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Weßling:Hohe Kosten für neue Buslinien verärgern Weßlinger

Gemeinderäte dringen auf anderes Verteilungssystem, weil sie ihren Ort finanziell benachteiligt sehen

Scheitert das geplante und verbesserte Busnetz im westlichen Landkreis, das "Westbündel", an der Gemeinde Weßling? Der Weßlinger Gemeinderat zeigte sich am Mittwoch nicht gerade angetan über die Kostenverteilung für die geplanten Buslinien. Die Verkehrsmanagerin des Landkreises, Susanne Münster, erläuterte die Pläne, die auch Weßling tangieren.

Gleich am Anfang konnte sie berichten, dass die bisherigen Buslinien gut angenommen würden. So ist die Linie 955, die stündlich von Starnberg Nord nach Weßling fährt, gut ausgelastet. "Die Fahrgäste freuen sich über die Verbindung." Vor allem am Nachmittag sei der Bus durch die Schüler gut belegt. Gut käme auch der 947 zwischen Weßling und Gilching an, der alle 30 Minuten fährt. Dennoch ändert sich etwas. So wird aus der 952 die Nummer 921. Sie kommt von Herrsching, geht über Inning und endet in Weßling. Danach wird sie gekappt und fährt nicht mehr nach Gilching weiter. Eine Haltestelle im südlichen Teil von Weßling ist laut Münster auch vorgesehen, betrachtet aber der Weßlinger Gemeinderat als weniger sinnvoll. Eine Entscheidung gab es aber noch nicht. Die Kosten für die Gemeinde betragen knapp 20 000 Euro pro Jahr.

Die neue Linie 923, die stündlich startet, bindet vor allem die Gewerbegebiete und die Unternehmen zwischen Gewerbepark Inning/Wörthsee und Weßling an die S-Bahn an. Sie verläuft recht kompliziert, führt auch über Meiling, die Busse halten aber an allen Standorten, an denen gearbeitet wird. Dazu gehören Gut Delling, 3M Espe, die Seefelder Gemeindeverwaltung und der Gewerbepark bei Inning. Angefahren werden jeweils die Bahnhöfe Steinebach und Weßling. Die Kosten für Weßling betragen etwa 13 200 Euro im Jahr.

Die Route dieser Linie empfanden nicht alle Gemeinderäte als schlüssig. "Warum fährt der Bus nicht zum Bahnhof Hechendorf und dreht auf Gut Delling um?", lautete eine Frage. Antwort von Münster: "Weil es keine Wendemöglichkeit gibt." Zudem fand es das Gremium auch seltsam, einen Bus parallel zur S-Bahn nach Weßling fahren zu lassen. Petra Slawisch (Grüne) gab zu Bedenken, dass am Weßlinger Bahnhof künftig vier Busse abfahren werden. "Es geht dort, wie jeder weiß, sehr beengt zu." Für Münster ist die Buslinie nach Weßling dennoch richtig, da hier der 20-Minuten-Takt in Richtung München beginnt. Allerdings leidet die Gemeinde seit Jahren darunter, dass in Weßling der MVV-Tarif wesentlich günstiger ist und der Bahnhof voll gestellt mit Autos aus den Nachbargemeinden ist.

Dies war auch ein Grund, warum Vizebürgermeister Michael Sturm die Kostenverteilung unter den Gemeinden in Frage stellte. "Die Kosten für Weßling sind erheblich. Die Verteilung muss geändert werden." Es wurde sogar vorgeschlagen, den Beschluss zu fassen, den Verteilungsschlüssel noch einmal zu ändern. Dies allerdings kann nur auf Kreisebene geschehen, wie Münster hinwies. Also der Kreistag. Das wird allerdings nicht auf die Schnelle möglich sein, weil das Plazet des Landkreises und aller betroffenen Gemeinden vorliegen muss. "Dann ist das Westbündel nicht mehr möglich", sagte Münster sehr ernst. Ihr kam Bürgermeister Michael Muther zu Hilfe: "Ich will das Projekt nicht kaputt machen." Deshalb wurde einstimmig beschlossen, den Landkreis zu bitten, das Kostenverteilungssystem nochmals zu überdenken.

© SZ vom 24.06.2016

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