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Wertvolle Tipps:Wegweiser zur Barrierefreiheit

Unter Federführung der Gautinger Inklusionsbeauftragten Martina Ottmar ist eine Übersicht entstanden, die Behinderten entscheidend weiterhilft. Das bisher einzigartige Angebot könnte Vorbildfunktion im Landkreis haben

Der Termin beim Zahnarzt ist vereinbart, doch die Praxis befindet sich in der ersten Etage, und erst vor Ort stellt sich heraus, dass die Tür zum Fahrstuhl so ungünstig konstruiert ist, dass ein Rollstuhl nicht hineinpasst. Mit solchen Problemen hat die Gautingerin Christina Hahn schon ihre Erfahrungen gemacht, seit sie selbst nicht mehr gehen kann. Ein spezieller Wegweiser mit Informationen über die Barrierefreiheit von Praxen, Läden und Lokalen, der unter Federführung der Inklusionsbeauftragten Martina Ottmar entstanden ist und am Dienstag in der Gautinger Insel vorgestellt wurde, soll Abhilfe schaffen. Dieses Angebot ist bisher einzigartig im Landkreis Starnberg, könnte aber eine Vorbildfunktion übernehmen, denn im Februar will Ottmar den Wegweiser bei einer Besprechung der Bürgermeister vorstellen.

Ob ein Behindertenparkplatz in der Nähe ist, ob eine Stufe den Zugang zu einem Geschäft erschwert oder nicht, ob jemand bereit ist zu helfen: Solche Hinweise können wertvoll sein für jemanden, der mit einer körperlichen Einschränkung leben muss. Der Wegweiser verschafft einen Überblick, welche Geschäfte und Gaststätten, Arztpraxen und öffentliche Einrichtungen barrierefrei zu erreichen sind. Zu finden ist die 67-seitige Liste im Internet auf der Homepage der Gautinger Insel; außerdem hat die Druckerei Miraprint kostenlos 20 Exemplare gedruckt und gebunden, die nun im Rathaus, in der Bibliothek sowie im Bürgerbüro in Stockdorf ausliegen.

Wegweiser für alle Gautinger

Symbole zeigen an, welche Geschäfte in Gauting barrierefrei zu erreichen sind und wo Unterstützung angeboten wird.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Piktogramme signalisieren, wo zum Beispiel ein Sehbehinderter, Schwerhöriger oder jemand, der mit einem Rollator unterwegs ist, gut zurecht kommt. Diese Symbole finden sich in dem Wegweiser und künftig auch an Eingangstüren. Ein stilisiertes Ohr kann ein Hinweis sein, dass etwa im Rathaus spezielle Hörgeräte zur Verfügung stehen. Eine Brille zeigt an, dass Glastüren oder Treppenstufen mit Markierungen versehen sind, die Sehbehinderten die Orientierung erleichtern. Ein Symbol mit zwei Händen bedeutet: "Wir helfen gerne".

In dem Wegweiser ist zum Beispiel nachzulesen, dass das Schwimmbad in Gauting Menschen mit Schwerbehinderung Preisnachlässe gewährt, wie groß der Lift dort ist, dass sich vor dem Eingang zum Eine-Welt-Laden beim Pfarrzentrum eine Stufe befindet, dass ein Schmied in Unterbrunn Sonderkonstruktionen wie Rampen und Handläufe anfertigt, und dass sich ein barrierefreier Zugang zur Bibliothek im Keller des Rathauses befindet. Oft wird ein Lieferservice angeboten, oder dass Mitarbeiter gerufen werden können, um zu helfen. Überrascht hat Ottmar, wie viele Gaststätten und auch Betriebe ihre Toiletten auch denjenigen zugänglich machen, die nicht bei ihnen Kunde sind. Auch so etwas kann das Leben erleichtern.

Wegweiser für alle Gautinger

Markus Wilfert, Martina Ottmar, Christina Hahn, Ingeborg Steffes-Tremer und Thomas Friedl haben den Wegweiser mit den Piktogrammen vorgestellt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Ein Vorbild war für die Gautinger ein Angebot des Tourismusverbands Lech-Ammersee, der Angaben über die Barrierefreiheit von Hotels, Restaurants und Ausflugszielen veröffentlicht. Die Inklusionsbeauftragte Ottmar hat Fragebögen verschickt; etwa 100 davon sind ausgefüllt wieder zurückgekommen. Bei den Antworten handelt es sich allerdings um Selbsteinschätzungen, die nicht immer zutreffend sein müssen, und nicht um überprüfte Angaben, räumte Ottmar ein. Wer nicht selbst auf Barrierefreiheit angewiesen sei, habe manchmal Schwierigkeiten, die Umstände richtig einzuschätzen. Deshalb würden die Angaben stichprobenartig kontrolliert und eventuell auch korrigiert.

In der Gemeinde leben etwa 2000 Menschen mit Behinderung, das entspreche mehr als neun Prozent der Bevölkerung, schreibt Bürgermeisterin Brigitte Kössinger in ihrem Grußwort. Es seien Menschen, "die in Gauting einkaufen, zum Arzt gehen, ihre Freizeit hier verbringen und am kulturellen Leben teilnehmen möchten. Dazu benötigen sie barrierefreie Zugangsmöglichkeiten".