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Verkehr in Starnberg:Streifen, Schilder, Haltezonen

Neue Regeln auf der Rheinlandstraße; Neue Regeln auf der Rheinlandstraße

Neue Fahrbahnmarkierungen und Parkregelungen auf der Rheinlandstraße vor dem Postamt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

In der Rheinlandstraße gibt es nun eine eigene Spur für Radfahrer. Autofahrer parken dennoch darauf.

Selten war die Aufregung größer, in den sozialen Netzwerken überschlagen sich die empörten Kommentare: Die Starnberger Stadtverwaltung hat in der ersten Schulferienwoche in der südlichen Rheinlandstraße einen 1,50 Meter breiten Radfahrstreifen aufmalen lassen. Die Parkplätze vor der Post entfallen damit. Stattdessen wurden auf der gegenüberliegenden Seite mittels Schildern und laminierter Hinweise Haltezonen eingerichtet. Zudem ziert eine rot markierte Aufstellfläche für Radfahrer mit gestrichelter Linie und Richtungspfeilen den Kreuzungsbereich der Rheinlandstraße. Die Neuerungen stiften in ihrer Gesamtheit unter Verkehrsteilnehmern allerdings eher Rätselraten als Klarheit, zumal auch noch Stoppschilder und Zebrastreifen zu beachten sind. In der Praxis aber werden sie schlicht ignoriert.

Bürgermeisterin Eva John beruft sich mit dieser Aktion auf einen Beschluss des Ausschusses für Umwelt, Energie und Mobilität, der den Radstreifen in seiner Juni-Sitzung gebilligt hatte - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass auch Polizei und Feuerwehr der Planung der Stadt vorbehaltlos zustimmen. Dies war jedoch nicht der Fall. Oliver Jauch, Verkehrsexperte der Starnberger Polizei, monierte den zunächst auf 1,25 Meter Breite konzipierten Radstreifen, zudem beanstandete er das absolute Halteverbot gegenüber der Feuerwehr. Der Starnberger Feuerwehrkommandant Markus Grasl indes äußerte sich gar nicht: Er lehnt die Konzeption der Stadt rundherum ab, weil er einerseits um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr bangt, andererseits keinen Sicherheitsgewinn für Radfahrer erkennen mag.

Nachdem die ersten Stellungnahmen negativ ausgefallen waren, überarbeitete die Stadtverwaltung kurzerhand die Planung - allerdings ohne den Ausschuss darüber zu informieren. Der Fahrradstreifen wurde verbreitert, aus dem absoluten Halteverbot vor der Feuerwehr wurde ein eingeschränktes mit einer Beschränkung auf eine halbe Stunde; ausgenommen davon sind lediglich Einsatzfahrzeuge. "Begeistert bin ich davon nicht", sagte Jauch, der den gesamten Kreuzungsbereich an der viel befahrenen Rheinlandstraße und Ferdinand-Maria-Straße mit Stoppschildern und Zebrastreifen in Kombination mit der Feuerwehr ohnehin kritisch sieht. Doch rechtlich sei die zweite Variante wohl nicht zu beanstanden - auch wenn sie "nicht ganz optimal ist", sagt Verkehrsexperte Jauch.

Seitens der Feuerwehr holte sich die Bürgermeisterin das Plazet von der Kreisbrandinspektion und nicht vom Starnberger Feuerwehrkommandanten Grasl, der konsequent bei seiner ablehnenden Haltung bleibt. Die Haltezonen vor der Feuerwehr bleiben derweil dauerhaft belegt - jedoch nicht von Einsatzfahrzeugen, wie angeordnet, sondern von gewöhnlichen Autos. Lob kommt lediglich vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC): "Hier geht die Stadt mit gutem Beispiel voran", schreibt ADFC-Kreisvorsitzender Anton Maier, "und sorgt durch die Markierung von Schutzstreifen für eine gekennzeichnete durchgehende Radverbindung vom Bahnhof Starnberg Nord und vom Gymnasium ins westlich gelegene Starnberg".

Nach Ansicht von Stadträtin Angelika Kammerl (Parteifreie) hätte die überarbeitete Planung allerdings erneut dem Ausschuss vorgelegt werden müssen. Sie verlangt daher den Rückbau, was John aber ablehnt. Ohnehin wird sich keines der städtischen Gremien in den nächsten zwei Monaten mit der Angelegenheit beschäftigen können: Für die Ferienmonate August und September hat Starnbergs Bürgermeisterin bisher keine Sitzung anberaumt.

Weitaus weniger Probleme haben Autofahrer mit dem neuen Radfahrstreifen: Wer zur Post will, hält weiterhin unverdrossen vor dem Gebäude. Ein Vergehen, das im Fall einer Anzeige je nach Schwere mit oder ohne Behinderung von Radfahrern mit 15 bis 25 Euro Bußgeld geahndet werden kann - sofern überhaupt jemand kontrolliert.