Werkschau:An Format gewonnen

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Stadtmalerin Annemarie Hahne-Schwanke erlebt in der Thiem-Villa, was auch schon ihre Vorgänger registrierten: Ihre Bilder werden immer größer.

Von Katja Sebald, Starnberg

"Willkommen im Paradies", sagt Annemarie Hahne-Schwanke zur Begrüßung. Seit einem Jahr arbeitet die amtierende Starnberger Stadtmalerin im ehemaligen Atelier von Paul Thiem an der Josef-Fischhaber-Straße - und noch immer kann sie ihr Glück kaum fassen: "Der Raum ist einfach traumhaft!" Zur Halbzeit des zweijährigen Arbeitsstipendiums öffnet die Künstlerin nun die Ateliertüren für eine kleine Werkschau.

Annemarie Hahne-Schwanke ist gebürtige Starnbergerin, ihr Vater hatte ein Optikergeschäft an der Ecke Maximilian- und Ludwigstraße, das vielen alten Starnbergern noch gut bekannt sein dürfte. Als Lehrerin für Französisch und Latein am Starnberger Gymnasium dürfte auch sie selbst für viele eine feste Größe gewesen sein - als Künstlerin aber trat sie nie in Erscheinung. Erst nach ihrer Pensionierung im Sommer 2015 wagte sie den Schritt in die Öffentlichkeit: Im Oktober desselben Jahres bewarb sie sich um den Kunstpreis der Stadt Starnberg und konnte mit den drei eingereichten Bildern von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer die Jury rund um Thomas Zacharias, den emeritierten Professor für Kunsterziehung, auf Anhieb überzeugen. In der Begründung zur Preisverleihung hieß es damals: "Die Suggestionskraft der drei Bootsbilder von Annemarie Hahne-Schwanke, nicht die Aktualität des Themas, gab den Ausschlag für die Entscheidung. Vielmehr kommt die Dramatik der Bootsflüchtlinge - eine politisch akzentuierte Metapher des Überlebenskampfes, nah dem Floß der Medusa des Géricault - durch die Qualität der Malerei zum Vorschein." Mit diesem Ritterschlag wurde aus der Lehrerin, die in ihrer Freizeit im stillen Kämmerlein malte, die offizielle Starnberger Stadtmalerin.

"Danach bin ich zwei Wochen geschwebt", erinnert sie sich heute. Der Preis bedeutete für sie nicht nur Anerkennung, er bildete auch einen "genialen Übergang" vom Arbeits- ins Künstlerleben. Ein ganz unbeschriebenes Blatt ist Hahne-Schwanke freilich als Künstlerin nicht: Sie malt, seit sie sich erinnern kann. In den Achtzigerjahren war sie Schülerin in der legendären Malschule von Ruth Kohler und Gunther Radloff in Feldafing. Und sie war Gründungsmitglied der daraus hervorgegangenen "Gruppe 91", mit der sie auch Gemeinschaftsausstellungen bestritt. Es folgten Sommerakademien und schließlich Fortbildungen und ein Studium der Malerei an der "Freien Akademie für Malerei Wagenhofen" bei Christoph Kern.

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(Foto: Arlet Ulfers)

Realismus und Abstraktion: Annemarie Hahne-Schwanke bei der Arbeit.

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(Foto: Arlet Ulfers)

Das Repro zeigt ihr Bild "Ketten".

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(Foto: Arlet Ulfers)

"Sandstudien" sind auch in der Werkschau zu sehen.

Hahne-Schwanke feierte im Februar 2016 mit einem kleinen Fest den Einzug in ihr neues Atelier, das sie mit zwei fröhlichen Liegestühlen und ansonsten nur mit Arbeitsgerätschaften möbliert hat. Seither ist mit ihr und ihrer Malerei das geschehen, was auch ihre Vorgänger erlebt haben: Der helle und weite Raum lässt ihre Formate immer größer werden - die neueste und noch unbemalte Leinwand ist so groß, dass sie beim Transport nicht mehr ins Auto passte. Mit Pinsel und Farbe verarbeitet die Malerin visuelle Eindrücke, die sie entweder selbst mit der Kamera oder mit dem Zeichenstift festgehalten oder auch auf Zeitungsfotos entdeckt hat. Eine große Faszination üben Schiffe und Boote auf sie aus.

Waren es zunächst einfach ihre Formen oder auch die Geschichten, die manövrierunfähige Schiffskörper zu erzählen wissen, so sind es in den jüngeren Bildern eher technische Details, Schiffsschrauben und Kräne, Taue, Haken und immer wieder schwere, rostige Ketten, die sie zu starkfarbigen Bildmotiven umsetzt. Annemarie Hahne-Schwanke bewegt sich im Grenzland zwischen Abbildung und Abstraktion, Licht und Farbe spielen eine große Rolle in ihrer Malerei.

Das Atelier in der Thiem-Villa an der Josef-Fischhaber-Straße 27 in Starnberg ist am Freitag, 17. Februar, in der Zeit zwischen 16 und 20 Uhr für Besucher geöffnet.

© SZ vom 10.02.2017 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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