Weßlinger Umfahrung Aufregung um Amphibien

Wie gut geht es Kröte und Co. an der Weßlinger Umfahrung? Derzeit werden die Tiere gezählt, um zu prüfen, wie gut sie die Tunnels annehmen. Dabei sterben Tiere, warnen Bund Naturschutz und Amphibienschützer. Das beauftragte Umweltbüro weist diesen Vorwurf zurück.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Der Gemeinderat droht mit juristischen Schritten, weil bei der Zählung Kröten und Frösche sterben. Das Staatliche Bauamt und ein Umweltbüro bestreiten Missstände.

Von Patrizia Steipeund Sabina Zollner

Der Streit um den Krötenschutz an der Weßlinger Umfahrung eskaliert: Keinen einzigen Tag mehr wolle man den Tierquälereien zusehen, donnerte es am Dienstagabend in der Sitzung des Gemeinderats. Die Lokalpolitiker beschlossen umgehend rechtliche Schritte gegen das Staatliche Bauamt Weilheim und ein beauftragtes Münchner Umweltplanungsbüro wegen eines Verstoßes gegen das Artenschutzgesetz.

Derzeit laufen Zählungen der Amphibien an der Umfahrung - eine sogenannte "Akzeptanzkontrolle" -, bei denen der Gemeinderat Missstände erkennt und ein Sterben vieler Tiere fürchtet, was die Firma bestreitet. Wenn sich die Situation nicht bessere, werde die Gemeinde den Bund Naturschutz beauftragen, mit seinen ehrenamtlichen Helfern die Amphibien zu befreien, was die Zählung zunichte machen würde. In der Sitzung am Dienstag hieß es noch, damit könne schon am nächsten Tag begonnen werden. Am Mittwoch wollte Bürgermeister Michael Muther der Firma noch eine Chance geben - schließlich blieb es am Abend trocken, ohnehin kein gutes Wanderwetter für Kröte und Co.

Zum wiederholten Mal hatten Gerhild Schenck-Heuck vom Bund Naturschutz und Amphibienschützerin Daniela Brombach von unerträglichen Zuständen während der Krötenwanderung berichtet. Viel zu lange müssten die Amphibien in den aufgestellten, aber völlig überfüllten Eimern auf die Zählung warten. Früher seien die Krötensammler morgens und abends unterwegs gewesen, das Büro rücke nur einmal am Tag an. Etliche Tiere würden dies nicht überleben. "Sie werden von den anderen unter Wasser gedrückt und ersticken", kritisiert Brombach. Die Gemeinderäte waren sich einig, dass "Frösche hinübertragen wichtiger ist als die Zählung, denn dann lebt der Frosch weiter", hatte es Klaus Ebbinghaus (SPD) in Worte gefasst.

Scharf kritisierte Bürgermeister Muther die Behörden. Trotz unzähliger Unterstützungsangebote aus der Gemeinde habe niemand reagiert, "weder die Untere Naturschutzbehörde noch die Regierung von Oberbayern. "Jetzt entscheiden wir, wann die Eimer geleert werden müssen."

Das Staatliche Bauamt ist offen für Verbesserungsvorschläge, hält es aber für kontraproduktiv, dass Helfer die Tiere selbständig aus den Eimern fischen wollen: "In dieses System sollte man sich auf keinen Fall einmischen. Das würde die Ergebnisse unserer Akzeptanzkontrolle verfälschen", erklärte der Abteilungsleiter für den Landkreis Starnberg, Raphael Zuber.

Der Inhaber des Umweltbüros, Bahram Gharadjedaghi, weist die Kritik zurück. Bisher sei keine einzige tote Amphibie in den Eimern gefunden worden. Er hält es auch für unproblematisch, dass mehrere Tiere über Nacht in den Eimern sitzen, da Frösche und Kröten unter Wasser atmen können. Dass nicht genügend Amphibien auf der anderen Seite ankommen, kann er auch nicht bestätigen: "Es ist Unfug jetzt schon Behauptungen über die Effizienz der Anlage aufzustellen."

Naturschützerin Daniela Brombach kritisierte zudem, dass bereits einige der Frösche wieder von den Laichgewässern zurückwanderten. Das bestritt der Biologe Gharadjedaghi, es sei kein Problem, wenn der ein oder andere Molch vorerst auf der Seite der Laichgewässer verweilen müsse: "Die Leute sollten verstehen, dass das, was wir hier machen, dem Artenschutz dient."