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Werkschau:Haus voller Kunst

Bei der Jahresausstellung des Kulturvereins Berg reichen alle 50 Mitglieder eine Arbeit ein. Der Trend geht zum kleinen Format.

Von Katja Sebald, Berg

Nicht nur "Neue Arbeiten", so der Titel der Ausstellung, sondern auch neue Künstler waren an diesem Wochenende im Marstall in Berg zu sehen: 50 Mitglieder des Kulturvereins Berg hatten Bilder, Skulpturen und Objekte für die Jahresausstellung eingereicht. "So viele wie noch nie", wie die neue Vereinsvorsitzende Lucie Plaschka sagt. Hocherfreut ist sie aber vor allem darüber, dass etliche Neumitglieder unter den Ausstellern sind.

Berg Marstall Kulturverein Ausstellung

Lucie Plaschka (re.) zeigt die Installation "Pokerface".

(Foto: Georgine Treybal)

Weil es eine Jahresausstellung ist, sagt Plaschka auch, sollen grundsätzlich alle Mitglieder teilnehmen können. Egal, ob akademisch ausgebildeter Künstler oder Hobbymaler, jeder durfte mindestens eine Arbeit zeigen. Und so kam es, dass buchstäblich an jeder nur denkbaren Wandfläche Zeichnungen und Aquarelle, Druckgrafiken, Collagen und Fotografien, Hinterglasbilder und Gemälde hingen. Der Trend gehe zum kleineren Format, so Plaschkas Beobachtung. Und sie muss es wissen: Immerhin war sie schon bei der ersten Ausstellung des Kulturvereins im Marstall dabei, die vor mittlerweile mehr als drei Jahrzehnten stattgefunden hat.

Berg Marstall Kulturverein Ausstellung

Der Segway-Fahrer ist von Annette Girke.

(Foto: Georgine Treybal)

Und noch etwas war anders als früher: Es gab deutlich weniger plastische Arbeiten, und es gab kaum Installationen. Einzig Lucie Plaschka selbst bespielte das Zentrum des großen Raums mit ihrer Arbeit "Pokerface": Es handelt sich dabei um eine Art Vorhang aus 650 Spielkarten, deren Vorder- und oftmals auch Rückseiten übermalt wurden. Ebenfalls ausgesprochen spielerisch, aber geradezu winzig klein ist die bemalte Bronzefigur eines Seiltänzers, die der Bildhauer Ernst Grünwald eingereicht hatte.

Berg Marstall Kulturverein Ausstellung

Andrea Mähner hat das Objekt "Ausgeschissen" gestaltet.

(Foto: Georgine Treybal)

Annette Girke, Schülerin von Max Wagner, konterte mit einem Segway-Fahrer aus Bronze. Birte Pröttel zeigte einige Keramikarbeiten, darunter ein Kopffüßler als "Hommage à Antes". Das ungewöhnlichste Objekt dieser Ausstellung aber stammte von Andrea Mähner: Es handelt sich dabei um eine filigran anmutende Konstruktion, für die sie Kaninchenköttel auf dünnen Draht aufgefädelt und den passenden Titel "Endgültig ausgeschissen" gefunden hat.

Kleine und auch größere Preziosen gab es auch in der zunächst unüberschaubaren Vielzahl von Bildern zu entdecken. So trat beispielsweise Cornelia "Wummi" Teubner, Schwester der Malerin Juschi Bannaski, erstmals mit einem Bild an die Öffentlichkeit - und es ist ein Bild, das es in sich hat. Unter dem Titel "In der Bar" erzählt es eine ebenso eigenwillige wie anrührende Geschichte, es vereint eine beinahe naive Herangehensweise mit einer gekonnten Übersteigerung des Ausdrucks, als Psychogramm erinnert es auf frappierende Weise an die Maskenbilder von James Ensor.

Aus der überwiegenden Mehrheit der abstrahierten Landschaften oder gänzlich abstrakten Kompositionen in Acryl auf Leinwand stach vor allem der konzeptionelle Ansatz von Marlies Beth heraus: In einem strengen Raster bringt sie minimalistische Zeichen in unterschiedlichen Grautönen und in einer ebenfalls strikt geregelten Abfolge auf ihre quadratischen Leinwände auf, aus einer Serie von sieben Bildern zeigt sie eine Auswahl von drei, die Titel ergeben sich aus der - errechneten, nicht gezählten - Anzahl der in mehreren Schichten aufgebrachten Strichen.

Bei den Fotoarbeiten ist eine, wie immer bei dieser Künstlerin, kleinformatige, dunkle und in höchstem Maße kryptische Collage von Christiana Biron hervorzuheben. Mit nach Hause nehmen aber wird man die Erinnerung an das Bild einer Magnolie, das der Fotograf Andreas Huber eingereicht hat: Ein einzelner Zweig ist auf geradezu altmeisterliche Weise zu einem Stillleben auf einem Damasttuch arrangiert. Dieses Motiv ist so subtil ausgeleuchtet, dass man zwar noch den zartesten Roséton der Blüte und ihr zitterndes Innerstes wahrnehmen, das schwere Gelb des Stoffs und seine Plastizität beinahe greifen kann. Gleichzeitig aber versinkt alles andere in einer sinnlich-geheimnisvollen und ungemein tiefgründig-glänzenden Dunkelheit.

© SZ vom 11.12.2017
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