Wechsel an der Spitze:"Schüler dürfen mal einen Bock schießen"

Wechsel an der Spitze: Kurz mal wippen: Sichtlich wohl fühlt sich der neue Realschulleiter von Herrsching, Christian Schmitz, auf diesem Spielgerät.

Kurz mal wippen: Sichtlich wohl fühlt sich der neue Realschulleiter von Herrsching, Christian Schmitz, auf diesem Spielgerät.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Realschule in Herrsching hat mit Christian Schmitz einen neuen Leiter, der Schule als angstfreien Traum propagiert

Von Kim Fischer, Herrsching

Am Ende seines Referendariats haben ihm seine Schüler bei einem Schulstreich die Haare blau gefärbt, erzählt Christian Schmitz lächelnd. Der 53-Jährige, längst wieder mit seiner natürlichen Haarfarbe, ist der neue Schuldirektor an der Staatlichen Realschule in Herrsching.

Damals habe er nicht bedacht, wie die Haarfarbe bei folgenden Bewerbungsgesprächen wirken könnte. Geschadet hat sie ihm offensichtlich nicht: Seit mittlerweile 28 Jahren arbeitet er nun als Lehrer. Geboren wurde er in Erding, ist jedoch in Mittenwald an der österreichischen Grenze aufgewachsen. Ideen, was er beruflich machen könnte, hatte er in seiner Jugend immer viele: "Ich wollte lange Zeit etwas Kreatives oder Handwerkliches machen. Ab der achten Klasse habe ich mich dann aber sehr für Geschichte interessiert." Nach dem Abitur habe er die Möglichkeit gehabt, Psychologie oder Lehramt für Geschichte und Deutsch zu studieren und sich dann für Letzteres an der Universität Regensburg entschieden.

Er habe immer gerne mit Menschen gearbeitet und Unterricht gegeben, erzählt Schmitz. Besonders liebe er es, mit den Schülern zu arbeiten, gerade in dem spannenden Entwicklungsalter mit ihnen in Kontakt zu kommen. Das werde er als Schuldirektor auch am meisten vermissen, glaubt er. Zwar unterrichtet er gerade noch zwei zehnte Klassen in Geschichte und er wird weiterhin Referendare ausbilden, aber mehr Kapazitäten habe er durch seine neue Aufgabe nicht, dafür sei der Verwaltungs- und Personalführungsaufwand zu groß.

So neu ist die Leitungsaufgabe für ihn jedoch nicht: An der Staatlichen Realschule in Herrsching war er Seminarlehrer für Geschichte, später stellvertretender Seminarleiter und seine jetzige Vorgängerin Rita Menzel-Stuck unterstützte er vier Jahre lang als Konrektor. "Ich habe ganz viele Pläne für die Schule im Kopf, muss mich da aber selbst ausbremsen. Ich muss erst einmal in der neuen Rolle Fuß fassen", sagt Schmitz. Als Schuldirektor habe er sich beworben, weil man in dieser Position am meisten gestalten könne. Wichtig sei ihm der Wert der Akzeptanz und er wolle "eine Schule als angstfreien Raum" fördern, in dem die Schüler "auch mal einen Bock schießen dürfen" und dann lernen, Verantwortung zu übernehmen.

Der 53-Jährige lehne patriarchalisches Auftreten ab, sondern ihm sei es wichtiger, bei Projekten alle ins Boot zu holen. "Manchmal komme ich mir aber auch vor wie ein Papa, bei dem sich alle ausheulen. Das ist ja auch irgendwo meine Aufgabe", sagt Schmitz. Ein Morgenmensch sei er nicht, gibt er gerne zu, trotzdem habe er sich seit einigen Jahren angewöhnt jeden Morgen um fünf Uhr aufzustehen und eine Viertelstunde am Rudergerät zu trainieren. Abends nach der Arbeit brauche er den Ausgleich bei einem Spaziergang an der Ammer.

© SZ vom 20.09.2021
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