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Wahlkampf in Andechs:Warum Markus Söder ein paar Sekunden sprachlos ist

Der bayerische Ministerpräsident bekommt von der Starnberger Kreis-CSU auf dem Heiligen Berg die Patenschaft für Kuh Sofia

Sie hat eine Rubensfigur mit einem Body-Mass-Index von 255,6 und wirkt rundum zufrieden. Die siebenjährige Kuh Sofia von Biobauern Georg Kirchbichler aus Raisting gibt rund 5600 Liter Milch pro Jahr und bringt es damit auf etwa 120 000 Liter in ihrem Rinderleben. Was Sofia jedoch zu etwas Besonderem macht, ist der Umstand, dass sie es geschafft hat, Ministerpräsident Markus Söder zu verunsichern. Ja, sie hat sogar erreicht, dass er sprachlos war - zumindest für ein paar Schrecksekunden.

Markus Söder bekommt eine Patenschaft für die Kuh Sofia. Mit dabei sind (v. li.) Harald Schwab, Ute Eiling-Hütig und Andreas Lechermann.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das kam so: Die Kreis-CSU hatte den Ministerpräsidenten am Samstag nach Andechs eingeladen. Als Geschenk sollte er eine Kuh-Patenschaft bekommen. Doch diese Überraschung hatte sich Landtagsabgeordnete und Direktkandidatin Ute Eiling-Hütig ganz bis zum Schluss aufgehoben. Söder wusste also bei seiner Ankunft nicht, warum er auf dem Heiligen Berg zuerst einen Fototermin mit Kuh Sofia hatte, bevor er die rund 400 Besucher im Saal begrüßen durfte. Das beschäftigte ihn so sehr, dass er dafür nach rund einer Stunde sogar seine Wahlkampfrede unterbrach. Es sei ihm ein Rätsel, was er eigentlich mit dieser Kuh zu tun habe, sagte er, um dann wieder zur Politik zurückzukommen und weiterzureden, als ob nichts gewesen wäre. Als das Geheimnis am Ende gelüftet wurde und er die Patenschafts- Urkunde überreicht bekam, zeigte sich Söder nicht gerade begeistert. "Heißt das, dass ich jetzt jeden Tag ausmisten muss?", fragte er etwas verunsichert. Eiling-Hütig konnte ihn beruhigen. Man wolle, dass er sich jedes Mal an den Kreisverband erinnere, wenn er als Pate ein Genusspaket mit Bio-Produkten der Andechser Molkerei bekomme, sagte sie. Und der Verband wünsche sich, dass er "gut im Futter bleibt". Der Vergleich mit dem BMI von Kuh Sofia bleib ihm dabei glücklicherweise erspart.

So kurz vor den Landtagswahlen und laut Kreisvorsitzender Stefanie von Winning "in schwierigen politischen Zeiten", hat Söder einen dichten Terminkalender. Er kam direkt von der Eröffnung der Wiesn nach Andechs, doch die Wahlkampfstrapazen waren ihm nicht anzusehen. Wortgewaltig beschwor er die weiß-blauen Klischees von Bayern, die nur der CSU zu verdanken seien und in der Steigerung mündeten: "Deutschland ist großartig, aber Bayern ist noch schöner. Das Leben ist lebenswert und im Landkreis Starnberg ganz besonders." Er verwies auf die Erfolge der CSU, wie die Wiedereinführung des G 9, das Familiengeld und das Landespflegegeld, das es nur in Bayern gebe. Auch das Thema Flüchtlinge und Integration bekomme man dank der CSU in den Griff, indem man eine Balance zwischen Humanität und Ordnung schaffe. Mit der Grenzpolizei und den Ankerzentren zeige man, dass die Herausforderungen lösbar seien und die Bürger wieder Vertrauen in den Rechtsstaat bekämen, sagte Söder und ging zum Angriff auf die AFD über. Wer von sich behaupte "die Rache Gottes für die CSU" zu sein, habe einen Schlag in der Schüssel und im Parlament nichts verloren. Auf die schlechten Umfragewerte reagierte Söder mit einem Zitat von Franz Josef Strauß. "Wer everybody's darling ist, ist auch everybody's Depp". Eiling-Hütig hatte zuvor auf die Umfragewerte ironisch reagiert: "Stimmt, uns geht es wirklich hundsmiserabel", betonte sie, wo doch Bayern zu den wirtschaftsstärksten Regionen in Europa zählt, insbesondere der Landkreis Starnberg.