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Warnung:Zwei Eissegler brechen am Wörthsee ein - Pilsensee gesperrt

Wörthsee Eisfläche

Wörthsee Eisfläche Wörthsee, beim Augustiner, Eisfläche mit Seeglern . Foto: Georgine Treybal

(Foto: Georgine Treybal)

Die Gemeinde Seefeld spricht ein Betretungsverbot aus, weil das Eis viel zu dünn ist. Die Wasserwacht rüstet sich für Rettungseinsätze.

Wasserwachtler am Wörthsee und am Pilsensee machen sich auf ein turbulentes Wochenende gefasst. "Wir sind schon etwas angespannt", sagt Robert Lettenbauer aus Tutzing, einer der Einsatzleiter für die Wasserrettung im Landkreis Starnberg. Seinen Neoprenanzug hat er vorsichtshalber schon einmal ins Auto gelegt. Wegen der eisigen Temperaturen hat sich auf den beiden Seen eine Eisschicht gebildet, die aber noch lange nicht so tragfähig ist wie auf dem Weßlinger und dem Maisinger See. Trotz aller Warnungen ist mit einem großen Ansturm von Ausflüglern zu rechnen. Schon am Freitagvormittag haben sich die ersten Schlittschuhläufer bei sonnigem Wetter wieder zum Teil weit hinaus gewagt. Die ersten Eissegler sind schon eingebrochen. Die Gemeinde Seefeld hat für den Pilsensee ein Betretungsverbot erlassen, doch die Warnschilder zeigen bisher kaum Wirkung.

Ein wenig gezögert haben zwei Münchner zwar, doch dann konnten sie der Verlockung der spiegelglatten Fläche nicht widerstehen und sind vom Campingplatz am Pilsensee aus gestartet. Die beiden Ausflügler im Alter von 70 und 72 Jahren sind begeisterte Schlittschuhläufer und kennen die Verhältnisse. Als sie am Freitagvormittag zu ihrem Lieblingssee gekommen sind, hingen die Verbotsschilder der Gemeinde schon. Die beiden Senioren aus der Stadt sollten bei weitem nicht die einzigen bleiben, die sie missachtet haben. Bis zum Abend ist aber nichts mehr passiert.

Starnberg Mit Vorsicht zu genießen
Eis auf den Seen

Mit Vorsicht zu genießen

Nach dem Weßlinger See hat sich auch auf Pilsensee, Wörthsee und Maisinger See Eis gebildet. Tragfähig ist es laut Wasserwacht aber erst ab einer Dicke von 15 bis 20 Zentimetern. Diese misst aber niemand, um die Besucher nicht in falscher Sicherheit zu wiegen.   Von Christian Deussing

Wie groß die Gefahr ist, zeigen zwei Vorfälle am Donnerstag. Gegen 14 Uhr ist der erste Eissegler am Wörthsee eingebrochen. Er trug einen Kälteschutzanzug und konnte sich zusammen mit einem Helfer selbst retten. Doch da war schon ein Großaufgebot alarmiert. Trupps von mehreren Wasserwachten und Feuerwehren rückten aus, ein Rettungswagen war unterwegs, von Harlaching aus startete sogar ein Rettungshubschrauber, berichtet Christoph Aumiller von der Wasserwacht Wörthsee. Schließlich habe man davon ausgehen müssen, dass akute Lebensgefahr besteht. Dass die Situation nicht so dramatisch war, sei für vom Ufer aus nicht zu erkennen gewesen. Nur der Segel-Schlitten musste schließlich dann noch geborgen werden. Zwei Stunden später fiel ein zweiter Eissegler in das gleiche Loch. Auch dieser Unfall ging glimpflich und ohne größere Rettungsaktion aus, aber er zeigt die besonderen Tücken des Wörthsees. Wegen warmer Strömungen gibt es Stellen, an denen das Eis nicht trägt, die aber nicht leicht zu erkennen sind.

Erst von einer Dicke von 15 bis 20 Zentimetern an sollte man nach Ansicht der Wasserwachten überhaupt aufs Eis gehen. Doch davon kann am Wörthsee und am Pilsensee noch lange keine Rede sein. "Der Pilsensee hat erst in der Nacht auf Montag eine Haut bekommen", erklärt Maximilian Jost, der stellvertretende Technische Leiter der dortigen Wasserwacht. "Zu den tiefen Temperaturen wehte fast immer ein Wind, und der hielt die Seen lange vom Zufrieren ab." Dazu kommt, dass vom Samstag an die Temperaturen wieder steigen.

Seefeld Pilsensee Eisfläche

Am Pilsensee hängen bereits gleich mehrere Schilder, die auf das Betretungsverbot hinweisen.

(Foto: Georgine Treybal)

Auf die besondere Gefahrensituation reagiert nun die Gemeinde Seefeld. Seit Freitagvormittag hängen Verbotsschilder an Zugängen zum Pilsensee, berichtet Rathaus-Geschäftsführer Fritz Cording. Auf einen Hinweis der Herrschinger Polizei hin und nach Rücksprache mit dem Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung im Starnberger Landratsamt hatte sich die Gemeinde zu diesem Schritt entschlossen. Überwacht wird das Verbot aber nicht. "Das musste jetzt auf die Schnelle gehen", sagte Cording. Darum wurden im Rathaus etwa 30 Plakate kopiert und laminiert. Sie hängen unter anderem beim Campingplatz, einem beliebten Startpunkt für Ausflüge auf den See. "Das ist ganz in unserem Sinne", hieß es im Rentamt der Unternehmensverwaltung von Hans C. Graf zu Toerring-Jettenbach, der See und Campingplatz gehören.

Zugleich bereiten sich Rettungsorganisationen auf den Notfall vor. An diesem Samstag ist von 10 Uhr an eine Eiswache am Pilsensee, kündigt Manuela Wunderl von der dortigen Wasserwacht an. Je nach Lage werden sie und ihre Kollegen auch am Sonntag vor Ort sein. Außerdem stehen drei mobile Schnelleinsatzgruppen bereit, kündigt Wasserwacht-Einsatzleiter Lettenbauer an.

"Seid vernünftig! So schön unser See auch ist, das Eis trägt nicht richtig", appelliert der Walchstadter Feuerwehr-Kommandant Alexander Seelig nach dem ersten Rettungseinsatz. Er ärgert sich über die "Unvernunft der Leute". Es gebe noch einige offene Stellen; das sei einfach gefährlich. "Mit meiner Familie würde ich jedenfalls nicht aufs Eis gehen", sagt der Wasserwachtler Aumiller.

Vergleichsweise unproblematisch ist die Situation auf Weßlinger und Maisinger See, die schon länger komplett zugefroren sind. Dort herrschte bereits am vergangenen Wochenende Hochbetrieb, als im Pilsensee und Wörthsee noch die Wellen plätscherten.

Die Situation an diesem Wochenende erinnert an die Konstellation 2009, als ebenfalls tausende Ausflügler mit Schlittschuhen, Eisstöcken und Eishockeyschlägern auf dem Eis unterwegs waren. Damals waren mehrere Menschen eingebrochen, ein Baby in einem Kinderwagen musste gerettet werden, der schon im Wasser zu versinken drohte. Schließlich mussten die Seen geräumt werden. Die Polizei schickte Hubschrauber, um die Ausflügler vom dünnen Eis zu jagen.