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Wer wird Landrat von Starnberg?:Das unbekannte Drittel

Martina Neubauer, 2020

Wahlkämpferin Martina Neubauer von den Grünen muss auf öffentliche Veranstaltungen verzichten und nutzt digitale Medien.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Die Kandidatin der Grünen, Martina Neubauer, sieht bei der Stichwahl Potenzial in denjenigen, die zuerst nicht abgestimmt haben.

Selbstbewusst und optimistisch sieht Martina Neubauer der Landratswahl am Sonntag entgegen. Die Kandidatin der Grünen hatte im ersten Wahlgang 30,4 Prozent erreicht. "Ein Ausnahmeergebnis bei den Grünen in ganz Bayern", wie die Starnbergerin stolz sagt. Siegt sie gegen den CSU-Kandidaten Stefan Frey, wäre die 56-Jährige die erste Frau an der Spitze des Landkreises Starnberg. Und der Posten ginge erstmals an die Grünen.

Der Zuspruch, den sie in diesen Tagen erfahre, sei enorm, erzählt die Kandidatin. Damit die grüne Welle sie ins Landratsamt trägt, verteilen Helfer im ganzen Landkreis knapp 25 000 Wahlpostkarten mit Neubauers Konterfei und dem Slogan "Mit Kompetenz und Erfahrung". Statt bei Hausbesuchen Wählern nahe zu kommen, kommuniziert Neubauer jetzt in Corona-Zeiten intensiv online. Gut gelaufen sei mit etwa 1000 Aufrufen das digitale "Townhall-Meeting" am vergangenen Sonntag, bei dem sie mit Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze im Livestream Fragen beantwortete: "Anmerkungen zum Landkreis, zur Energiewende, viel auch zu Corona, das bewegt die Menschen." Als Referatsleiterin im Landratsamt München arbeitet Neubauer selbst gerade wie viele im Home-Office, um ihr Team in der Krisenbewältigung zu unterstützen, obwohl sie eigentlich frei hätte. Die Sozialpädagogin ist seit 28 Jahren im Landratsamt tätig, war für Personalentwicklung von 900 Mitarbeitern zuständig, befasst sich heute im Referat für Chancengleichheit und gesellschaftliche Potenziale mit wirtschaftlichen Fragen ebenso wie mit Gleichstellung.

Punkten will sie mit ihrer langjährigen Erfahrung in Verwaltung und Politik. Politisch aktiv ist Neubauer seit den Achtzigerjahren. Seit 2004 engagiert sie sich im Starnberger Stadtrat, sie war kurz Vize-Bürgermeisterin, wurde als Kreisrätin und Bezirksrätin gewählt, dazu kommen soziale und gesellschaftspolitische Ehrenämter. Neubauer ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.

Für die Stichwahl entscheidend sieht sie, wer die 37,5 Prozent Wähler erreicht, die am 15. März nicht abgestimmt haben. Die SPD will keine Wahlempfehlung abgeben, die ÖDP geht bei ihren Wählern von einer Präferenz für die Grüne aus. Wird Neubauer Landrätin, will sie sich ökonomisch und ökologisch für den Landkreis einsetzen, für Wirtschaft- und Sozialunternehmen ebenso wie für Kulturschaffende und Ehrenamtliche. "Wir kriegen ja gerade mit, dass viel zusammenbricht", sagt sie.

© SZ vom 25.03.2020
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