Wetter:Der ewige Sommer

Die Monate April bis August 2018 waren die wärmsten, die jemals im Alpenvorland und deutschlandweit gemessen wurden.

Von Armin Greune

Er hat sich nur ein bisschen zu früh aus dem Alpenvorland verabschiedet, sonst wäre der Sommer 2018 gut im Rennen gelegen. So aber bleiben Temperatur- und Sonnenscheinrekord von 2003 ungebrochen, der deshalb - angesichts des Klimawandels vermutlich etwas voreilig - den Titel "Jahrhundertsommer" trägt. Dennoch werden die vergangenen drei Monate den Bewohnern und Besuchern des Fünfseenlands wohl in bester Erinnerung bleiben. Wochenlang nur lauschige Biergartenabende, je nach Gemeinde bloß ein oder zwei Unwetter, keine Dürre und Wassertemperaturen bis zu 28 Grad: Besser kann ein Sommer selbst am Mittelmeer kaum ausfallen.

Juni bis August 2018 liegen auf Platz drei in der Statistik der Meteorologen auf dem Hohen Peißenberg, deren Temperaturmessreihe bis ins Jahr 1781 zurückreicht - und damit weiter als alle anderen Wetterdatensammlungen in Mitteleuropa. Mit einer mittleren Temperatur von 17,4 Grad werden diese drei Monate nur von den Sommern 2003 (19,1 Grad) und 2015 (17,8 Grad) übertroffen. Würde man aber noch die extrem warmen Frühlingsmonate April und Mai 2018 mit hinzuziehen, "kann man für unsere Station, aber auch deutschlandweit sagen, dass diese Fünf-Monats-Periode der wärmste und sonnenscheinreichste Zeitraum seit Beginn aller regelmäßigen Messungen war," sagt Siegmar Lorenz, Wetterbeobachter auf dem Hohen Peißenberg.

Dabei fiel der Sommer heuer im Alpenvorland - im Gegensatz zu vielen Regionen in Deutschland - nicht einmal besonders trocken aus: Mit 372 Litern pro Quadratmeter (also rechnerisch Millimetern) wurde noch 77 Prozent des langjährig zu erwartenden Regens erreicht. Deutschlandweit aber verzeichnete man den zweittrockensten Sommer seit Messbeginn. Auf dem Hohen Peißenberg schien in diesem Sommer 791 Stunden lang die Sonne. Dieser Wert wurde in der bis zum Jahr 1937 zurückreichenden Messreihe dort nur 2003 übertroffen.

Dass es heuer nicht zum Jahrhundertsommer reichte, ist vor allem auf die letzte Augustwoche zurückzuführen: Am 23. August kam die erste Kaltfront aus Nordwesten, nach einem Zwischenhoch folgten seit 29. Dauerregen oder Dauer-Hochnebel, am Monatsletzten kletterte das Quecksilber nur noch auf ein Tagesmaximum von gerade mal 12,2 Grad. Am heißesten Augusttag 2018, dem 9. August, wurden am 1000 Meter hoch gelegenen Observatorium 30,7 Grad gemessen, es war somit der wärmste 9. August seit Beginn der Aufzeichnungen. 400 Meter niedriger, im Fünfseenland, wurden an diesem Tag 34 Grad erreicht, wie die Werte der agrarmeteorologischen Stationen in Rothenfeld und auf Gut Hüll belegen. See- und Freibäder hatten Hochkonjunktur, Helwigs Kino Open Airs und die Uttinger Seebühne durften sich über Besucherrekorde freuen. Im Fünfseenland wurden den Sommer über elf sogenannte Hitzetage registriert, wie Meteorologen die Tage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad bezeichnen.

Auf dem Hohen Peißenberg war der August der fünftwärmste seit 1781. Dank kräftiger Schauer fielen dort 188 Millimeter Regen gemessen, was 19 Prozent über dem zu erwartenden Augustwert lag. Die letzten drei Augusttage steuerten allein 42 Prozent des langjährigen Mittels bei. Weiter nördlich wirkt sich die Staulage der Alpen nicht so stark aus: Entsprechend niedriger waren die Augustniederschläge in Rothenfeld (122 Millimeter) und Gut Hüll (86 Millimeter). Den ganzen Sommer wurden in Rothenfeld 313, in Gut Hüll 263 Millimeter Regen gemessen.

Auf dem Hohenpeißenberg kam der erste meteorologische Sommermonat nur auf zwei Drittel des statistisch zu erwartenden Juniniederschlags. Die Temperatur lag um 2,7 über dem Monatsmittel von 12,7 Grad. Die Sonne schien 232 Stunden, was 116 Prozent des Junimittels entspricht. Der Juli 2018 lag mit einer Durchschnittstemperatur von 18,1 Grad um 3,1 Grad über dem langjährigen Mittel. Auf dem Hohen Peißenberg fiel im Juli nur knapp die Hälfte der langjährig zu erwartenden Niederschlagsmenge. Genau wie im August überstieg die Zahl der Sonnenstunden das Monatsmittel um 27 Prozent.

© SZ vom 04.09.2018
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