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Wörthsee:Bürgerbegehren gegen Supermarkt erfolgreich

Unterschriften gegen Wörthseer Supermarkt

Heiko von Tippelskirch vom Bündnis "Rettet den Kuckuckswald" überreicht die Unterschriften an Bürgermeisterin Christel Muggenthal.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Bündnis "Rettet den Kuckuckswald" übergibt Listen mit 750 Unterschriften an Bürgermeisterin

Von Christine Setzwein, Wörthsee

Die erste Hürde ist genommen: Am Dienstag hat das Bündnis "Rettet den Kuckuckswald" etwa 750 Unterschriften für das Bürgerbegehren "Nein danke zu einem Vollsortimenter nördlich Zum Kuckucksheim" an Bürgermeisterin Christel Muggenthal übergeben. Sie werden nun geprüft. Sind mindestens 500 Unterschriften gültig, muss der Gemeinderat das Begehren innerhalb von vier Wochen behandeln. Das wäre dann in der Sitzung am 20. Januar.

Etwa 20 Wörthseer waren zum Rathaus gekommen. Die Übergabe der Unterschriftenlisten fand wegen des Lockdowns im Freien statt. Das Bündnis hatte nur zwei Wochen Zeit, genügend Unterzeichner gegen den geplanten Vollsortimenter zu sammeln. Denn die Einspruchsfrist gegen den Bebauungsplan "Sondergebiet Lebensmittelvollsortimenter und Wohnen nördlich Zum Kuckucksheim" sowie gegen die entsprechende Änderung des Flächennutzungsplanes endete am Dienstag. "Dass wir das geschafft haben, ist das schönste Weihnachtsgeschenk für uns", sagt Doja Muggenthaler, eine der Initiatorinnen des Bürgerbegehrens. Klingeln an der Haustür sei während des Lockdowns nicht möglich, ebenso wenig wie Info-Stände oder -Veranstaltungen.

Das Bündnis "Rettet den Kuckuckswald" setzt sich dafür ein, dass die Pläne für einen zweiten Vollsortimenter an dieser Stelle nicht weiterverfolgt werden. Kritisiert wird, dass der neue Supermarkt nur 1,2 Kilometer vom bestehenden entfernt sei und darum zu einer "enormen zusätzlichen Verkehrsbelastung" führen werde. Der geplante Vollsortimenter sei zudem überdimensioniert und "für das Dorf in jeder Hinsicht unpassend". Vor allem aber stört das Bündnis die "irreversiblen Zerstörung des intakten Ökosystems Wald". Für die Zufahrt zum Markt müssten von dem insgesamt 4600 Quadratmeter großen Wald etwa 2000 Quadratmeter gerodet werden. Dass das Bürgerbegehren jetzt erst gestartet wurde, obwohl der Bau eines zweiten Lebensmittelmarktes am Ort seit vielen Jahren im Gespräch ist,erklärt Muggenthaler, Gründerin der Initiative für Artenvielfalt, damit, dass viele Wörthseer der Meinung gewesen seien, der Markt komme an die Stelle des früheren Tengelmann an der Etterschlager Straße.

Bürgermeisterin Muggenthal sagte, sie sei gelassen, was einen Bürgerentscheid betreffe. Die Wörthseer wünschten sich einen zweiten Supermarkt am Ort. Der Gemeinderat habe jahrelang diskutiert und abgewogen und viel Geld für Gutachten ausgegeben. Darum herrsche auch Unverständnis im Gremium über das Bürgerbegehren. Der ursprüngliche Plan, auf dem Tengelmann-Areal einen neuen Markt zu bauen, sei an den Grundstückseigentümern gescheitert. Sie hätten kein Interesse daran, sagt die Bürgermeisterin.

Statt eines Vollsortimenters möchte das Bündnis bestehende kleine Läden stärken und den Dorfladen mit einem besseren Konzept wiederbeleben. Dem widerspricht die CSU. "Kleine Verkaufsläden hören sich zwar malerisch an, sind aber nicht mehr erfolgreich", schreibt der Ortsverband auf seiner Homepage. Die Tante-Emma-Läden in Etterschlag und Walchstadt mussten schließen. Der Dorfladen in Steinebach überlebte gerade einmal eineinhalb Jahre. Der Grund: Es sei moderne Einkaufsgewohnheit geworden, "alles zentral, komfortabel und schnell besorgen zu können", so die CSU.

© SZ vom 23.12.2020
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