bedeckt München 25°
vgwortpixel

Wirtschaft:Molkerei Scheitz steigert ihren Umsatz

Wenn der Umsatz stimmt, kann auch gebaut werden: Die Andechser Molkereichefin Barbara Scheitz ist zufrieden.

(Foto: Arlet Ulfers)

Andechser Bio-Betrieb verzeichnet ein Wachstum von 2,7 Prozent und wirbt erstmals auch im Fernsehen um Kunden. Ein neues Produkt ist der Bio-Ziegenalpenkäse, der demnächst auf den Markt kommt

Der Bayer mag Bio. Im Freistaat wird der mit Abstand größte Anteil Biomilch produziert. Insgesamt ist der Anteil von Biomilch in Deutschland in den ersten vier Monaten 2018 um etwa 30 Prozent gestiegen. Die Molkerei Scheitz in Andechs macht da keine Ausnahme. 2017 erzielte der 1908 gegründete Familienbetrieb ein Umsatzwachstum in Höhe von 2,7 Prozent, sagte Molkereichefin Barbara Scheitz am Dienstag vor der Presse.

Mittlerweile verarbeiten die Andechser 115 Millionen Kilogramm Kuh- und 9,4 Millionen Kilogramm Ziegenmilch. Geliefert wird sie von 645 Biobauern, davon halten 545 Kühe, 100 haben Ziegen. Allein 2018 kamen 15 neue Biobauern dazu, sagte Scheitz. Aber auch die bestehenden Lieferanten bauten aus. Um die 50 Cent pro Liter zahlt die Andechser Molkerei den Biobauern. Das sind 13 Cent mehr als für konventionell produzierte Milch. Für Bio-Ziegenmilch gibt es 90 Cent pro Liter. Viele Bauern haben deswegen in den vergangenen Jahren auf Bio-Betrieb umgestellt. Auf der sicheren Seite seien aber nur diejenigen, die auch einen Vertrag mit einer Molkerei haben, sagte Scheitz. Viele andere bleiben gerade auf ihrer Biomilch sitzen oder müssen sie zum konventionellen Preis verkaufen, weil das Angebot die Nachfrage übersteigt.

190 Molkerei-Mitarbeiter verarbeiten die Biomilch in Andechs zu Joghurt, Quark, Butter, Käse, Sahne, Kefir und Desserts. 70 Prozent davon erscheinen unter der Marke "Andechser Natur", der Rest - "unser Fitnessprogramm" - als Handelsmarken auch in Discountern. Aber auch wenn es gut läuft für den Andechser Mittelstandsbetrieb, ausruhen ist nicht. Die Angebotspalette wird ständig erweitert. So gib es jetzt einen Sweet Lassi mit Rosenwasser, Saisonsorten im Winter und demnächst einen Bio-Ziegenalpenkäse. Seit Anfang des Jahres werden die Produkte mit dem Siegel "3x mehr Reifezeit für mehr Geschmack" versehen, das Markenlogo erhält eine einheitliche Schrift. "Damit wir im Kühlregal besser gesehen werden", meint Barbara Scheitz. Zum ersten Mal wirbt die Molkerei auch im Fernsehen: "Wir müssen neue Verbraucher gewinnen." Kunden sind der Naturkost- und Reformhandel, der Lebensmitteleinzelhandel sowie industrielle Großabnehmer.

Investiert wird auch weiter am Standort Andechs. Nach der Inbetriebnahme einer neuen Joghurt-Abfüllanlage und eines weiteren Joghurttanks entsteht jetzt eine neue überdachte Milchannahme, das Tanklager wird erweitert. "Zum ersten Mal bauen wir auch einen Keller", freut sich Scheitz. Dafür wurden Pfähle 14 Meter tief in die Erde gebohrt. Fünf Millionen Euro kostet die Baumaßnahme, die im November beendet sein soll. Ausgelastet ist der Betrieb nicht, sagte Scheitz. "Wir könnten auch alle Schulen in Bayern mit Trinkmilch beliefern." Sorge bereitet der Molkereichefin die Lage auf dem Ausbildungsmarkt. "Bis vor zwei Jahren hatten wir kein Problem, Auszubildende zu finden. Jetzt haben wir es." Wer Milchtechnologe werden möchte, kann sich bewerben.

Als "bewussten Genussmenschen" beschreibt Scheitz ihre Kundschaft. Es gibt sie nicht nur in Bayern und Deutschland, sondern in ganz Europa, vor allem in Frankreich, Rumänien und Italien.

  • Themen in diesem Artikel: