WirtschaftDie Optimierer vom Wörthsee

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Aus einem sanierten Bauernhaus in Wörthsee heraus managen Kommunikationschef Rainer Pollmann und die Geschäftsführerin Carmen Zillmer den Internationalen Controller Verein.
Aus einem sanierten Bauernhaus in Wörthsee heraus managen Kommunikationschef Rainer Pollmann und die Geschäftsführerin Carmen Zillmer den Internationalen Controller Verein.
Arlet Ulfers

Seit 50 Jahren hat der Internationale Controller Verein seinen Sitz in Wörthsee. Die mehr als 6000  Mitglieder bilden ein internationales Netzwerk in 15 Ländern. Jährlich veranstaltet der Verein Europas größte Controlling-Fachtagung.

Von Amelie Kaiser, Wörthsee

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Es ist ein unscheinbares Haus, das sich von außen kaum von anderen Wohnhäusern im Gemeindeteil Etterschlag in Wörthsee abhebt. Bäume und Büsche verdecken zum Teil die weiße Fassade und dunklen Fensterläden. Drinnen führt eine knarzende Holztreppe in einen Besprechungsraum. Hier sitzt ein internationaler Verein mit mehr als 6000 Mitgliedern, dessen Standorte sich über 15 Länder verteilen. Der Internationale Controller Verein (ICV) ist ein Zusammenschluss von Controllern, der seine Mitglieder durch Erfahrungsaustausch und Netzwerken bei der Arbeit sowie bei der persönlichen Entwicklung unterstützt – und das bereits seit 50 Jahren.

Aber was versteht man eigentlich unter dem Begriff Controlling? Ganz allgemein bedeutet Controlling das Steuern oder Regeln eines Unternehmens, zuweilen auch Internes Rechnungswesen genannt. Controller beraten unter anderem das Management eines Unternehmens in Bezug auf ihre Geschäftsstrategie, beispielsweise durch Berechnen und Einteilen von Budgets. Eindeutiges Ziel ist es dabei, die betriebliche Tätigkeit zu verbessern.

Als erste Controller-Vereinigung wurde der Verein 1975 von sieben Absolventen der Controller Akademie in Gauting und München gegründet. Initiiert worden war die Gründung des Vereins vom promovierten Diplom-Kaufmann Albrecht Deyhle, mittlerweile ICV-Ehrenvorsitzender. Geschäftsführerin ist seit 2016 die Textilingenieurin Carmen Zillmer, die zuvor drei Jahre lang die Geschäftsstelle des ICV leitete. Zu ihren Aufgaben zählen unter anderem die Organisation des jährlichen Controller-Kongresses. 100 ehrenamtliche Mitarbeiter hat der Verein, viele davon sind schon seit Jahren dabei. Der ICV beschäftigt drei Angestellte und fünf freiberufliche Mitarbeiter.

Sechsmal im Jahr liefert der ICV Beiträge für die Fachpublikation "Controller Magazin".
Sechsmal im Jahr liefert der ICV Beiträge für die Fachpublikation "Controller Magazin".
Arlet Ulfers

„Man fängt klein an“, begründet Zillmer die ungewöhnliche Betriebsform. Ein Verein sei aber naheliegend und praktisch, um im Austausch zu bleiben und Gleichgesinnte zu treffen. Laut der Geschäftsführerin sind Firmen mit vergleichbaren Geschäftsfeldern eher Mitglieder von Verbänden. Ein Verein dagegen habe recht verschiedenartige Anhänger. Dementsprechend seien die mehr als 250 Firmenmitglieder des ICV nicht auf eine bestimmte Branche festgelegt, sagt Zillmer. Mitglied sei unter anderem VW Polen – eine ausländische Tochterfirma von Volkswagen. Aber nicht nur Firmen, sondern auch Einzelpersonen können Mitglieder des ICV werden. Zudem treten nicht nur Controller dem ICV bei: So sind auch Hochschullehrer, die Praxisnähe suchen, dabei. Weiterer Vorteil: „Wir sind super günstig“, lobt Geschäftsführerin Zillmer. Firmen zahlen einen Jahresbeitrag in Höhe von 975 Euro für die Mitgliedschaft, einzelne Personen 195 Euro.

Den Controller-Kongress besuchen jährlich hunderte Teilnehmer

Für seine Mitglieder möchte der Verein eine „Brücke zwischen Praxis und Theorie“ bilden, erklärt Rainer Pollmann, Leiter für Kommunikation und Marketing des ICV. An oberster Stelle stehen im Verein Netzwerken und Erfahrungsaustausch. Die Altersspanne der Mitwirkenden sei groß, erfahrene Mitglieder fördern die jüngeren. Auch von Fachliteratur, die der ICV selbst erstellt, profitieren die Mitglieder. So tritt der Verein beispielsweise mit aktuellen Themen im Controller Magazin auf, das alle zwei Monate erscheint. Die Auflage des Magazins liege laut Zillmer und Pollmann bei 10 000 Exemplaren. Für internationale Vereinsmitglieder gibt es zudem einen englischsprachigen Newsletter.

Einmal im Jahr veranstaltet der ICV einen Kongress in München – nach eigenen Angaben die größte Controlling-Fachtagung in Europa. Der sogenannte „Congress der Controller“ findet dieses Jahr am 28. und 29. April statt. Er ermöglicht Teilnehmern, sich mit Fachkollegen auszutauschen und Vorträge von Experten internationaler Unternehmen zu hören. Jährlich besuchen bis zu 500 Interessierte den Kongress, bestätigen die beiden Vereinsmitarbeiter.

Im Rückblick auf die letzten 50 Jahre des Controller-Vereins betont Carmen Zillmer, die nun seit fast zehn Jahren ICV-Geschäftsführerin ist, die Durchgängigkeit des Kongresses. Es gebe mehrere Dauerteilnehmer und Stammgäste, die der Verein auf seinen Kongressen erwartet. Außerdem lobt Zillmer die vielen ehrenamtlichen Mitglieder ihres Vereins, die auch als Fachaussteller auf den Kongressen vertreten sind. Doch auch viele kleine Erfolge zelebriert der Verein. Ein besonderer Höhepunkt des mittlerweile 50 Jahre bestehenden Vereins ist für Zillmer und Pollmann der Controller-Kongress von 1987: Dieser war mit 700 Teilnehmern der meistbesuchte Kongress der Vereinsgeschichte.

Für die Zukunft legt der ICV den Fokus auf die digitale Entwicklung. Dadurch möchte man auch die eigene Marke stärken. Zudem wird der Verein weiterhin den Markt beobachten, um festzustellen, welche Bedürfnisse seine Mitglieder haben. Der Verein im unauffälligen Haus in Etterschlag muss sich immer wieder weiterentwickeln, um zukunftsträchtig zu bleiben.

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