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Weßlinger Umfahrung:42 Durchlässe für Kröten, aber keinen für Menschen

Warum müssen Fußgänger in Weßling über die Leitplanken springen? Das ist eins der Themen der letzten Bürgerversammlung von Bürgermeister Michael Muther.

Ein wenig sentimental wird Michael Muther am Schluss seiner letzten Bürgerversammlung dann doch. "Ich habe es gern gemacht", so der Bürgermeister, dessen Amtszeit in ein paar Monaten zu Ende ist. Etwa 60 Bürger waren in den Pfarrstadel gekommen, um sich den Rechenschaftsbericht anzuhören und ihre Anliegen vorzubringen.

Die schier unendliche Geschichte um die Probleme an der Weßlinger Umfahrungsstraße wurde dabei um eine neue Facette erweitert. Während für die Amphibien 42 Durchlässe unter der Straße angelegt worden waren, fehlt ein solcher für die Menschen. Er müsse über die Leitplanken springen, wenn er von den Weßlinger Sauwiesen nach Wörthsee laufe, kritisierte ein Jogger. Warum beim Bau keine Röhre für die Fußgänger eingebaut worden sei? "Dann wären wir alle durchgekommen", stimmte eine Bürgerin zu. Die Strecke sei keine offizielle Verbindung, erklärte Muther. Um die privaten Waldwege anzubinden, hätte man Grund erwerben müssen "und das wollte die Regierung nicht". Dafür habe es den Fahrradweg von Grünsink nach Etterschlag gegeben.

Wer zu Fuß von Weßling nach Wörthsee gehen will, muss Leitplanken überwinden. Eine Querung für Menschen zu bauen war dem Staatlichen Bauamt zu teuer, sagt Bürgermeister Michael Muther.

(Foto: Arlet Ulfers)

Aus Wörthsee sei vor kurzem der Vorschlag gekommen, eine Leichtmetallbrücke über die Straße auf Weßlinger Flur zu legen. "Das ist vielleicht eine Möglichkeit", so Muther. Was die Amphibien betrifft, so sei die Gemeinde nicht mehr beteiligt. "Die Verbesserungsmaßnahmen zahlt die Straßenbaubehörde". Die Regierung habe deutlich gemacht, dass das Procedere die Weßlinger "nichts angeht". Gerhild Schenck-Heuck genügte diese Antwort nicht: "Wer kontrolliert die Behörde? Es wurden viele Zusagen nicht eingehalten". Immerhin sind mittlerweile die Ausgleichsgewässer repariert. "Wir bleiben dran und schicken gegebenenfalls wieder eine Mängelrüge", so Muther.

Ein weiteres Problem ist der schlechte Empfang für O2-Kunden. Seitdem die Handymasten vom Hotel Post abgebaut worden sind, sind die Mobilfunkbetreiber auf der Suche nach einem neuen Standort. Deren Provisorium deckt nämlich nicht alles ab.

Die letzte Bürgerversammlung: Nach zwölf Jahren als Gemeindechef tritt Michael Muther nicht mehr an.

(Foto: Arlet Ulfers)

Ein Vater erinnerte an die Aufregung um die fehlenden Kindergartenplätze im Frühjahr. Die Gemeinde habe es versäumt, eine zuverlässige Prognose aufzustellen. "Wir haben uns total verschätzt", gab Muther freimütig zu. In Zukunft sollen die Daten aus dem Einwohnermeldeamt und den Kindertageseinrichtungen mit dem erwarteten Zuzug von Kindern resultierend aus der Anzahl der Bauanträge ergänzt werden. Eine hitzige Diskussion entfachte Franz Leitner. Er habe erst jetzt erfahren, dass der Ortsbildbeirat öffentlich tage, ereiferte sich der langjährige ehemalige Gemeinderat. "So geht das nicht", schimpfte Leitner, der mehr Transparenz von dem Gremium, das den Bauausschuss unterstützen soll, einforderte.

In einer Anfrage, die er vorab an die Gemeinde geschickt hatte, hatte Leitner um Aufklärung gebeten. Die Fragen über die Qualifikation, die Rechte und die Legitimation des Ortsbildbeirats lösten Unmut im Saal aus. Kein Verständnis habe sie dafür, "dass sich der Ortsbildbeirat rechtfertigen muss, schließlich engagiert er sich für den Ort", ärgerte sich Petra Slawisch, die dem Gremium als Vertreterin des Gemeinderats angehört. Immerhin wissen die Weßlinger jetzt, dass der Ortsbildbeirat aus den drei Architekten Ellen Dettinger, Roland Dieterle und Felix Flesche sowie Dieter Oberg, ehemaliger Vorstand von "Unser Dorf", besteht.

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Ein Umweltbüro muss jede Amphibie auf Wanderschaft nach Art, Geschlecht und Alter registrieren. So will man herausfinden, ob die Tiere die nachgebesserten Tunnels auch wirklich nutzen.   Von Sabina Zollner

Dank der gestiegenen Gewerbesteuer ist die Gemeindekasse gut gefüllt. Die größten Brocken bei den Ausgaben sind die Personalkosten von rund vier Millionen Euro. Darin enthalten sind die Gehälter der Erzieherinnen, denn die Gemeinde ist Träger fast aller Kindergärten. Etwa vier Millionen Euro müssen als Kreisumlage an den Landkreis überwiesen werden.

Mit 5596 Einwohnern hat sich die Anzahl der Einwohner kaum verändert. Angesichts der steigenden Anzahl an Bauanträgen - in diesem Jahr waren es 74, vor zwei Jahren 54 - könnte diese Zahl aber schon bald nach oben schnellen. Auch die Zahl der Menschen, die keine Wohnung finden, steigt. Im Asylcontainerdorf wohnen beispielsweise 55 Fehlbeleger, die längst hätten ausziehen müssen. Zwölf Einzelpersonen und eine Familie sind obdachlos geworden und mussten von der Gemeinde untergebracht werden. 23 Weßlinger besitzen einen Wohnberechtigungsschein und warten auf eine Sozialwohnung.