Protest gegen Jugendliche:Experiment Bike-Park

Protest gegen Jugendliche: Zwischen der Siedlung am Katzenstein und dem Friedhof sind "Pump Track" und "Dirt Line" geplant. Nachbarn fürchten jedoch Lärm und Partys.

Zwischen der Siedlung am Katzenstein und dem Friedhof sind "Pump Track" und "Dirt Line" geplant. Nachbarn fürchten jedoch Lärm und Partys.

(Foto: Arlet Ulfers)

Weßling will einen Fahrrad-Parcours für Kinder und Jugendliche errichten - doch Anwohner der Siedlung am Katzenstein protestieren. Nun soll es eine Begehung mit Bürgermeister und Sportclub geben.

Von Patrizia Steipe

Der Platz sei ideal für einen Bike-Park, schwärmte Jugendreferent Rasso von Rebay. Das Gelände liege zentral in Weßling, aber doch in ausreichender Entfernung zur Wohnbebauung und das Beste sei: "Der Grund gehört der Gemeinde." Nachdem auch der Bauausschuss im September seine Empfehlung für die Genehmigung im Gemeinderat gegeben hatte, schien die zweijährige Suche nach einem Ort beendet, an dem Kinder und Jugendliche in einer "Pump Track" und einer "Dirt Line" mit dem Radl über einen Parcours aus Hügeln und Schanzen springen können.

Doch nun regt sich der Widerstand der Anwohner. Der Siedlungsverein Katzenstein, in dem etwa 60 Anwesen zusammengeschlossen sind, hat sich bei einer Mitgliederversammlung einstimmig gegen die Anlage ausgesprochen und eine Petition verfasst. Sie wurde von circa hundert Personen unterschrieben und soll an Bürgermeister Michael Sturm überreicht werden. Die Anlage wäre ein "schwerwiegender Eingriff in unsere Lebensbedingungen", kritisierte Vorstandsmitglied Christian von Wolffersdorff.

Die Kritik entzündet sich unter anderem an der Nähe zum Friedhof. Das finden die Anwohner "pietätlos". Außerdem befürchten die Kritiker Lärm, Partys, eine Sogwirkung für andere Nutzer, zusätzlichen Verkehr und eine illegale Ausweitung der Nutzungsfläche. "Eine der noch verbliebenen ruhigen Grünflächen unseres Dorfes würde auf diese Weise zerstört", heißt es in der Petition und es drohten "absehbare Konflikte und Widerstände", die einem "gedeihlichen Zusammenleben entgegenstehen". "Warum baut man den Bike-Park nicht auf das Sportgelände", schlug Wolffersdorff vor.

Dort hätte ihn Rebay auch gerne gesehen. "Aber wir haben keinen Grund bekommen", erklärte er. Vergebens habe die Gemeinde an weiteren Plätzen nachgefragt: "Keiner möchte die Jugend haben." Der Widerstand sei für ihn nicht nachvollziehbar. Schließlich wäre der Bike-Park durch einen Hügel von der Siedlung Katzenstein getrennt. "Es gibt keinen Sichtkontakt" - und Florian Hagena, der die extra neu gegründete Fahrradabteilung "Rideclub" beim SC Weßling leitet, ergänzte: "Wir leben in einem dichten Siedlungsgebiet." Da sei es unumgänglich, dass Einrichtungen wie ein Friedhof auch einmal neben einer Sportanlage lägen. "Wir haben einfach keinen Platz." Doch "der Sport ist leise", beruhigte er. Bei der Sportanlage des SC Weßling werde es Nutzungszeiten geben, Fahrtrainings und Regeln, an die sich die Sportler halten müssen. Außerhalb der Betriebszeiten werden die Schanzen mit Schranken versperrt. Mit mehr Verkehr rechnet Rebay nicht. "Die Kids kommen mit dem Radl." Dafür wird eine Zufahrt von der Grünsinker Straße aus angelegt.

Bevor das Thema im Gemeinderat entschieden wird, soll es eine Begehung vor Ort mit den Anwohnern, dem Bürgermeister, Jugendreferenten und Vertretern des SC Weßling geben. Dabei hofft Hagena, die Bedenken auszuräumen. "Die Kinder sollen sich bewegen, wir wollen sie vom Computer wegholen", erklärte er. Ihm ist es darüber hinaus ein Anliegen, dass nicht mehr auf selbstgebauten Bike-Tracks in den Wäldern der Umgebung gefahren wird. "Wenn da etwas passiert, ist keine Hilfe da."

Rebay appellierte an die Anwohner, der Sportanlage eine Chance zu geben. Schließlich seien die Erdhügel vorerst für einen temporären Betrieb gedacht. In etwa zwei Jahren braucht die Bahn die Flächen für die Einrichtung ihrer Baustelle. Dann muss der Bike-Park weichen und werde danach nur wieder errichtet, wenn das "Experiment Bike-Park" geglückt sei.

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