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Verkehrswende:Weßling eröffnet Fahrradstraße und den Wettbewerb "Stadtradeln"

Bei der bundesweiten Aktion erreicht der Ort stets Spitzenpositionen. Nun freuen sich die Radler über mehr Sicherheit.

Von Patrizia Steipe

Die Verhüllung des letzten Schilds für die Fahrradstraße entfernte Bürgermeister Michael Sturm persönlich. Dazu nutzte er zunächst die Querstange seines Radls als Steighilfe und als das nicht reichte, schwang er sich kurzerhand an die Stange des Straßenschilds und kletterte daran empor. Die Premierenfahrt über Weßlings erste Fahrradstraße konnte beginnen. Etwa 60 Teilnehmer testeten die neue Route vom Meilinger Weg über die Schulstraße bis zur Einmündung in die Bahnhofstraße. Die Fahrt war gleichzeitig der Auftakt für die dreiwöchige, bundesweite Aktion "Stadtradeln", die am Sonntag mit mehr als 200 Mannschaften im Landkreis begonnen hatte.

150 Weßlinger Anmeldungen hat Gerhard Sailer, Koordinator der Mobilitätswende, bekommen. Im Laufe des Wettbewerbs werde sich die Anzahl sicherlich auf 400 erhöhen, meinte er. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Weßlinger stets an die bundesweite Spitze geradelt. "Im letzten Jahr haben wir bundesweit den zweiten Platz erreicht in der Kategorie Kommunen unter 10 000 Einwohner", freute sich Sailer. Vor allem die "Vielradler" wie jener Teilnehmer, der täglich zur Arbeit nach Wolfratshausen radelt, hätten die Bilanz in die Höhe getrieben. Vereine, Firmenteams, Schulklassen, Kindergärten und auch der Gemeinderat haben im letzten Jahr 80 000 Kilometer geschafft. Heuer sind 100 000 Kilometern das Ziel.

Der Wettbewerb sei aber nicht Hauptgrund, um beim "Stadtradeln" mitzumachen. "Wir wollen damit erreichen, dass die Fahrradfahrer in den Mittelpunkt rücken", erklärte Sailer. So sei die generelle Begeisterung für das Radeln mit ein Grund dafür gewesen, dass etwa drei Jahre nachdem der Gemeinderat den Antrag genehmigt hatte, die Fahrradstraße eingeweiht werden konnte. Einige Abstimmungsgespräche und beharrliches Nachhaken bei Behörden und Polizei seien notwendig gewesen, erinnerte sich Sturm. Sogar eine Verkehrszählung war für die zukünftige Fahrradstraße gefordert worden. Das Ergebnis lautete: 65 Prozent der Straßennutzer seien Radler, "dann gab es keine Gegenargumente mehr", so Sailer. Für Gemeinderat Gerhard Hippmann, Mitglied des Arbeitskreises Mobil und Lebenswert, bedeutet die Fahrradstraße mehr Sicherheit auf der überörtlich wichtigen Strecke im Radroutennetz. Sie wird nicht nur von Weßlinger Pendlern, Schülern und Kirchgängern genutzt, sondern ist für Radler aus den Gemeinden bis Herrsching die direkte Verbindung zu ihren Arbeitsplätzen bis nach München.

Wie funktioniert das Nebeneinander von Auto und Rad in einer Fahrradstraße? Sailer gab den Radlern eine Knigge mit auf den Weg: "Das ist unsere Straße, aber Autofahrer ausbremsen und schikanieren, ist nicht unser Niveau. Wir nehmen Rücksicht." Es gebe drei Hauptregeln zu beachten, ergänzte Hippmann: Es gilt Tempo 30 für alle Verkehrsteilnehmer, Fahrräder dürfen auf der Straße nebeneinander fahren und sie haben Vorrang. Neben Weßling gibt es in Starnberg und Gauting weitere Fahrradstraßen.

© SZ vom 22.06.2020

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