Einen Vorgeschmack darauf, wie die Bahnhofshalle belebt werden könnte, gibt es noch bis zum 23. Dezember in Weßling. Gestern haben dort 14 Aussteller einen "Pop-up-Store" eröffnet. "Ich wollte so etwas schon immer für Gewerbetreibende ohne Laden machen", erklärte Christina Mörtl-Diemer, Vorsitzende des Wirtschaftskreises. In Rekordzeit wurden die Genehmigungen eingeholt, Flyer gedruckt und Produkte für den Verkauf zusammengestellt. "Am 29. November hatten wir ein erstes Zoom-Meeting zu siebt", sagte Lena Ohlen. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda seien weitere Teilnehmer gefunden worden, zum Beispiel die Goldschmiedin Sarah Khouma-Rothkirch. In ihrer Werkstatt bei sich zu Hause hat sie eine Kollektion aus filigranem Gold- und Silberschmuck für den Pop-up-Store kreiert.
Die vergangenen Monate waren hart für die Schneiderin Barbara Stephan. "Alle großen Aufträge sind weggebrochen", erklärte die Betreiberin des "Nateliers". Normalerweise hätte sie Hochzeits- und Abendkleider angefertigt. Ihre Rettung waren selbst genähte Mund-Nase-Masken. 600 Stück dieser bunten Stoffmasken habe sie verkauft. An ihrem Stand gibt es außerdem waschbare Abschminkpads sowie Geschenktaschen aus Stoff. Feine Schalen aus Ton, stellt Anna Eibl-Eibesfeldt aus. "Im Lockdown habe ich mir eine Drehscheibe und einen Brennofen gekauft", erklärt die Malerin und Kunstlehrerin. Schon lange sei das ihr Wunsch gewesen.
Die Corona-Krise hat auch bei Anna Schäfer einen Kreativitätsschub ausgelöst. Die Grafikerin und Illustratorin hatte Zeit, da Aufträge storniert worden waren. Deswegen hat sie Karten gestaltet und unter dem Motto "Untergetaucht" eine Schwimmfigur in die Umrisse der Landkreisseen eintauchen lassen. Karten kreiert auch Felix Flesche. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sich der Architekt mit Buchdruck auf alten handbetriebenen Druckerpressen und hat 200 Karten- und Plakatmotive im Angebot.
Altes Segeltuch wird von Lena Ohlen "upgecycelt". Jede ihrer Taschen ist ein Unikat. Bei manchen sieht man noch die alten Ösen oder Gebrauchsspuren, bunte Träger und Riemen gepaart mit den groben Zickzacknähten geben dem Ganzen ein originelles Aussehen. Während des Lockdowns habe sie den Mut bekommen, in der Oberen Seefeldstraße ein eigenes Geschäft zu eröffnen, berichtet sie.
Bunt und fröhlich sind die Holz- und Mosaikbilder von Stefan Negele. Eigentlich hätte er in diesem Jahr eine Ausstellung in Südafrika gehabt. Trotz der coronabedingten Absage konnte er vier Bilder dorthin verkaufen. "Der November war sogar ein besserer Monat für mich als im Jahr zuvor", so der Nebenerwerbskünstler.
Passend zu den kalten Temperaturen sind die gestrickten Mützen am Stand von Halina Neteler. Ihre 75-jährige Mutter, Doris Torgau-Kranz, hätte sie wie immer auf einem Christkindlmarkt verkaufen wollen. "Das ist jetzt eine tolle Alternative." Neben den kunsthandwerklichen Angeboten gibt es auch kulinarische: Plätzchen aus dem Café am See, Nudeln und Öle von "Il Plonner" und Imker Michael Ruhdorfer hat Honig dabei und wirbt für ein Patenprojekt für einzelne Bienenvölker. Marie Wittke, Trainerin für gewaltfreie Kommunikation, stellt Mediationsangebote vor. "Meine Präsenzseminare musste ich absagen", bedauert sie. Jetzt versucht sie es online. Ein paar Schritte weiter hat Carina Keegan Kupfer-Kochgeschirr eines französischen Herstellers aufgebaut. Sie betreibt einen Online-Handel mit Lager in Weßling. Da während der Corona-Krise viele das Kochen für sich entdeckt hätten, sei sie eine Gewinnerin der Pandemie.
Geöffnet freitags und samstags sowie von 21. bis 23. Dezember jeweils von 14 bis 18 Uhr.
