Windräder in Starnberg Fünfseen- und Propellerland

Bis zum Jahr 2035, so das erklärte Ziel des Kreistages, will der Landkreis Starnberg seinen Strombedarf rechnerisch komplett aus regenerativen Quellen decken. Mit einem Pilotprojekt lenkt man den Bau neuer Windräder nun in geordnete Bahnen.

Von Sabine Bader

Wer im schönen, wohlhabenden Landkreis Starnberg lebt, gehört unstrittig zu den Privilegierten der Republik: Seen, Alpenpanorama und die Nähe zu München tragen zum Reiz des Fünfseenlands bei. Eine Idylle, die es zu schützen gilt. Den Müll haben die Starnberger darum zeitweise sogar bis an die Ostsee gekarrt. Doch nun dreht sich im Landkreis Starnberg buchstäblich der Wind. Nicht verhindern will man hier, sondern aktiv sein - in Sachen Energiewende. Bis zum Jahr 2035, so das erklärte Ziel des Kreistages, will der Landkreis Starnberg seinen Strombedarf rechnerisch komplett aus regenerativen Quellen decken. Ohne Windenergie wird dies nicht gehen, das wissen alle Beteiligten. Sie muss einen erklecklichen Teil zur Wende beitragen. Damit sich die vom Gesetzgeber privilegierten Windräder künftig aber nicht überall im Fünfseenland munter drehen - etwa auf der Ilkahöhe oder vor dem Kloster Andechs -, legt der Landkreis Starnberg jetzt eine Pilotplanung vor. Darin erstellen die 14 Gemeinden sogenannte Teilflächennutzungspläne, die dann rechtlich als gemeinsame landkreisweite Planung für Windanlagen gelten. Man könnte das Ganze auch als eine Art Solidargemeinschaft bezeichnen. Denn der Vorteil ist, dass nicht in jeder einzelnen Kommune zwingend ein Standort gefunden werden muss. Außerdem lassen sich Mindestabstände zwischen Windrädern und Wohnbebauung festschreiben, die über die gesetzlichen hinausgehen: Bei einem 200 Meter hohen Windrad sieht die Rechtssprechung 600 Meter zur nächsten Siedlung vor, im Kreis Starnberg sollen es künftig mindestens 1000 Meter sein. Die Devise von Starnbergs Kreisbaumeister Christian Kühnel ist einfach: "Windräder ja, aber mit Verstand platziert." Er wagt damit den Spagat zwischen einem Ja zur Energiewende und einem Nein zum landschaftlichen Wildwuchs. "Wir behalten das Heft in der Hand", heißt es von Seiten des Landkreises. Und so wollen sich vornehmlich die Kommunen selbst die in Frage kommenden Flächen sichern. In der Gemeinde Berg ist dies bereits geschehen. Hier plant die Gemeinde mit den Stadtwerken München bis zu vier Windräder nahe der Garmischer Autobahn. Und obwohl dies zu Protesten im Nachbarlandkreis führt, dürfte auch den Bürgern dort schnell klar werden: Der Starnberger Weg ist zur Nachahmung durchaus geeignet.

Bis zum Jahr 2035, so das erklärte Ziel des Kreistages, will der Landkreis Starnberg seinen Strombedarf rechnerisch komplett aus regenerativen Quellen decken. Mit einem Pilotprojekt lenkt man den Bau neuer Windräder nun in geordnete Bahnen.

(Foto: dpa)