Wiedereröffnung:Die neue Kunstfreiheit

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Nach drei Monaten macht das Buchheim-Museum wieder auf. Die Besucher sind begeistert - auch wenn sich der Andrang zum Auftakt in Grenzen hält

Von Valentina Mendez-Höcherl, Bernried

Bernried: Buchheim Museum -  Besucher

Cornelia und Barbara Rosenthal bestaunen Heckels "Landschaft bei Rom".

(Foto: Nila Thiel)

Seit Dienstag ist Schluss mit dem Kulturbanausen-Dasein, denn in Landkreisen mit einer Inzidenz von unter 100 dürfen Kultureinrichtungen wieder öffnen - so auch das "Buchheim-Museum der Phantasie" am Starnberger See nach einer dreimonatigen Kunstdürre. "Wir sind gut aufgestellt", sagt Direktor Daniel J. Schreiber. Schließlich habe er gemeinsam mit Mitarbeitern das Hygienekonzept nochmals überarbeitet und verfeinert. Um die Besucherzahl zu regulieren, ist der Zutritt ausschließlich per Online-Reservierung und zu drei unterschiedlichen Zweistunden-Blöcken zwischen 10 und 16 Uhr mit FFP2-Maske möglich. Zum Neustart bleibt der ganz große Andrang jedoch noch aus.

Bernried: Buchheim Museum -  Besucher

Im Wind flattert eine Installation zur Gedok-Schau.

(Foto: Nila Thiel)

Beim Betreten werden die Besucher von einer Flasche Desinfektionsmittel und von Sicherheitspersonal begrüßt, das die persönlichen Daten aufnimmt. Der Abstand zur Kasse ist auf dem Teppich farbig markiert, und ein Ampelsystem an der Eingangstür reguliert die maximale Besucheranzahl von 150 Personen. Führungen sind nicht erlaubt, doch an der Kasse gibt es die Audioguides. Fußstapfen-Kleber auf dem Boden führen in Einbahnstraßen von einem Saal zum nächsten.

"Ich will, dass die Leute den puren Genuss haben. Bei uns soll man eine sorgenfreie Zeit haben", sagt der Museumsdirektor. Stopp- und Verbotsschilder würden da nur stören. Deshalb habe man die Regulierungen dem ästhetischen Anspruch des Museums angepasst.

In den Kunstsälen angekommen, können Besucher drei große Ausstellungen erleben: Die Schau "Erich Heckel. Einführung & Ausdruck", die bis 6. Juni zu sehen ist, umfasst 400 Arbeiten, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken. Dazu kommt "Die Brücke. Eine Auswahl". Die 69-jährige Rentnerin Barbara Rosenthal aus Berg ist begeistert: "Ich wusste nichts von der Heckel-Ausstellung, aber der große Umfang der Arbeiten ist ganz toll. Sie sind klein und vielfältig, etwas ganz Besonderes." Ihre Stieftochter Cornelia aus München ist zum ersten Mal im Bernrieder Buchheim-Museum und lobt vor allem die Beleuchtung der Bilder.

Die Jahresausstellung des Künstlerinnen-Netzwerks Gedok zum Thema "Wind - vom Hauch bis zum Hurrikan" ist bis zum 9. Mai zu sehen. Die Werke der teilnehmenden Künstlerinnen sind sowohl im Außen- als auch Innenbereich des Museums und in einer großen medialen Vielfalt zu finden.

Die 56-jährige mitwirkende Künstlerin Rose Stach aus Gräfeling konnte es kaum erwarten, die Schau endlich live zu sehen. "Ich habe jetzt die erste Gelegenheit genutzt, um die Ausstellung endlich zu sehen", so die Künstlerin. Sie finde es "herrlich", wieder in Museen gehen zu können. Kunst habe in ihrem Leben schließlich einen hohen Stellenwert. "Kunst ist wie Nahrung, sie gibt Inspiration und Lebensfreude", sagt die Künstlerin.

Museumsdirektor Schreiber hatte keinen großen Ansturm zur Wiedereröffnung erwartet. Der Dienstagmorgen begann dann auch ruhig und mit nur zehn Besuchern. Zwischen 12 und 14 Uhr waren dann schon 45 Kunstliebhaber im "Museum der Phantasie". Eine von ihnen: die zehnjährige Lotte Facilides aus Hamburg mit ihrem Bruder und den Eltern. Sie finde vor allem die Pflanzen und Landschaften der Bilder "cool". "Manchmal denkt man, Museen sind langweilig, aber wenn man dann da ist, ist es doch nicht so schlimm", stellt Lotte fest.

Wie auch Lottes Mutter Silke Facilides hatte die 68-jährige Gautingerin Gabriele Krause Museumsbesuche im Lockdown vermisst. Da sie ohnehin nicht mit einem riesigen Andrang gerechnet habe, fürchte sie sich auch nicht vor einer Ansteckung. Die Online-Reservierung habe gut funktioniert, sagt sie.

Informationen unter www.buchheimmuseum.de. Reservierung im Ausnahmefall auch per Telefon unter 08158/99700. Das Café ist derzeit geschlossen, von Ende März an soll es To-go-Kaffee geben.

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