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Verdichtung:Gauting plant nächstes Quartier - diesmal 180 Wohnungen und Supermarkt

Die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs für das ehemalige AOA-Gelände stehen fest. Vorgesehen sind große Baukörper. Nicht allen Anliegern gefällt das.

Auf den ersten Blick sieht der Sieger des städtebaulichen Realisierungswettbewerbs für das ehemalige AOA-Gelände in Gauting überzeugend aus: In einem lang gestreckten Baukörper von etwa 200 Metern entlang der Ammerseestraße soll ein Supermarkt mit Vollsortiment entstehen, darüber auf zwei Geschossen Wohnungen. Dahinter ist eine Grünanlage geplant, die von fünf quadratischen Wohngebäuden umrahmt ist, am westlichen Grundstücksrand ist ein lang gezogenes Geschosswohnhaus vorgesehen, im Süden eine kleine Siedlung mit Einfamilienhäusern, angelehnt an das bereits bestehende "Klein Jerusalem" - insgesamt 180 neue Wohneinheiten. Die Pläne stammen von Professor Hans-Peter Hebensperger-Hüther vom Münchner Büro H2R Architekten und den Landschaftsarchitekten Fischer Heumann, auch aus München.

Eins macht Bürgermeisterin Brigitte Kössinger bei der Vorstellung der Pläne am Mittwoch im Bosco unmissverständlich klar: Es ging um einen Ideenwettbewerb, auf dessen Grundlage nun das Gesamtkonzept entwickelt wird und die nächsten Schritte geplant werden. Der Umgriff für das 2,8 Hektar große Gebiet umfasst den Bereich südlich der Ammerseestraße, zwischen Paul-Hey-Straße im Osten und Danziger Straße im Westen bis zur Pötschenerstraße im Süden. Das neue Quartier soll sich in die Umgebung einfügen, also den Übergang von kleinteiligen Einfamilienhäusern zu Geschosswohnungsbau und grünen Freiräumen ermöglichen. Das Projekt stehe jedenfalls noch ganz am Anfang, betonte Kössinger vor mehr als 150 interessierten Zuhörern.

In weiteren Schritten soll der endgültige Bebauungsplan erstellt und die Umsetzung entwickelt werden. Als erstes werden sich die Grundeigentümer des Areals, die Diehl-Gruppe (AOA), das Katholische Siedlungswerk, der Verband Wohnen und die Gemeinde Gauting zusammensetzen und Details und Änderungsvorschläge diskutieren. Nachdem der Vorsitzende des Preisgerichts, Regierungsdirektor Bernhard Landbrecht, die Richtlinien und Ziele des Wettbewerbs erläutert hatte, ging er auf die vier Planungen der engeren Wahl ein. Zunächst hatten 41 Büros anonym ihre Skizzen eingereicht, 14 kamen in die zweite Phase.

Auch der Entwurf von Architekt Arne Krüger aus Bielefeld, der den zweiten Preis bekam, hatte viele Qualitäten: Er besteht aus zwei Teilquartieren mit einer schön strukturierten Grünanlage dazwischen. Ein Bolzplatz am östlichen Rand des Areals, gleich gegenüber den Einfamilienhäusern im Bestand hat sich wohl negativ auf die Bewertung ausgewirkt.

Bei der Vorstellung seiner Pläne stellte Hebensperger-Hüther einige Vorschläge zur Diskussion: Der Abschluss des viergeschossigen Gebäudes im Osten könne mit einem fünfgeschossigen Kopfbau für Gemeinschaftsräume und einer gemeinsamen Dachterrasse genutzt werden. Die Dächer könnten begrünt und Nistmöglichkeiten für Spatzen und Mauersegler mitgeplant werden. Um den hohen Stellplatzschlüssel zu umgehen, könne man ein Carsharing einrichten. Die Bürgermeisterin überlegt ein eigenes Mobilitätskonzept.

Insgesamt reagierten die Zuhörer sehr positiv. Allerdings gab es auch kritische Fragen, wie die Erschließung, das oberirdische Parken vor dem Supermarkt, die Verschattung der bestehenden Häuser. Wie viele Sozialwohnungen gebaut werden oder welche Kriterien für das Einheimischenmodell gelten, konnte Kössinger nicht beantworten. Auch nicht wann, die Bagger anrollen. "Frühestens 2020/2021." Die Pläne sind bis einschließlich 1. Juni im Rathaus ausgestellt. Jeder Bürger kann seine Anregungen schriftlich mitteilen. Einwendungen sind auch über die Homepage der Gemeinde möglich.

© SZ vom 04.05.2018

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