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Verkehr:Ingenieur entwirft Tunnel und Bahnhof unter dem Starnberger See

Alexander Walther darf seine Vision noch einmal im Stadtrat vorstellen. Viele Politiker lehnen diese "Utopie" ab, die mindestens eine halbe Milliarde Euro kosten würde.

Erstmals seit Monaten hat am Mittwoch wieder der "Projektausschuss Bahnhof See" getagt. Im Fokus der Veranstaltung in der Starnberger Schlossberghalle stand zum wiederholten Mal ein FDP-Antrag zur Verschönerung der Seepromenade sowie der ebenfalls von den Liberalen initiierte Versuch, angesichts des bis Jahresende befristeten Bahnvertrags die Rahmenbedingungen für ein überfälliges Gespräch mit Verantwortlichen der Deutschen Bahn thematisch festzulegen.

Zum Auftakt der knapp dreieinhalbstündigen Sitzung präsentierte der Ingenieur Alexander Walther seine Vision von einem Seetunnel für Bahn und Autoverkehr, den das Gremium aber lediglich zur Kenntnis nahm. Eine Debatte über Folgen eines Nichterfüllens des Bahnvertrags, die Untätigkeit und Infopolitik von Bürgermeisterin Eva John und die Klage des Stadtrats gegen sie erfolgte nicht.

Den Seetunnel-Vortrag hatte John kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt. Sie kam damit einer seit Juli 2016 bestehenden Forderung des Stadtrats nach, der eine Vorstellung von Alternativen zur bislang vorliegenden Planung gefordert hatte. Überraschend aber wurde nun der Seetunnel, nicht aber der Kompakttunnel-Entwurf von Lutz J. Janssen oder das Konzept des Vereins "Schöner zum See" behandelt. Dabei hatte der Stadtrat den Seetunnel bereits 2003 mit 25 zu drei Stimmen als unbezahlbare Utopie verworfen; einzig die FDP favorisierte seinerzeit die Planung.

Die Idee des Seetunnels für die Bahn in Grundzügen: Die Gleise verschwinden auf Höhe der Münchner Straße im Erdreich, führen weiter zu einem Unterwasser-Bahnhof und durchqueren schließlich den Almeidaberg; Tunnelausgang wäre auf Höhe des Oberen Seewegs. Nicht minder fantastisch die Planung für den Straßenverkehr: Von der Autobahn kommend unterquert die Straße vierspurig die Würm und die Wassersportsiedlung am Landratsamt und führt in einen schwimmenden Seetunnel, der einen unterirdischen Kreisverkehr mit Zufahrt zur Innenstadt aufweist. Die Straße taucht auf Höhe Bahnunterführung in der Possenhofener Straße wieder auf.

Laut Walther würden durch das kombinierte Tunnelprojekt 100 000 Quadratmeter Grundstücksfläche frei. Die Seepromenade wäre befreit von Gleisen, weitere Effekte seien eine drastische Lärmreduzierung und verringerter Elektrosmog durch Entfall von Oberleitungen. Er untermauerte seine Aussagen mit Zahlen zum Verkehrsaufkommen. Walther bezeichnete sein Projekt als "Königsweg" und "städtebaulich die intelligenteste Lösung".

In der Debatte gab es jedoch erhebliche Zweifel an dieser Darstellung. Stefan Frey (CSU) monierte, dass Walther alle relevanten Belange ausgeblendet habe wie Kosten, Zuständigkeit, Naturschutz und Verhältnismäßigkeit im Hinblick auf wenigstens 500 Millionen Euro Kosten. Frey forderte "Mut, sich von Utopien zu verabschieden", zumal ein "Verhinderungsszenario für den B2-Tunnel" es nicht wert sei, sich mit dem Projekt ernsthaft auseinander zu setzen. Frey: "Eine nette Idee, aber nicht mehr." Keine Begeisterung zeigte auch Gerd Weger (CSU) als dienstältestes Mitglied des Stadtrats. Er bezeichnete das Projekt als Wunschdenken fernab aller Realitäten: "Das bringt uns keinen Schritt weiter." Auch Stadtbaumeister Stephan Weinl erteilte der Planung eine Absage, weil sie wirtschaftlich nicht vertretbar sei. Zudem ergab sich zwischen Weinl und Walther ein Disput hinsichtlich des Untergrundes. Einzig die FDP beharrte darauf, dass ein Bahntunnel am See "die beste Lösung" sei.

Der FDP-Antrag auf eine Festlegung für ein - noch immer nicht terminiertes - Gespräch mit der DB provozierte eine längere Debatte. Zwar bestand Einigkeit darüber, dass Barrierefreiheit oder Überdachungen am Bahnsteig wünschenswert seien, eine Fixierung auf Verhandlungspositionen die Stadt aber unnötig einschränke. Christiane Falk (SPD) vermutete, der Antrag solle "vom Fehlverhalten der Bürgermeisterin ablenken". Vorläufiges Ziel ist es, zunächst überhaupt eine gemeinsame Haltung des Stadtrats gegenüber der DB zu finden. Auch die Vorschläge zur Verschönerung der Promenade wurden vertagt: Die neun Fraktionen sollen ihre Wünsche bis Ende November im Rathaus einreichen.