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Weßling:Wo die Tiere von Circus Krone ihren Lebensabend verbringen

Mischenried Circus Krone

Alexander Lacey aus England macht mit seinen Raubkatzen coronabedingt bei der Verwandtschaft in Weßling Station.

(Foto: Nila Thiel)

Der Circus Krone bietet erstmals Führungen auf seiner Farm in Weßling an. Derzeit werden dort auch zwölf Löwen und Tiger trainiert. Die Einnahmen sollen durch die Corona-Krise helfen.

Dem Circus Krone geht es schlecht, da macht Martin Lacey junior keinen Hehl draus. Am 13. März hat der Raubtierdompteur zuletzt seine Löwen und Tiger im Münchner Kronebau vor großem Publikum gezeigt, dann kam das Coronavirus. Keinen Cent habe das Privatunternehmen seither verdient. Alle Vorstellungen wurden gestrichen, die Tournee abgesagt ebenso wie die geplanten Konzerte im Kronebau. Die laufenden Kosten indes seien weiter enorm, auch wenn ein Großteil der etwa 300 Mitarbeiter in Kurzarbeit sei. Allein für Futter und Tierpfleger zahle man täglich 3000 Euro. "Damit wenigstens ein bisschen was reinkommt", so der Tierschutzbeauftragte Frank Keller, öffnet der Zirkus fortan jedes Wochenende die Krone-Farm in Mischenried bei Weßling. Auf dem zwölf Hektar großen Areal nahe der A 96 verbringen die Zirkustiere ihren Lebensabend, seit Carl Krone das ehemalige Pferdegestüt 1937 erworben hat.

Die ersten Führungen finden bereits am kommenden Wochenende statt. Erwachsene zahlen 25 Euro für den zweistündigen Rundgang mit abschließender Löwenprobe, Kinder zwischen drei und zwölf Jahren 15 Euro. Die Teilnehmerzahl ist auf einhundert Personen beschränkt. "Das ist schon toll, hier einmal herein zu dürfen", sagt Weßlings Bürgermeister Michael Sturm bei einem Rundgang am Montag. Jahrzehntelang wusste schließlich niemand, was genau sich hinter dem meterhohen schwarzen Tor mit den Pferdekopf-Repliken verbirgt, auf dessen Spitzen golden die bauchigen Kronen als Erkennungsmerkmale des Familienunternehmens balancieren.

Aktuell werden hier etwa 20 Tiere versorgt: Pferde, Esel, Ziegen, ein Kamelhengst sowie die zwölf Raubkatzen von Alexander Lacey. Der ältere Bruder des Zirkuschefs hat seinen luxuriösen Wohnwagen neben das Gutsherrenhaus seines Bruders gestellt. Ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt wohnt Mutter und Tierlehrerin Susan Lacey. Sie kümmert sich darum, dass die Zirkustiere auch nach Karriereende nicht "in ein Loch fallen", sondern täglich Trainings und Übungen in der Probiermanege haben.

Da ist zum Beispiel "Mahal". Das Pferd mit goldglänzendem Fell hatte vor vier Jahren seinen letzten Auftritt in der Manege und ist mit 38 Jahren der älteste Bewohner der Seniorenresidenz. Nur ein paar Jahre jünger sind die Shetlandponys "Purzl", "Benjamin", "Mozart" und "Elias". Die "Küken" im Stall sind zwei Zebras, die Zirkus-Geschäftsführerin Jana Mandana Lacey-Krone aus einem Tierpark hat und derzeit ausbildet. In spätestens zwei Jahren könne man diese in der Manege erleben, sagt Keller. Doch nicht alle Boxen sind besetzt. Etwa 40 Pferde, drei Zebras, Kamele sowie die 26 Löwen und Tiger von Martin Lacey junior sind am Münchner Stammsitz. "Die Pferde bringen wir derzeit gruppenweise hierher, damit sie vergleichbar mit der Tournee-Situation auch in der Natur sind", sagt Keller.

Mittelfristig soll die Farm um einen Alterssitz für Elefanten ergänzt werden. Derzeit sind alle fünf Krone-Elefanten in einem Safaripark in Spanien untergebracht. Und auch ein richtiges Museum schwebt Keller vor. Doch das ist Zukunftsmusik. Noch muss ein alter Schuppen als Quartier für die alten Kutschen des traditionsreichen Zirkus herhalten. Dort steht auch die Elefanten-Orgel, an der Christel Sembach-Krone einst junge Elefanten musizieren ließ.

Mischenried Circus Krone

Weil die Tournee abgesagt ist, führt Krone-Chefin Jana Mandana Lacey-Krone (hier mit Sohn Alexis) nun die Tiere im Alterssitz vor.

(Foto: Nila Thiel)

Ebenfalls auf dem Gelände zu sehen: Der eigens für den Transport von Giraffe "Juma" entwickelte Zirkuswagen mit Aufbau. "Um auch Tunnels passieren zu können, konnte man diesen hydraulisch hoch- und runterfahren", so Keller. Nilpferddame "Pompäa" - inzwischen 54 Jahre alt und abgesehen von leichten Kreislaufbeschwerden in München wohlauf - reiste mit beheiztem Wasserbecken und Trockendeck. Zum Abschluss der Tour vorbei an Koppeln und Wiesen gibt Alexander Lacey den Gästen einen Einblick in seine Raubtiernummer. Danach stehen Ponys zum Reiten bereit und ein Verkaufsstand mit Popcorn und gebrannten Mandeln.

Normalerweise erleben mehr als eine Million Zuschauer pro Saison den Circus Krone. Jetzt ist die Zahl auf 100 Zuschauer pro Vorstellung beschränkt - an diese Regel muss sich auch Martin Lacey junior halten, der ebenfalls am Wochenende Probenbesuche mit seinen Raubkatzen in München anbietet. "Der Schutz unseres Publikums hat höchste Priorität", sagt er, "aber das ist ein Witz." Ihn ärgert es, dass der Zirkus als geschichtsträchtige "Institution" im Gegensatz zu Theatern nicht subventionswürdig ist. Was ihm bleibt? Aus Mist Gold machen: Am Ausgang des Weßlinger Gutshofs gibt es Marmeladengläser mit Löwenkot für fünf Euro zu kaufen. "Ein Geheimtipp gegen Katzen im Beet und Marder im Motorenraum", sagt Martin Lacey junior.

Führungen auf der Krone-Farm finden samstags und sonntags um 10 und 14 Uhr statt. Tickets per E-Mail an wessling@circus-krone.de. Die Buchungsbestätigung hinter der Windschutzscheibe ermöglicht einen kontaktlosen Einlass. Dieser wird nur mit Mund-Nasen-Schutz und unter Einhaltung der Hygienevorschriften gewährt.

© SZ vom 30.06.2020/imei
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