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Dutzende Buchen in Wörthsee gefällt:Kahlschlag am Steinberg

Etwa 30 große Bäume wurden in Steinebach in der Nähe der Bahnlinie gefällt. Davon geht ein Wörthseer aus, der die Rodung kritisiert und deshalb das Rathaus und das Amt für Landwirtschaft und Forsten eingeschaltet hat.

(Foto: Arlet Ulfers)

Bürgermeisterin Christel Muggenthal bedauert die Abholzung. Der Besitzer habe ihr versichert, neue Bäume zu setzen.

Von Christine Setzwein

Viele Wörthseer sind entsetzt darüber, was sich gerade an der Weßlinger Straße abspielt. Der Hang "Am Steinberg" wird großflächig abgeholzt. Bürgermeisterin Christel Muggenthal hat bereits mehrere Beschwerden von Bürgern erhalten. Auch sie bedauert diese "radikale Forstwirtschaft, das schaut nicht schön aus". Bei dem Areal handelt es sich um Privatwald. Sie habe mit dem Besitzer, der nicht aus Wörthsee stamme, gesprochen, sagt Muggenthal. Der habe ihr versichert, dass das Gelände wieder mit "hochwertigem Buchenwald" aufgeforstet werde. Trotzdem werde sie von der Unteren Naturschutzbehörde eine Stellungnahme einholen, ob der Kahlschlag rechtens sei.

Das hat auch Stephan Bleek getan. Beim Spazierengehen ist ihm aufgefallen, dass sich die Abholzung mittlerweile den gesamten Hang "Am Steinberg" bis zu den Gärten hinaufziehe, nachdem in den vergangene Wochen bereits "im Wald nördlich vom Gut Delling Hunderte großer Buchen gefällt worden sind". Der Wörthseer schätzt den Verlust in Steinebach auf etwa 30 große, 40 mittelgroße und mehr als 200 jüngere Buchen. Bleek sagt: "Das stellt einen erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild und das Ortsbild dar."

Nicht nur das. "Die Waldflächen am Burgselberg und am Steinberg erfüllen mit Sicherheit die Funktion eines Erholungswaldes und im Bereich der Steilhänge auch die Funktion eines Schutzwaldes", schreibt Bleek an Muggenthal. Das betroffene Waldstück am Steinberg liege im Landschaftsschutzgebiet. Durch den Bayernatlas sieht sich der Wörthseer bestätigt: In der Waldfunktionskartierung ist der Wald am Steinberg als "Schutzwald für Immissionen und lokales Klima" sowie als Erholungswald klassifiziert. Bleek hat noch etwas anderes gefunden. Im Bayerischem Waldgesetz heißt es nämlich: "Der Kahlhieb im Schutzwald bedarf der Erlaubnis." Ob der Grundstückseigentümer eine hatte, will Bleek nun vom Amt für Landwirtschaft und Forsten in Weilheim wissen. Wenn nicht, "riecht das nach Skandal".

Ob es sich um einen Frevel oder um ordnungsgemäße Waldbewirtschaftung handelt, prüft die Behörde gerade. Als Christine Achamer, die für die Forste im Landkreis Starnberg zuständige Abteilungsleiterin von dem Vorfall erfahren hat, hat sie sofort den zuständigen Revierförster losgeschickt, um nachzusehen. Seine Einschätzung lag aber bis Freitagnachmittag noch nicht vor.

© SZ vom 09.01.2021
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