VerkehrsberuhigungAutos raus, Menschen rein

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Stadtrat diskutiert über das Konzept "Lebendiges Starnberg"

Von Peter Haacke, Starnberg

Die Verkehrsproblematik in Starnberg hat sich mit dem Beschluss des Stadtrats aus dem Jahr 2017 - "Tunnel bauen, Umfahrung planen" - nicht erledigt. Mit Fertigstellung des B2-Tunnels im Jahr 2026 ergibt sich die Chance, weite Teile der Innenstadt verkehrstechnisch neu zu ordnen. Der Stagenda-Arbeitskreis "Verkehr" hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den Verhältnissen beschäftigt und präsentierte am Montag im Stadtrat das Konzept "Lebendiges Starnberg".

Im Fokus stand dabei die Frage, "ob man an der Verkehrsbelastung in Starnberg, über die wir alle jammern, auch unabhängig vom Tunnelbau etwas ändern kann", sagte Irmgard Franken. Das Gremium stimmte dem Konzept "Lebendiges Starnberg" im Grundsatz zu. Erschwert wurde die zweistündige Debatte allerdings dadurch, dass auch über einen Architektenwettbewerb zur Gestaltung der Tunnelportale, die geplanten Notausstiege sowie das Betriebsgebäude an der Weilheimer Straße verhandelt wurde.

In einem Punkt sind sich alle einig: Die Stadt soll vom Durchgangsverkehr durch den Tunnel entlastet und der Verkehr in der Innenstadt beruhigt werden. Für eine "zukunftsfähige Aufteilung des Straßenraums für alle Verkehrsarten" sollen ein funktionales Bussystem, ein flächiges Radwegenetz, eine konsequente Parkraumbewirtschaftung und eine "aufenthaltsförderliche Platzgestaltung" Verbesserungen im öffentlichen Raum bringen. Das Konzept sieht vor, dass bereits jetzt - nach Zustimmung durch den Stadtrat - schrittweise Maßnahmen auf Basis des vorgelegten Papiers umgesetzt werden. Das erste "Paket" soll bereits bis Dezember 2019 beschlossen sein.

Als entscheidend für den Erfolg aber gilt, dass die Verkehrsführung zum Tunnel sowohl im Norden als auch im Süden in Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt so umgeplant wird, dass die Tunneleinfahrten für den Durchgangsverkehr besser angenommen, der Binnen-, Ziel- und Quellverkehr besser geleitet und der Verkehrsraum an der Oberfläche für nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer deutlich verbessert und sicherer wird. Die Stadtverwaltung soll zudem untersuchen, mit welchen weiteren verkehrlichen Änderungsmaßnahmen es möglich ist, die Tunnelnutzung für Durchgangsverkehr attraktiver zu machen und gleichzeitig die Erreichbarkeit der Innenstadt und der Wohnquartiere sicherzustellen. Die Ergebnisse sollen möglichst bis Herbst 2019 mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim abgestimmt werden.

Wesentlicher Baustein des Konzepts, das Franken, der frühere Kreisbaumeister Helmut Rauscher, Architekt Helm Andreas Heigl sowie Andrea Schmölzer schon den Fraktionen und der Presse präsentierten, ist ein "intelligentes Einbahnstraßen-System": Im Norden geht es über den Tutzinger-Hof-Platz in die Innenstadt, die Ausfahrt erfolgt über die Leutstettener Straße. Im Süden geht es Richtung Bahnhof über den "Seufzerberg", die Ausfahrt zur B2 würde dann von der Possenhofener Straße über die Dinardstraße führen. Und im Süden der Stadt soll ein weiterer Kreisverkehr entstehen, um den Tunnel nutzen zu können. Zwei Schüler der Mittelschule präsentierten zudem Ergebnisse einer Projektarbeit für einen sicheren Schulweg.

Explizit bedankten sich die Vertreter aller neun Fraktionen für die Arbeit des Arbeitskreises. Gleichwohl gab es auch Änderungsvorschläge. Stefan Frey (CSU) etwa forderte aktuelle Verkehrszahlen, die aber nicht in einem Workshop, sondern in einem Ausschuss diskutiert werden sollen. Zudem müsse das Staatliche Bauamt an Entscheidungen beteiligt werden. Raphael Zuber, zuständig für Straßenbauprojekte im Landkreis Starnberg, sicherte zu, dass "jede Idee, die reingebracht wird", auch berücksichtigt werde.

© SZ vom 03.07.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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