Integration:Die Helfer stehen bereit

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Die Wörthseer Bürgermeisterin Christel Muggenthal will den Helferkreis unterstützen. (Foto: Juliane Seeliger/oh)

Wörthsee stellt sich auf die 132 Geflüchteten ein, die im Herbst in Wohncontainer auf der ehemaligen Blumenwiese ziehen sollen.

Von Patrizia Steipe, Wörthsee

"Ich bin auch dabei!" Es ist Wörthsees Bürgermeisterin Christel Muggenthal, die sich - quasi als positives Vorbild - am Schluss der Veranstaltung als erste anbietet, einen neuen Helferkreis mit "Beratungsnachmittagen" zu unterstützen. "Es wäre doch seltsam, wenn ich im Rathaus sitzen bliebe", fügt sie an. Zuvor bekamen die rund 180 Besucher in der Aula der Grundschule Informationen über die geplanten Wohncontainer für 132 Geflüchtete, die bereits im Herbst an der ehemaligen Blumenwiese bezugsbereit sein sollen. Die Baugenehmigungen werden derzeit eingeholt, Mitte April könnte mit der Erschließung begonnen werden. Auch in Tutzing und Feldafing sind Wohncontainer geplant. Dann gibt es in jeder Landkreisgemeinde Unterkünfte dieser Art.

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"Wir wissen nicht, wer kommt", erklärte Sabine Neumann, Fachbereichsleiterin für Asyl im Landratsamt Starnberg. Was aber feststeht, ist, dass die nach dem Königsteiner Schlüssel zugewiesenen Asylbewerber dringend auf die Hilfe von Ehrenamtlichen angewiesen sein werden. Zwei Sozialpädagogen und zwei Unterkunftsbetreuer werden gemeinsam für die 400 Menschen in den drei neuen Unterkünften zuständig sein.

Vor allem am Anfang bräuchten deren Bewohner aber mehr Unterstützung zum Einleben und damit, sie sich in Wörthsee zurecht zu finden. Jede Art von Hilfe sei willkommen, "das reicht von einfach nur freundlich sein bis zu ein paar Stunden Zeit aufwenden - jeder eben wie er kann", skizzierte Sassa Bäumler vom Helferkreis Wörthsee die Bandbreite. Bäumler hatte den Infoabend gemeinsam mit der Gemeinde organisiert, mit dem Ziel, den bestehenden sehr kleinen Helferkreis angesichts der bevorstehenden Aufgaben ganz neu zu organisieren. "Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", mahnte sie, und das Helfen nicht nur ein humanitärer Akt, "sondern macht wahnsinnig viel Spaß, man bekommt Anerkennung und Zuneigung".

Der Landkreis Starnberg wird die Unterkünfte betreiben, finanziert werden sie vom Freistaat, und der Pachtvertrag über fünf Jahre mit Option auf Verlängerung wurde mit der Gemeinde abgeschlossen. Auf dem Gelände an der Etterschlager Straße wird es extra Räume geben, die von den Helfern für Kurse, Hausaufgaben, aber auch für Feiern genutzt werden können. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit habe man gelernt. So versprach Neumann, sich für eine günstige Mischung der Gemeinschaft einzusetzen. Allein reisenden jungen Männern wolle man Familien aus passenden Kulturkreisen und ähnlicher Tagesstruktur als Nachbarn zur Seite stellen. Nach drei Monaten dürften die Asylbewerber arbeiten, was viele auch anstrebten, um Geld nach Hause schicken zu können. Doch es werde sicherlich Personen geben, die nach einer gefährlichen Flucht an posttraumatischen Störungen oder Depressionen leiden, wusste die Ansprechpartnerin für die Helferkreise im Landratsamt, Katharina Trägler. Hier gelte es, diese an professionelle Stellen zu vermitteln.

Haupt- und Ehrenamtliche müssen zusammenarbeiten

"Jeder Helferkreis macht es anders", war ihre Erfahrung. Allerdings hätten während der ersten Flüchtlingsbewegung von 2015 an viele Helfer Patenschaften für einzelne Familien übernommen. Das bedeutet, dass sie sich um diese besonders und teilweise sehr intensiv gekümmert hätten. Heute würden lieber Hilfen für einzelne Bereiche wie Deutschkurs oder Kinderbetreuung angeboten. Gut funktionieren Helferkreise auch nur dann, wenn Haupt- und Ehrenamtliche zusammenarbeiten.

Über die langjährigen Erfahrungen mit Geflüchteten berichtete Jörg Hohmann vom Integrationspunkt Weßling. Wichtig sei es gewesen, dem Helferkreis eine Struktur zu geben, erinnerte sich der Ehrenamtliche. In Weßling gibt es eine Kleiderkammer, eine Fahrradwerkstatt, "Alltagshelfer", Unterstützung bei Anträgen oder Formularen, Nachhilfe für die Kinder. Bei allem sei "die Sprache der Schlüssel zum Erfolg". Deswegen wurden mitunter täglich Sprachkurse angeboten.

Auch in Wörthsee möchten sich die Helfer auf verschiedene Fachbereiche aufteilen. Bäumler hatte dafür schon Zettel mit Aufschriften wie "Recht", "Arbeit und Wohnen", "Sprache", "Logistik", "Kinder und Sport", sowie "Kultur" auf eine Stellwand gepinnt. Nach der Veranstaltung konnten die Besucher ihre Kontaktdaten und Ideen in eine Box werfen. "Nachhilfe für Kinder" wollte eine Frau anbieten, eine andere Freizeitbeschäftigung. Am Schluss lagen etliche Kärtchen in der Box - voll war sie allerdings noch lange nicht. Wer mitmachen möchte, wendet sich entweder an helferkreis-woerthsee@online.de oder an die Gemeinde.

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