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Wirtschaftspreis:Mit Memory-Spielen für die Schule lernen

Starnberg: Wirtschaftspreisnominierte Medien LB

Eine große Auswahl von Filmen bietet Anita Stangl in ihrer Firma an.

(Foto: Nila Thiel)

Die Starnberger Firma "MedienLB" von Anita Stangl bietet interaktive Unterrichtsmaterialien an

Von Jessica Schober, Starnberg

Ausgerechnet ein Lernvideo über Pandemien hatte sich Anita Stangl auf die Agenda geschrieben. Das war vor Corona; da konnte sie noch nicht ahnen, dass ihr Medienunternehmen für digitale Bildungsinhalte bald überrannt werden würde von verzweifelten Lehrern, die plötzlich online unterrichten mussten. Jetzt ist der 15-minütige Film über Pandemien, der in deutschen Klassenzimmern im Biologieunterricht gezeigt werden soll, um einige Informationen über Covid-19 ergänzt worden und kann bald von Schulen als Unterrichtsmaterial heruntergeladen werden, wenn ihr zuständiges Medienzentrum die Lizenz dafür erworben hat. Mit ihrer MedienLB trifft Stangl derzeit einen Nerv. Wohl auch deshalb ist die Starnberger Firma für den Wirtschaftspreis des Landkreises nominiert worden.

Mehr als 40 000 Filmschnipsel und über 100 000 interaktive Arbeitshefte bietet Stangl als Lehrmaterial an. Die Filme sind alle selbst gedreht, ohne Werbung und orientieren sich an den Lehrplänen der Bundesländer. Besonders die Nachfrage nach interaktiven Arbeitsheften und Übungsblättern im vergangenen halben Jahr sei rasant gestiegen, erzählt sie.

"Es kann doch nicht sein, dass die Schüler im Heimunterricht bloß seitenweise pdf-Dokumente zum Ausdrucken zugeschickt bekommen und sich dann alles selbst beibringen sollen", sagt die gelernte Grundschullehrerin Stangl, die selbst Mutter von 16-jährigen Zwillingsbrüdern ist. Vor allem in einer Zeit, in der es zahlreiche interaktive Anwendungen gebe, die zum Lernen motivieren könnten, zum Beispiel Lückentexte, Multiple-Choice-Fragebögen oder digitale Memory-Spiele. Doch nicht nur die Schüler sollen mehr mitmachen dürfen, auch Lehrer sollten mehr selbst gestalten können, wenn es nach Stangl geht. Zum Schuljahresbeginn hat MedienLB n eine neue Plattform entwickelt: Einerseits mit einer Mediathek mit fertigen Arbeitsmaterialien, andererseits mit einem digitalen Arbeitsplatz, an dem Lehrer selbst eigene interaktive Arbeitshefte mit Hilfe der frei zugänglichen Software HP5 für ihre Schüler erstellen können.

Als Anita Stangl die MedienLB 2006 gründete, hatte sie vorher ihren Job beim Medieninstitut der Länder gekündigt. Sie ahnte, dass man das, was ihr vorschwebte, viel besser privatwirtschaftlich umsetzen könnte. Kurzerhand nahm sie einen Kameramann und dessen Netzwerk von der alten Arbeitsstelle mit und produzierte seitdem Lernvideos über den menschlichen Körper, Mittelgebirge oder Märchen.

Mit Beginn der Corona-Pandemie brach in ihrer Firma erstmal "der Vollstress aus", wie sie sagt, weil sämtliche ihrer Filmemacher keine Drehgenehmigungen mehr bekamen. 150 neue Lernvideos wollte Stangl 2020 produzieren, doch die mussten warten. Stattdessen schwenkte die Firma auf ihr zweites Standbein um und produzierte nun mit Hochdruck neue interaktive Arbeitshefte. Inzwischen sind etwa 15 fest angestellte Mitarbeiter und mehr als 100 freie Mitarbeiter mit vorwiegend pädagogischem Hintergrund beschäftigt. Allein in den Sommerferien holte die 54-jährige Starnbergerin Stangl etwa zehn neue freie Mitarbeiter an Bord.

Was Stangl unterdessen ärgert, ist die bayerische Kleinstaaterei der regionalen Medienzentren. Im Landkreis Starnberg würden zum Beispiel kaum Schüler auf die Lernvideos und Arbeitsblätter vom ortsansässigen Unternehmen MedienLB zugreifen können. Die Lizenzen dafür erwerben die jeweils zuständigen Medienzentren, die mit sehr unterschiedlichen Budgets und Ansprüchen für die jeweiligen Schulen im Landkreis einzelne Medien einkauften. Ganz anders habe zum Beispiel das Bundesland Rheinland-Pfalz reagiert, das bei MedienLB gleich eine Komplett-Lizenz für alle Schulen im Wert von einer halben Million Euro gekauft habe, erzählt Stangl.

Die Jury des Wirtschaftspreises begründet die Nominierug der Firma so: "Die Medien LB hat die eigene Produktion komplett auf digitale Produktionsprozesse umgestellt und in der Corona-Krise ein vollständig neues und einzigartiges Schulprodukt auf die Beine gestellt. Wir hoffen sehr, dass möglichst viele Schulen bald darauf zurück greifen können und die Digitalisierung weiter Einzug in unsere Schulen hält."

© SZ vom 12.10.2020

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