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Weßling:Lange Wunschliste

Gewerbetreibende wollen schnelles Internet, Handwerkerhof und mehr Parkplätze

Von Patrizia Steipe, Weßling

Vier Freiwillige für den Vorstand fehlen noch. Dann kann der brachliegende Gewerbeverband, der in Weßling immerhin sechs Mitglieder hat, wieder loslegen, so Uwe Jennerwein vom Bund der Selbständigen (BDS), Bezirk Oberbayern. Kamingespräche, Handwerkertage und verkaufsoffene Sonntage sollen die Kommunikation zwischen Gewerbetreibenden und Kommune verbessern. "Auch ein gut funktionierendes Netzwerk kann ohne Kommunikation nicht bestehen", so Gewerbereferentin Christina Mörtl-Diemer, die mit Bürgermeister Michael Sturm und Jennerwein auf dem Podium saß. Zum Auftakt hatte die Gemeinde Vertreter ortsansässiger Firmen in den Pfarrstadel eingeladen. Sie sollten ihre "Wünsche, Gefühle und Ideen gegenüber der Gemeinde definieren", so Sturm.

Einen Handwerkerhof im Argelsrieder Feld kann sich Georg Reik vorstellen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Georg Reik, der in der Hauptstraße ein Elektrogeschäft betreibt, forderte neue Gewerbeflächen für Handwerker. Er könne sich einen Handwerkerhof vorstellen. Als Standort würde sich das Argelsrieder Feld anbieten. "Leider hat die Gemeinde keine eigenen Gewerbeflächen", bedauerte Sturm. Die Planungen im Argelsrieder Feld würden sich schon so lange hinziehen, dass man eventuell von vorne anfangen müsse. Ob Handwerk neben High-Tech angesiedelt werde, "das ist noch zu klären", gab sich Sturm bedeckt. Beim Thema "Glasfaser" gab es zustimmendes Kopfnicken. Das Internet sei zu langsam, und beim Handynetz gebe es Probleme, dabei seien neben Büros immer mehr Home-Offices auf schnellen Datentransfer angewiesen. Im Oktober werden die Netzbetreiber ihre Standortwünsche vorstellen, sagte Sturm. Was das Glasfaser betraf, sei es "utopisch, dass wir es alle in fünf Jahren haben", sagte Christoph Winkelkötter, Geschäftsführer der GWT (Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung) klar. Er empfahl den Geschäftsleuten Standortgemeinschaften zu bilden, um Investitionen rentabel zu machen.

Bürgermeister Michael Sturm gibt sich bedeckt.

(Foto: Arlet Ulfers)

"Es gibt nicht nur die Hauptstraße", kritisierte eine Geschäftsfrau. Sie forderte Schilder, die auf Läden in den Seitenstraßen hinweisen. Um keinen Schilderwald zu bekommen, regte Winkelkötter an, sich am Pöckinger Konzept zu orientieren. Die Umfahrungsstraße wird von einigen Gewerbetreibenden mit Skepsis gesehen. Apotheker Stefan Hartmann erklärte: "Wir leben vom Durchgangsverkehr". Die neue Straße habe sich negativ auf den Umsatz ausgewirkt, dabei kämpften Apotheken bereits ums Überleben, da immer mehr Bürger im Internet bestellen. "Wenn die Weßlinger Apotheke nicht in meinem Filialverbund mit drei weiteren Apotheken in Gilching wäre, dann hätte es seit fünf Jahren keine Apotheke mehr am Ort gegeben", sagte er. Er forderte mehr Parkplätze und ein attraktives Umfeld mit vielen Ärzten.

Das Thema Umgehungsstraße bewege viele Kommunen, wusste Jennerwein. Er empfahl den Weßingern ein Konzept, das die Besonderheiten des Ortes herausstellt, "damit es sich für Auswärtige lohnt, von der Umgehungsstraße runter und in den Ort zu fahren".

Die nächste Veranstaltung im Pfarrstadl am Donnerstag, 24. September, 19 Uhr, ist für Unternehmen aus dem Argelsrieder Feld, für Oberpfaffenhofen am 6. Oktober im Vereinsheim Oberpfaffenhofen, für Unternehmen am Flughafen am 22. Oktober im Pfarrstadel und für Hochstadt am 18. November im Freizeitheim, Riedbergweg 19. Anmeldung unter 08153/40440 oder bgmbuero@gemeinde-wessling.de.

© SZ vom 18.09.2020

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