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Wirtschaft:Ulenspiegel gibt auf

Machtlfing Ulenspiegel Druck

Die Tage der Machtlfinger Druckerei Ulenspiegel sind gezählt. Christoph Merk und seine zwei Miteigentümer werden den Betrieb einstellen.

(Foto: Georgine Treybal)

Andechser Öko-Druckerei mit 42-jähriger Tradition zieht wegen Umsatzeinbußen in der Corona-Krise die Notbremse

Von Sabine Bader, Andechs

Die Ulenspiegel-Druckerei in Machtlfing stellt ihren Betrieb ein. Auslöser dafür war letztlich der Lockdown wegen der Corona-Pandemie und die damit verbundene, langfristig unsichere Perspektive im Kultursektor. Denn Theater, Kinos und Bildungseinrichtungen wie beispielsweise die lokalen Volkshochschulen und die Evangelische Akademie Tutzing zählen zu den Kunden der Druckerei. Sie alle hatten in den vergangenen Monaten ihre jeweiligen Veranstaltungen absagen müssen und benötigten darum auch keine gedruckten Programme.

"Natürlich hätten wir die Zeit mit einem Kredit überbrücken können", sagt Ulenspiegel-Miteigentümer Christoph Merk. Da aber eine Besserung der Situation nicht in Sicht gewesen sei - sowohl was die Pandemie als auch die finanzielle Situation der Kunden betrifft - "haben wir uns Anfang Juni aktiv dazu entschlossen, unseren Geschäftsbetrieb einzustellen." Die Entscheidung sei ihm und den beiden Miteigentümern natürlich schon schwer gefallen, aber es sei immer noch besser, jetzt die Notbremse zu ziehen, als "in einem halben oder dreiviertel Jahr in eine Insolvenz zu schlittern". Im Lockdown lagen die Umsatzeinbußen nach seinen Angaben anfangs bei 50 Prozent. Und auch jetzt seien es noch immer mehr als 30 Prozent. "Das reicht einfach nicht mehr, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten."

Die Druckerei Ulenspiegel hat eine mehr als 40-jährige Tradition. Sie war 1978 von Münchner Studenten der Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Pädagogik gegründet worden. Die jungen Firmengründer standen der Anti-Atomkraft-Bewegung nahe. Ihr Gedanke war es, hierarchiefrei und selbstbestimmt im Kollektiv zu arbeiten. Besonders der ökologische Aspekt lag ihnen schon damals am Herzen. 1989 beschlossen sie dann, aufs Land zu ziehen, um Leben und Arbeiten miteinander zu verbinden. Sie fanden zunächst in der alten Andechser Molkerei eine neue Bleibe, 2006 zog die Firma nach Machtlfing um. Nachhaltigkeit zählt zu den Grundgedanken, denen sich das Unternehmen laut Merk auch heute verpflichtet sieht. Nicht umsonst wirbt Ulenspiegel damit, dass man als Kunde hier seine Postkarten, Plakate, Gutscheine, Visitenkarten, Flyer, Broschüren oder sein Briefpapier "umweltfreundlich und ohne schlechtes Gewissen" drucken lassen kann. Denn als Umweltdruckerei biete die Firma schon "seit 1999 Öko-Druck nach modernsten Umweltstandards" an und sei dafür mit dem "EMAS-Zertifikat, dem weltweit anspruchsvollsten Umwelt- und Qualitätsmanagementsystem der Europäischen Union", ausgezeichnet worden.

Merk zählt gemeinsam mit Barbara Classen und Stefan Maier bereits zur zweiten Generation der Ulenspiegel-Eigentümer. Er stammt aus Weilheim, lebt in Raisting und ist mit seinen 49 Jahren von den drei Eignern der Dienstälteste und Älteste. Er erzählt, dass er nach dem Abitur nicht so recht wusste, was er studieren sollte, und dann bei Ulenspiegel eine Lehre als Drucker begann und blieb. Das ist jetzt 30 Jahre her. Neben Merk, Classen und Maier gibt es noch drei weitere Mitarbeiter im Machtlfinger Unternehmen.

Die bevorstehende Abwicklung der Firma wird nach Merks Angaben voraussichtlich rund ein Jahr dauern. Den rund 1000 Kunden von Ulenspiegel, die überwiegen aus den Bereichen Veranstaltung und Kultur stammen, will man für die Zukunft zwei lokale Partnerdruckereien in der Gegend empfehlen.

© SZ vom 13.08.2020
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