Süddeutsche Zeitung

Utting:Wohnungen willkommen

Bürger stehen hinter der geplanten Schmucker-Siedlung

Das Wohnbauprojekt auf dem Schmucker-Areal findet offenbar bei den Uttingern großen Anklang. Diesen Schluss kann man aus der Bürgerversammlung ziehen, die am Donnerstag stattfand. Zwar wurden am Rand auch andere Fragen gestreift - doch zentrales Thema des Abends war das Vorhaben, auf der von der Gemeinde erworbenen Fläche zwischen Landsberger und Hechenwanger Straße 88 Mietwohnungen für Normalverdiener zu schaffen.

Jochen Seifert, der sich im Vorstand des Uttinger Kulturforums engagiert, stellte kritische Fragen zum Projekt, etwa zu den infrastrukturellen Folgekosten für die Gemeinde: Schließlich seien 200 bis 220 Neubürger zu erwarten. Seifert sprach von "Gigantismus" und wollte wissen, ob für derart viel Wohnraum überhaupt Bedarf im Ort bestehe. Josef Lutzenberger antwortete in seiner letzten Bürgerversammlung als Rathauschef, das Vorhaben sei wichtig, "um das soziale Gefüge so zu erhalten, wie es gerade ist". Im Ort würden Leute gebraucht, die im Kindergarten arbeiten, an der Supermarktkasse sitzen und bei Feuerwehr oder Wasserwacht mithelfen. Für die 54 Sozialwohnungen der Gemeinde umfasse die Warteliste derzeit 25 Anträge.

Er kenne genügend Uttinger, die wegziehen mussten, weil sie sich kein Domizil im Ort mehr leisten konnten: "Wir brauchen Wohnraum, wir vertreiben unsere eigenen Kinder", sagte Lutzenberger und erntete bei den meisten der etwa 80 Anwesenden Beifall. Auf Nachfrage Seiferts, wie man sicherstellen könne, dass nur Uttinger die günstigen Wohnungen beziehen, antwortete der Bürgermeister, die Gemeinde habe uneingeschränktes Belegungsrecht. An die üppigen Zuschüsse sei nur die Bedingung geknüpft, dass der Preis unter dem üblichen Mietzins liegt - aber da wären selbst zwölf Euro pro Quadratmeter nicht zuviel verlangt.

Obwohl Utting durch den Wohnbau bis 2022 mit bis zu 26 Millionen Euro Schulden rechnet, sei die Finanzierung gesichert. Infrastrukturelle Investitionen für die Neubürger hielten sich in Grenzen: Kindergärten und Schulen hätten genug freie Plätze. Lutzenberger erinnerte daran, dass die Volksschule 2011 noch bis zur sechsten Klasse durchgängig zweizügig war. Jetzt gibt es keine Mittelschule mehr, erste Kombiklassen würden zusammengefasst. 2011 wurden in Utting noch 68 Geburten registriert, inzwischen sind es 45 - was bei 33 Sterbefällen immerhin seit langem wieder eine positive Bilanz bedeutet.

Thomas Behrendt, technischer Vorstand des Uttinger Kommunalunternehmens, das Planung, Bau und Verwaltung der Siedlung übernimmt, erläuterte Details. Die sechs Hausgruppen sollen - auch aus ökologischen Gründen - in Holzhybridbauweise errichtet werden: Tiefgarage und Treppenhäuser aus Beton, Decken und Wände aus Holz, zum Teil verputzt. Zwei Wohnungen seien nicht nur barrierefrei, sondern rollstuhlgerecht konzipiert. Im Frühjahr hofft Behrendt, den Bauantrag einreichen zu können. Aus den Reihen der Bürger kam ausdrückliches Lob für das Projekt: Peter Schneider dankte Gemeinderat und Bürgermeister für die Initiative, worauf lauter Applaus folgte.

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Quelle:
SZ vom 07.12.2019
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