Heute erzähl ich euch mal ein Geheimnis. Das hab' ich noch niemandem gesagt. Okay, außer natürlich meiner Oma und den Freunden. Ja, und weitläufigeren Bekannten vielleicht auch. Ich habe immer wieder denselben Traum: Ich sei im Starnberger Schlossgarten, würde dort flanieren und den Herrgott einen guten Mann sein lassen. Da höre ich plötzlich, wie ein Schlüssel im Schloss herumgedreht wird. Ich erschrecke furchtbar. Aber dann ist mir klar: Abends wird der Schlossgarten ja immer abgesperrt. Wie konnte ich das vergessen. Jetzt muss ich die ganze Nacht hier oben bleiben.
Da hat man es auf der "Wiege von Starnberg" besser. Ihr wisst schon: Das ist das magentafarbene Monstrum des Pforzheimer Künstlers Andreas Sarowz, das zwischen Seebahnhof und Heimatmuseum steht und auf dem man herumklettern kann. Wer da nach 22 Uhr oben in zehn Metern Höhe ist, der tut zwar etwas Verbotenes, aber es gibt dort kein Schloss und keinen Schlüssel. Das heißt, man kann jederzeit wieder runter und heimgehen wenn es einem zu kalt werden sollte.
Neulich hab' ich's mal ausprobiert. Bin so um 22.30 Uhr die 50 Stufen auf die Riesentribüne geklettert und hab' mich oben hingepflanzt. Davor bin ich noch über 'ne leere Bierdose gestolpert, aber das tut nichts zur Sache. Runtergestaubt hat mich übrigens niemand. Wäre ja auch der Hammer gewesen, denn ich war weder laut noch hatte ich einen störenden Scheinwerfer dabei. War also erschreckend brav.
Und wer sich fragt, was es dort oben Besonderes zu sehen gibt, dem sei gesagt: eine ganze Menge! Da ist zum Beispiel der nächtlich Blick auf die vorbeifahrenden S-Bahnen. Der hat was! Nur was eigentlich? Oder der Blick von der Rückseite der Wiege: Dort sieht man das historische Lochmann-Haus, in dem das Heimatmuseum untergebracht ist, mal aus ganz neuer Perspektive.
Ja, und dann wäre da noch... Ihr dürft es aber nicht nachmachen, versprochen? Der Blick in die Fenster der umliegenden Wohnungen. Haben alle keine Vorhänge, die Leute. Klar, sie wähnten sich ja bisher unbeobachtet. Ein Trugschluss, seit man auf die Wiege darf.
Das Einzige, was ich immer noch nicht kapiert hab': Warum heißt das Ding eigentlich Wiege? Laut dem Bauherren, dem Projektentwickler Ehret & Klein, stellt der Name "Wiege von Starnberg" einen Bezug zur "historischen Entwicklung des Grundstückes und des benachbarten historischen Lochmann-Anwesens her. Zusätzlich spielt der Name auf den Beginn eines neuen "place to be" in Starnberg an. Häää? Wenn Ihr mich fragt: Da wiegt sich nichts und die Stufen sind knallhart. Wer mir den Namen also ordentlich erklären kann, mit dem verbring' ich einen Abend auf der Wiege. Versprochen.