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Wer wird Landrat von Starnberg?:Zentnerweise Post

Stefan Frey, 2020

"Jetzt gilt's", lautet das Motto des CSU-Kandidaten Stefan Frey, der auch ein erfahrener Krisenmanager ist.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

CSU-Kandidat Stefan Frey verschickt flächendeckend Werbebriefe mit Fotos von seiner Familie.

Wie schwer Wahlkampf sein kann, erlebten Stefan Frey und sein Frau Ismene vergangenen Donnerstag. Der Lieferservice fragte extra nochmal: "Sie wollen wirklich die 38 Pakete mit jeweils 30 Kilo an die Haustür bekommen?" Als Frey bejahte, konnte er kurz darauf nicht mehr aus dem Küchenfenster seines Hauses in Starnberg schauen. Den ganzen Nachmittag packten die Freys den Berg Hauspostwurfsendungen um in 93 Zehn-Kilo-Pakete, die dann das Postzentrum Schorn zum Verteilen akzeptierte. Mit einem persönlichen Brief wirbt der 44-jährige CSU-Kandidat für den Starnberger Landratsposten flächendeckend bei jedem Landkreiswähler um die Stimme für die Stichwahl am kommenden Sonntag. Ein magenta-roter Button mit der Aufschrift "Jetzt gilt's!" soll Unentschlossene ebenso überzeugen wie ein Foto der jungen Familie samt den Kindern Marco, 9, Clemens, 7, und Carla, 4.

Seine Familie und die Arbeit im Krisenstab des Bayerischen Innenministeriums stehen für Frey in diesen Tagen im Mittelpunkt. Vormittags kümmert er sich um die Kinder, während seine Ehefrau als Richterin am Amtsgericht ist, nachmittags hilft der Jurist bei der Krisenkoordinierung. "Eigentlich wollte ich mir frei nehmen für die zwei Wochen, aber es gibt eh keine Möglichkeit, persönlichen Kontakt zu Wählern aufzunehmen", erklärt er. Deshalb wolle er die Zeit nicht unnütz verstreichen lassen, während andere extrem belastet seien. Der Jurist hat Erfahrung in Krisenmanagement, unter anderem als Pressesprecher des Innenministeriums während des Flüchtlingsgeschehens im Jahr 2015 und nach dem Attentat im Olympia-Einkaufszentrum.

Wird Frey am Sonntag zum Landrat gewählt - er war im ersten Wahlgang auf 42,3 Prozent der Stimmen gekommen - dann will er sein Augenmerk vor allem auf die derzeit schwierige wirtschaftlich Situation richten: "Wir müssen uns mit den Wirtschaftsverbänden zusammensetzen und sehen, wie wir Unternehmen stärken, damit sie solvent bleiben und den Landkreis nicht verlassen." Der Wunschnachfolger des amtierenden Landrats Karl Roth (CSU) nimmt sich außerdem vor: Rasch das Vertrauen der Mannschaft im Landratsamt gewinnen, mit allen Parteien sprechen und laufende Projekte "mit Hochdruck weitertreiben", wie den Bau des Herrschinger Gymnasiums und die Klinik im westlichen Landkreis. Der Kommunalpolitiker, der seit 2014 Starnberger Stadtrat ist, setzt sich für Kompromisse ein. "Auch wenn das langweilig wirkt - darin liegt die Überlebensfähigkeit der Gesellschaft, nicht in politischen Maximalforderungen."

Für eine Unterstützung Freys in der Stichwahl wirbt der FDP-Kreisverband, auch einzelne Kreisräte der Freien Wähler sprechen sich für den CSU-Mann aus. Frey wird das Ergebnis der ausschließlichen Briefwahl am Sonntag zu Hause abwarten - getrennt von seinen Eltern. Der frühere Starnberger Landrat Heinrich Frey, 80, und seine Frau Barbara, 76, gehören zur Corona-Risikogruppe.

© SZ vom 25.03.2020
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