Die 21 Mädchen und Buben fühlen sich im „Hofbuchet“ sehr wohl, sie durchstreifen das Gelände und nutzen Zweige, Äste, Zapfen und Erde für naturnahe Erlebnisse und kreatives Spiel. Für die zwei altersgerechten Gruppen stehen ganzjährig auch je ein Bauwagen und ein Tipi sowie für die Jüngeren noch zusätzlich eine kleine Hütte zur Verfügung. Das alles bietet der staatlich anerkannte Waldkindergarten Starnberg, doch nun droht ihm das Aus – nach 25 Jahren. Denn es fehlen rund 70 000 Euro, um den Betrieb weiterführen zu können. Einen Antrag, diese Summe als Vorschuss zu erhalten, um bis zum übernächsten Kindergartenjahr über die Runden zu kommen, lehnte die Stadt Starnberg ab. Der Verein ist kalt erwischt worden und fühlt sich im Stich gelassen.
Der aktuelle finanzielle Engpass habe nichts mit Misswirtschaft zu tun, betont Vitus Zeller, Vorsitzender des Vereins Waldkindergarten. Die Corona-Pandemie habe die Einrichtung hart getroffen, die durch einen Trägerwechsel danach noch stärker in die Krise geraten sei. Seitdem aber die Elterninitiative im Juni 2024 wieder die Regie übernommen habe, sei man mit der engagierten Elternschaft und dem stabilen pädagogischen Team wieder auf gutem Kurs, erklärt Zeller. So gebe es wieder mehr Anmeldungen und ein sorgfältig ausgearbeiteter Finanz- und Sanierungsplan belege, dass der Waldkindergarten vom Bildungsjahr 2027/2028 an wieder eigenständig und kostendeckend wirtschaften könne. Bedingung sei aber, dass die Stadt ein Darlehen von 75 000 Euro als Vorauszahlung des vertraglich vereinbarten Ausgleichs des Betriebskostendefizits gewährt.
Die Stadt hat reagiert und bewilligte einen Vorschuss von 12 000 Euro – eine Vorausleistung auf das Defizit im vergangenen Jahr. Dies verstand der Verein als positives Signal und ging von einer weiteren Unterstützung aus, da ein „klarer Aufwärtstrend“ ersichtlich sei. Doch diese Hoffnung erwies sich als trügerisch. Denn der restliche Betrag wurde jetzt nicht bewilligt. Diese Absage verärgert Zeller: „Wir haben monatelang transparent kommuniziert, Zahlen vorgelegt und Konzepte erarbeitet.“ Er ist enttäuscht und spricht von einem „Vertrauensbruch“, weil die Stadt als Partner zuvor ausdrücklich die Unterstützung in Aussicht gestellt habe.

Allerdings will der Verein mit seinen 31 Mitgliedern alles tun, um den Waldkindergarten zu retten. Denn innerhalb weniger Stunden mobilisierte die Elterngemeinschaft fast 20 000 Euro an Spenden und verbindlichen Zusagen – „spontan, entschlossen und mit einer Kraft, die selbst erfahrene Pädagoginnen und Pädagogen zu Tränen gerührt hat“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Überdies hätten Eltern zinsgünstige Darlehen in Höhe von 12 000 Euro an den Verein zugesagt. Denn es geht hier auch um Arbeitsplätze und Gehälter, die gezahlt werden müssen. Gestartet wurde auch ein Spendenaufruf, um die Existenz des Waldkindergartens zu sichern. Zudem verweist der Vorstand auf die grundsätzliche Frage, welche Verantwortung eine Gemeinde gegenüber bewährten freien Trägern der Jugendhilfe trage.
Diese ist der Stadt durchaus bewusst. Aber sie ist klamm. Man könne sich derzeit hier einen Darlehensvorschuss von noch 50 000 Euro nicht leisten, sagt die Zweite Bürgermeisterin Angelika Kammerl (CSU). Außerdem sei der vorgelegte Finanzplan des Vereins nicht ausreichend, da müsse nachgelegt werden. Man werde aber mit dem Vorstand noch Gespräche führen, um eine tragfähige Lösung zu finden, so Kammerl. Sie versichert: „Wir wollen, dass diese Einrichtung für die Kinder erhalten bleibt und weiterläuft.“ Auf welche Weise dies geschehen soll, ist aber noch unklar.

