bedeckt München 15°

Weßling:Starke Steigerung

Der Weßlinger Pfarrstadel hat heuer ein besonders reizvolles Programm. Auftakt ist diesen Samstag

Klingt überzeugend, ist aber schwer umzusetzen: Beginne mit einem Erdbeben und steigere dich langsam, lautete Billy Wilders Ratschlag an alle Drehbuchschreiber. Die Programm-Macher des Vereins "Unser Dorf", Brigitte Weiß und Dirk Hagena, haben diesen Tipp offenbar beherzigt. Ihr neuer Spielplan für den Weßlinger Pfarrstadel jedenfalls liest sich fast schon wie ein Script à la Wilder: virtuose Kunststückchen des 19. Jahrhunderts zum Auftakt, danach hochrangiger Jazz, krachender Rock, finnischer Swing und beißende Texte zum Musikkabarett von Hans Well und seinen Wellbappn. Ja, das ist mal eine Steigerungslinie.

Auftakt ist bereits an diesem Samstag mit dem Neujahrskonzert des Duos Christian Mattick (Flöte, Lesung) und Mathias Huth (Klavier). Die beiden rücken Musik von Magiern wie Niccolo Paganini, Franz Listz, Franz Doppler und anderen reisenden Instrumentalisten in den Mittelpunkt und tragen dazu humorig kommentierende Texte von Heinrich Heine und Marcel Proust vor. Nebenbei sind auch Werke von Brahms und Schubert zu hören.

"Mythos" wiederum haben zwei Ästheten des Jazz ihr Programm genannt: Mulo Francel und Chris Gall. Letzterer hat wie kaum ein anderer deutscher Pianist die Grenzen seines Fachs erweitert, der Saxofonist Francel, Mitglied des Ensembles Quadro Nuevo, wiederum gilt als musikalischer Weltenbummler. Die beiden fangen da an, wo Mattick und Huth aufhören: Zu virtuosen Improvisationen kommen Elemente der Minimal Music, impressionistische Klangbilder, schräge Grooves und Tangos (Samstag, 2. Februar).

Das Rock Lounge Orchestra schlägt am 23. März in Weßling auf: Ein Sextett, das neben Gitarren, Bass und Drums auch Saxofone, Geige, Trompete und mehrstimmigen Gesang auffährt und neben eigenen Songs Hardrock von Deep Purple und Stücke von Toto und Joe Cocker covert. Die Formation mit dem Kürzel RLO, die mit Hanns Christian Müller zusammenarbeitet, dem ehemaligen Regisseur von Gerhard Polt, hat Ende 2018 ihr Debütalbum mit Eigenkompositionen herausgebracht. Kritiker lobten es über den grünen Klee und hörten Einflüsse von Bruce Springsteen, Steely Dan, Dire Straits, Supertramp und den frühen Beachboys heraus. Geigerin Martina Liesenkötter, die in der Band auch Trompete und Flügelhorn spielt und singt, gehört dem Münchner Rundfunkorchester an. Sie lebt wie Bassist Albert Frasch in Hochstadt.

Im April und Mai gibt es noch mal eine Steigerung: Erst gastiert Tuija Komi mit Band im Pfarrstadel, eine finnische Jazzsängerin mit Faible für Blues, Latin, Soul und Weltmusi. Die Gruppe stellt ihr Album "Midnight Sun" vor. Und dann sind die Multiinstrumentalisten der Wellbappn an der Reihe, die das legitime Erbe der Biermösl Blosn angetreten haben (4. Mai).

Die Konzerte beginnen um 19.30 Uhr. Karten bei Schreibwaren Zellner in Weßling (08153/2505).