Wahlkampf in Tutzing Differenzen im Schneegestöber

Wer wird Bürgermeister? Florian Schotter (l.), Bernd Pfitzner (2.v.r.) und Marlene Greinwald (r.) im Interview mit SZ-Redakteurin Manuela Warkocz.

(Foto: Arlet Ulfers)

Beim SZ-Marktgespräch präsentieren sich die drei Kandidaten für das Amt des Tutzinger Bürgermeisters. Marlene Greinwald setzt auf Erfahrung, Florian Schotter auf Bürgernähe und Bernd Pfitzner auf Klimaschutz

Von David Costanzo, Tutzing

Kurz nicht aufgepasst, schon war es geschehen. Marlene Greinwald stand am Samstag um sechs Uhr auf, um bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nach den 30 Pferden auf ihrem Hof zu schauen. Sie übersah eine Eisfläche - und stürzte auf den Kopf. "Ich habe mit dem Mund gebremst", frotzelte sie selbst über die Platzwunde auf ihrer Lippe. Die Verletzung hat sie nicht davon abgehalten, sich beim Marktgespräch der Süddeutschen Zeitung mit den Tutzinger Bürgermeister-Kandidaten zu präsentieren.

Greinwald tritt für die Freien Wähler an, Florian Schotter für die CSU und Bernd Pfitzner für die Grünen: Alle drei stellten sich am Wochenmarkt im Stand am Rathaus den Fragen von SZ-Redakteurin Manuela Warkocz. Der Wahlkampf dreht auf, denn die Zeit bis zum Urnengang am 14. Januar ist knapp und von den Feiertagen unterbrochen. Da versuchen die Kandidaten, sich schon jetzt zu positionieren. Und tatsächlich wurden im Schneegestöber Differenzen deutlich.

Auf ihre Erfahrung pocht etwa Greinwald, um vom Amtsbonus zu profitieren: 27 Jahre im Gemeinderat, drei Jahre Dritte Bürgermeisterin, seit dem Tod von Amtsinhaber Rudolf Krug im August führt sie die Geschäfte im Rathaus zusammen mit der Zweiten Bürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg (CSU). Sie habe die Regierungsarbeit reduzieren müssen, sagt sie, damit sie sich gegen die Konkurrenten keinen Vorteil verschaffen könne. "Das ist an mich so herangetragen worden", deutet Greinwald an - um gleich mit Amtsgeheimnissen zu kokettieren. Über Grundstücke für ein Einheimischenmodell verhandele die Gemeinde bereits und auch über ein neues Gewerbegebiet. Wo? Was? Wie groß? Das könne sie noch nicht verraten. Im übrigen sei Tutzing einmalig, so schwärmten etwa die Praktikanten aus aller Welt auf ihrem Hof - wunderschöne Landschaft, viel Kultur, ganz nah an München.

Den Gegenpart nimmt Schotter ein. "Jeder Bürger kennt die Baustellen von Tutzing", sagt er - etwa Straßensanierungen, die Bebauung des Seehofs, die Zukunft des Andechser Hofs. Beim Wohnungsbau müsste Tutzing weiter sein: Nach den geplanten 70 Wohnungen am Kallerbach, müsse die Gemeinde neues Bauland bekommen. Tutzing brauche einen Manager, einen Vermittler zwischen Gemeinderat und Verwaltung. Er wolle den Menschen zuhören, ein offenes Rathaus, eine offene Tür pflegen. Dank seines Engagements sei er gut vernetzt, etwa im Trachtenverein Tutzinger Gilde, bei der Feuerwehr oder beim Eishockey. Von politischer Erfahrung spricht er nicht, die hat er aber auch nicht: In den vergangenen Jahren hat Schotter keine Sitzung des Gemeinderats verfolgt und in die CSU ist er gerade erst eingetreten. Er fürchte allerdings um die Stammwähler, bekennt er, denn er stehe nach wie vor zum Merkelschen "Wir schaffen das" und habe sich ehrenamtlich engagiert. Der Polizeibeamte hat mit Flüchtlingen Verkehrserziehung gepaukt.

Als Öko-Original präsentierte sich der Grüne Bernd Pfitzner. Er habe mehr Engagement beim Klimaschutz erwartet, als mit Krug erstmals ein ÖDP-Mann zum Bürgermeister gewählt wurde. Die drei Solaranlagen in Traubing, auf dem Gymnasium und dem Rathaus habe Pfitzner selbst mit angestoßen, weitere will er schaffen, dazu eine Stromtankstelle für E-Autos und etwa ein Glyphosat-Verbot in der Gemeinde erreichen. Beim Wohnungsbau schwebt ihm eine gemeinsame Gesellschaft von Gemeinde und Unternehmen vor, die bezahlbare Wohnungen für die Mittelschicht errichtet. Die Händler im Ort würde er mit einer Internet-Plattform samt Lieferservice in der Gemeinde gegen die Online-Riesen stärken. Ähnlich wie Greinwald will er die Gewerbesteuer vorerst nicht senken, sondern abwarten, ob sich genügend neue Ansiedlungen finden. Und für die Parkplätze am Bahnhof will er ebenfalls Gebühren verlangen. Das soll die Weilheimer Pendler abschrecken, die mit dem Auto nach Tutzing fahren und in die S-Bahn umsteigen. Für die Tutzinger will Pfitzner bessere Fahrrad-Parkplätze und sogar Garagen schaffen.