Süddeutsche Zeitung

Bürgerentscheid in Wörthsee:Klare Mehrheit für den Supermarkt

Zwei Drittel der Wörthseer beschließen den Bau - und die Rodung von Bäumen auf 2000 Quadratmetern. Die Wahlbeteiligung erreicht einen Spitzenwert.

Von Christine Setzwein

Die Wörthseer haben den Weg für einen zweiten Supermarkt am Ort freigemacht. Beim Bürgerentscheid am Sonntag erhielt das Ratsbegehren für den Bau eines Supermarkts und Genossenschaftswohnungen 1989 Ja- und 922 Nein-Stimmen - eine Zweidrittelmehrheit. Das Bürgerbegehren dagegen kam auf 991 Ja- und 1769 Nein-Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag mit knapp 72 Prozent sehr hoch.

Bürgermeisterin Christel Muggenthal sagte, sie freue sich sehr. "Es ist wichtig, dass dem Gemeinderat der Rücken gestärkt wird und er die Anerkennung erhält für seine jahrelange Arbeit. Jetzt können wir weitermachen." Die Auszählung zog sich hin, mussten doch zunächst die vielen Briefwahlkuverts aufgeschlitzt werden. Insgesamt wurden 2981 Stimmen abgegeben. Das erste Ergebnis kam aus einem Wahllokal in der Grundschule: Das Ratsbegehren bekam 658 Ja- und 280 Neinstimmen, das Bürgerbegehren 296 Ja- und 581 Neinstimmen. 101 Stimmen waren ungültig.

Doja Muggenthaler vom Bündnis "Rettet den Kuckuckswald", das das Bürgerbegehren initiiert hatte, ahnte es wohl schon. "Egal, wie es ausgeht, es war eine interessante Erfahrung." Das Bündnis habe viel Zuspruch bekommen, und es habe sich eine Allianz gebildet in Wörthsee, "die was für Klima und Umwelt tun will". Der Streit um einen neuen Supermarkt in der Gemeinde hat die Bürgerschaft gespalten.

Das Bündnis wollte mit dem Bürgerbegehren nur den Supermarkt verhindern. Die Gemeinde verband das Ratsbegehren pro Supermarkt mit dem Bau von Genossenschaftswohnungen.

Schon unter dem vorherigen Bürgermeister Peter Flach wurde der Wunsch nach einem neuen Supermarkt laut, nachdem Tengelmann 2013 seine Filiale in der Etterschlager Straße geschlossen hatte. Bis dahin gab es zwei Vollsortimenter am Ort. Die Suche nach neuen Betreibern verlief im Sande: Die Verkaufsfläche war zu klein, es gab zu wenig Stellplätze, die wegen der Abschüssigkeit des Parkplatzes bei den Kunden auch noch sehr unbeliebt waren.

Viele Jahre hat die Gemeinde nach einem neuen Standort gesucht, Grundstücke wurden begutachtet und verworfen. Bis das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (Isek) zu dem Ergebnis kam, dass das Areal zwischen Teilsrain und Kuckuckstraße gut geeignet sei für Geschosswohnungsbau - und für einen Supermarkt. Der Bebauungsplan für den Vollsortimenter sollte nach sieben Jahren Suchen und Planen im Januar 2021 rechtskräftig werden.

Im Oktober 2020 wies die Initiative "Wörthsee für Artenvielfalt" zum ersten Mal auf die "Gefahren für den Kuckuckswald" durch das "problematische Supermarktprojekt" hin. Im November gab es eine Protestaktion an der Kuckuckstraße, das Bündnis "Rettet den Kuckuckswald" wurde gegründet, innerhalb weniger Wochen wurden 850 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen das Vorhaben gesammelt. Es kam zu einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen Gegnern und Befürwortern des geplanten Nahversorgers.

Die Gegner kritisieren die Rodung eines Teils des Buchenwaldes, die Versiegelung durch Supermarkt und Stellplätze, prognostizieren mehr Verkehr und plädieren für einen kleineren Laden. Die Befürworter sind der Meinung, dass der geplante Bau von 60 Genossenschaftswohnungen in der Nachbarschaft ohne Nahversorger keinen Sinn ergebe. Nicht nur für die neue Ortsmitte, die dort entstehen soll, sondern für die ganze Gemeinde sei ein zweiter Vollsortimenter nötig.

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Quelle:
SZ vom 22.03.2021
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