Der Autozulieferer Webasto dreht weiterhin an allen Schrauben, um aus der Krise zu kommen. Nun präsentiert die Firma aus Stockdorf in der Gemeinde Gauting einen neuen Finanzchef: Er heißt Yanik Cantieni, wurde 1971 in Kanada geboren und war zuletzt Vorstandsvorsitzender der Frauenthal Automotive Group in Göteborg. Der Manager hat Wirtschaftswissenschaften studiert und war danach unter anderem in internationalen Führungspositionen im Bereich Finanzen und Controlling bei der Daimler AG in Stuttgart, Hongkong und Peking sowie als Finanzvorstand von Mercedes-Benz Indonesien tätig.
Cantieni habe mehr als 25 Jahre Erfahrung in der globalen Automobilindustrie und werde künftig die finanzielle Steuerung und Leistungsfähigkeit als neues Vorstandsmitglied sicherstellen, heißt es in einer Mitteilung von Webasto. Der bisherige Finanzchef Jörg Bremer habe das Unternehmen zum 31. Mai im gegenseitigen Einvernehmen und auf eigenen Wunsch verlassen, so eine Sprecherin. Bremer war seit November 2024 bei der Firma. Er habe mit „seiner Expertise durch eine entscheidende Phase geholfen“, wie Unternehmenschef Jörg Buchheim betont. Auch der Aufsichtsrat dankte dem Ex-Finanzchef für die Zusammenarbeit.
Cantieni kündigte an, gemeinsam mit den engagierten Kolleginnen und Kollegen das Ziel zu verfolgen, die „entscheidenden Weichen für eine nachhaltige Stabilisierung des Unternehmens und zukünftiges Wachstum zu stellen“. Dabei dürften Cantienis langjährige Erfahrungen im Asien-Geschäft helfen, das bei Webasto eingebrochen war. Nun aber will der Autozulieferer, der weltweit noch rund 13 000 Mitarbeitende beschäftigt, in China wieder Fuß fassen. So beteiligt sich der Konzern mit 30 Prozent an einem neu gegründeten Joint Venture mit dem chinesischen Glashersteller Zhejiang Fujia Technology (FJT), um in gemeinsamer Entwicklung einen wettbewerbsfähigen Zugang zum wachstumsstarken Markt für feststehende Glasschiebedächer zu erhalten. Hierbei will Webasto nach eigenen Angaben unter anderem integrierte Beleuchtungen, intelligente Schattierungslösungen, Solartechnologien und Entertainment im Dachglas von Fahrzeugen anbieten.
Auch Webasto leidet als Zulieferer unter der Krise in der Automobilbranche. Der Konzern verzeichnete in den vergangenen zwei Jahren einen Umsatzverlust von rund 600 Millionen Euro. Im vorigen Jahr wurden allein in Deutschland etwa 1000 Stellen gestrichen. In der Stockdorfer Zentrale sind derzeit noch 1600 Menschen beschäftigt.

