat eine Mastertaste.

Der Nepomuk hätte manchmal gerne etwas weniger um die Ohren.
Der Nepomuk hätte manchmal gerne etwas weniger um die Ohren.
Bernd Schifferdecker

Ja, ihr habt richtig gelesen. Eine Mastertaste. Für die Sitzungen. Wie ein Buzzer, nur ein bisschen anders. Ein Druck auf die Sprechanlage während einer Wortmeldung, die zu entgleisen droht – und zack, schon verstummt der Lautsprecher. Keine aggressive Polemik, keine verbalen Schläge unter die Gürtellinie, keine unnötigen Monologe. Ihr Zeigefinger hat schon während so mancher Gemeinderatssitzung gezuckt, hat mir die Christel verraten, aber allein die Drohung, stumm geschaltet zu werden, reicht bei ihren Ratskollegen aus, um den guten Ton zu wahren.

Oder gibt es da vielleicht noch eine andere Geheimwaffe? Vielleicht einen elektrischen Fensteröffner? Ein Gemeinderatsmitglied vergreift sich im Ton, die Scheibe fährt hoch, ein Windstoß, ein erschrockener Schrei – und platsch, direkt in den Wörthsee! Dort kann er oder sie dann mit den Fischen diskutieren. Genial, oder?

Diese Methode könnte man ganz prima auf Talkshows, Landtags- oder Bundestagsdebatten ausweiten. Überall könnte man so für Ordnung sorgen. Aber Schluss damit. Ich fange zu fabulieren an. Dabei hat meine Großmutter mir einst ins Poesiealbum geschrieben: „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“ Zeit wird’s, dass sich das mal wieder herumspricht. Vielleicht auch bei den Politikern.

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