Verkehr 20 Minuten Wartezeit am Bahnübergang

Nach einem tödlichen Unfall werden in der Nähe der Lauterbacher Mühle in Seeshaupt mobile Schranken aufgestellt. Nun müssen die Autofahrer manchmal lange warten, bis der Zug vorbei ist. Eine neue Anlage soll noch im Frühjahr installiert werden.

Von Christian Deussing

Nach dem tödlichen Unfall im vergangenen Mai auf dem Bahnübergang bei der Lauterbacher Mühle nahe Seeshaupt ist diese Stelle nun zusätzlich mit mobilen Halbschranken und einem roten Dauerlicht gesichert. Eine 67-jährige Autofahrerin aus Gräfelfing und ihre 83 Jahre alte Beifahrerin waren ums Leben gekommen, als ihr Wagen von einem Regionalzug aus Kochel erfasst worden war. Nun schließt die provisorisch angebrachten Schranken ein Bahnposten bereits, wenn der Regionalzug in Penzberg abfährt; elf Minuten später passiert er den Übergang. Die langen Wartezeiten ärgern viele Autofahrer, manchmal bilden sich Staus.

Auch Erwin Ott, Geschäftsführer der Privatklinik Lauterbacher Mühle, klagt darüber. Er beschwerte sich schon zweimal schriftlich bei der Bahn über die bis zu 20 Minuten langen Schließzeiten. Dadurch staue sich der Verkehr manchmal bis zur Staatsstraße zwischen Seeshaupt und Penzberg in einer unübersichtlichen Kurve. Das sei eine "akute Gefährdungslage", die weder den Klink-Mitarbeitern noch Lieferanten, Krankenwagen, Patienten und deren Besucher zuzumuten sei, schreibt Ott und er meint, es müsse doch technisch machbar sein, die Schranken erst zu schließen, wenn der Zug kurz zuvor in Iffeldorf abfahre. Der Klinik-Chef hat zudem die Polizei alarmiert. Seitdem befinden sich an der Staatsstraße in dem Bereich vor dem seit November mit Schranken gesicherten Übergang zwei Warnschilder mit der Aufschrift "Achtung Staugefahr ".

Der Sicherheitsposten Andreas Scheidt (rechts) bedient den Schalter am Übergang, damit sich die beiden Schranken senken.

(Foto: Nila Thiel)

In der Gegenrichtung, von Seeshaupt aus, senken sich Halbschranken erst etwa vier Minuten, bevor der Zug den Übergang erreicht. So seien die "betrieblichen Regularien", erläutert die DB Netz AG in einem Antwortbrief.

Auch der Seeshaupter Bürgermeister Michael Bernwieser kennt die Beschwerden von Autofahrern und der Privatklinik, bei der 270 Mitarbeiter beschäftig sind. Diese Wartezeiten seien sicher "lästig", sagt der Rathauschef, der über dieses Problem schon mit der Bahn gesprochen hat. Als "tragisch und dramatisch" bezeichnet es Bernwieser, dass sich das Unglück an einem Ort ereignet hatte, wo die Bahn ohnehin bereits geplant habe, Halbschranken fest zu installieren. Die Fahrerin hatte damals offenbar das blinkende Warnlicht am Andreaskreuz übersehen, denn die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass die Sicherungstechnik an der Überquerung funktioniert hatte.

Bei dem tödlichen Unfall im vergangenen Mai war das Auto der Frauen von einem Zug aus Kochel 200 Meter mitgeschleift worden.

(Foto: Nila Thiel)

Die neuen Halbschranken will die Bahn wohl noch im Frühjahr errichten, nachdem das elektronische Stellwerk an der Kochelseebahn für diese Strecke in Betrieb gegangen ist. Zuvor hatte es Probleme gegeben, Firmen zu bekommen, die diese Schranken bauen, denn auf eine erste Ausschreibung vor einem knappen Jahr hin hatte sich niemand gemeldet, wie ein Bahnsprecher der SZ berichtet. Eine feste Halbschrankenanlage, die automatisch und ferngesteuert funktioniert, soll spätestens bis Mitte des Jahres an dem Übergang installiert sein, kündigt der Sprecher an. Er betont aber, dass andere Bahnübergänge ohne Halbschranken, so wie es früher an der Lauterbacher Mühle gewesen ist, nicht umgerüstet würden.

Halbschranken

Der Bahnübergang bei der Lauterbacher Mühle bei Seeshaupt ist jetzt besser gesichert. Das läuft so ab: Der Fahrdienstleiter informiert einen Posten an dem Übergang zwischen Kochel und München, der dann einen Schalter bedient, um die beiden mobilen Halbschranken zu schließen. Die Autofahrer werden zuvor nicht nur durch Andreaskreuze auf den Bahnverkehr hingewiesen, sondern auch durch ein neues Ampelsystem: So blinkt es zuerst gelb und dann durchgehend rot, wie an einer Kreuzung. Das Andreaskreuz signalisiert auch, dass der Schienenverkehr Vorrang hat. Fahrer sollten schon bei rotem Licht anhalten, bevor sich die Schranke senkt. Laut ADAC werden oft die Geschwindigkeit und der Bremsweg von Zügen unterschätzt: So benötigt ein 100 Stundenkilometer schneller Zug bei Vollbremsung noch etwa 1000 Meter bis zum Stillstand. deu

Eine verbesserte Sicherheitstechnik wie in der Nähe der Lauterbacher Mühle würde jedoch der ADAC Südbayern begrüßen. Denn die Warnung mit einem gelben Blinklicht und einem rotem Dauerlicht signalisiere den Autofahrern noch besser die Gefahr eines herannahenden Zuges, sagt Alexander Kreipl, der verkehrspolitische Sprecher des ADAC Südbayern. Dieses Blinksystem in zwei Stufen hätten die Fahrer im Straßenverkehrt verinnerlicht, daher sei diese Lösung ein "Sicherheitsgewinn", erläutert der Experte.

Kreipl verweist aber auch darauf, dass es noch "überproportional viele Bahnübergänge in Bayern" gebe, die nur mit Blinklicht und Andreaskreuzen gesichert seien. In einer gemeinsamen Aktion der Bayerischen Oberlandbahn und des ADAC unter dem Motto "Bahn hat Vorfahrt" wird auf die Folgen von Leichtsinn, Unkenntnis und Unaufmerksamkeit von Autofahrern an solchen Bahnübergängen hingewiesen.