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Wahlkampf:Grüne fordern mehr Platz für Radler

ADFC-Experte Kilian Häuser moniert, dass in Gilching Schutzstreifen und Markierungen fehlen

Von Christian Deussing, Gilching

Radfahrer und Fußgänger häten es im Fünfseenland vielerorts schwer, sich im Verkehr gegen die Autos zu behaupten, die in den Planungen stets die Priorität hätten. Dies kritisierten am Mittwoch im Gilchinger Rathaus die Grünen, die zum Thema "Verkehrsraum fair teilen" eingeladen haben. Anhand von Dias und vielen Beispielen zeigte Referent Kilian Häuser vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) die Sicherheitsmängel auf Radwegen. Grünen-Kreisrat Anton Maier forderte bei der Veranstaltung die "Verkehrswende" und Oberbayerns Grünen-Chef Markus Büchler will eine geeignete Infrastruktur für Radfahrer schaffen.

"Die Zeit ist reif, dass wir uns den öffentlichen Raum von den Autos zurückholen", die Lärm und Abgase produzierten, sagte Landtagskandidat Büchler vor etwas 45 Zuhörern. Es gebe großes Potenzial, die Mobilität anders zu organisieren und "riesige Chancen", mit autofreien Zonen und schnellen und durchgehenden Radwegeverbindungen Städte und Ortszentren für den Aufenthalt attraktiver zu machen. Davon würden nachweislich auch Geschäfte und die Gastronomie profitieren, betonte Büchler. Er nannte hier die besonders "positiven Beispiele" von Städten wie Kopenhagen, Ljubljana und Wien.

Man müsse die "Straßen und Plätze neu denken", erklärte der Kandidat und verwies beispielsweise auf Orte wie Pöchlarn in Österreich, wo der Hauptplatz in eine gleichberechtigte "Begegnungszone" umgewandelt worden sei und das Auto keine Vorfahrt mehr habe. Dieses Prinzip funktioniere auch anderswo, und es gebe der Statistik nach keine gravierenden Unfälle, berichtete Bühler. Der Grünen-Politiker, dessen Partei sich seit Wochen im Umfragehoch zur Landtagswahl befindet, zitierte auch das Umweltbundesamt: Demnach wünschten sich 82 Prozent der Deutschen weniger Autos und mehr Fuß- und Radwege in Städten und Gemeinden.

Eben das verlangt auch der Gilchinger ADFC-Sprecher Häuser von seiner Gemeinde, die seiner Ansicht nach zu wenig für ein Radwegenetz tue. So fehlten Schutzstreifen und rote Markierungen auf der Römerstraße und der Landsberger Straße, auf denen starker Verkehr herrscht. Prekär sei auch die Situation für Radfahrer an dem Kreisel am Starnberger Weg, wo Autofahrer die weißen Markierungen missachteten und nahezu geradeaus den Kreisel überquerten würden und so Radfahrer gefährdeten, klagte der Referent. Häuser kritisierte, dass manche Radwege abrupt im Nirgendwo endeten, Hinweisschilder fehlten oder wie ein Hindernis auf dem Weg platziert seien. Zudem sei aus der bereits vor Jahren geplanten Parallelstrecke östlich der Ortsdurchfahrt von Gilching nach Alling nie etwas geworden, monierte der ADFC-Vertreter. Allerdings gebe es auch Bereiche, wo die Gemeinde gehandelt habe, so etwa bei der Radstrecke nach Geisenbrunn.

Insgesamt sei die Bilanz aber "ernüchternd", sagte Kreisrat Maier und klagte, dass der Landkreis Starnberg noch weit davon entfernt sei, wirklich "fahrradfreundlich" zu sein.

© SZ vom 14.09.2018
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