Utting:Neue Heimat für die Wasserwacht

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Die alte Holzhütte der Wasserwacht in Utting ist morsch und soll im Herbst durch einen Neubau ersetzt werden. (Foto: Arlet Ulfers)

Die alte Station am Campingplatz ist marode und soll im Herbst abgerissen werden. Der Neubau mit Bootshaus kostet voraussichtlich 320 000 Euro.

Von Renate Greil, Utting

Die alte Hütte am Ufer des Freizeitgeländes in Utting ist in die Jahre gekommen. „Ein Glump“, sagt Bürgermeister Florian Hoffmann (LWG). Sie ist marode und soll durch einen Neubau ersetzt werden. Doch das hat seinen Preis.

Seit Jahren betreibt die Wasserwacht Utting dort ihren zweiten Standort: den Wasserrettungsstützpunkt Campingplatz. Im Freizeitgelände am Westufer des Ammersees ist an sonnigen Sommerwochenenden einiges los. Neben dem Campingplatz befinden sich ein Bootsverleih, ein Hochseilgarten, ein Minigolfplatz, Bootsliegeplätze und Segelvereine sowie mehrere gastronomische Betriebe. In der Hauptsache werde dort der Badebetrieb überwacht, sagt Markus Leitner, Vorsitzender der Wasserwacht Utting. Ein Schwerpunkt der täglichen Arbeit im Sommer ist auch der Sanitätsdienst.

Schon in den 1930er-Jahren gab es in Utting eine Seewacht – damals unterstützt von der DLRG, die bereits seit 1913 in Utting tätig war. Die „Ortsgruppe Wasserwacht Utting“ wurde 1947 gegründet. Dank guter Jugendarbeit sind aktuell etliche Aktive dabei, sagt Leitner. Während der Sommermonate sind die Wasserretter im Strandbad und am Campingplatz in der Regel an Wochenenden und Feiertagen zwischen 9 und 19 Uhr vor Ort, der Dienst wird ehrenamtlich geleistet. Die jetzige Hütte aber ist sehr einfach ausgestattet: Es gibt zwar eine Toilette, aber keine Dusche.

Die Gemeinde will für die Wasserwacht in Utting auf Höhe des Campingplatzes an alter Stelle eine neue Station bauen. (Foto: Arlet Ulfers)

Zudem ist dort auch das Quad stationiert, mit dem die Helfer zu Einsätzen fahren. Für den Einsatz auf dem Wasser stehen zwei SUP-Boards und ein kleines Rettungsboot bereit, ein Schlauchboot namens „Elfi“. Quad und Wasserfahrzeuge sollen künftig ein eigenes kleines Bootshaus bekommen, sagt der Schondorfer Architekt Cedric Ehlers, der die neue Planung unlängst im Uttinger Gemeinderat vorstellte: In Holzständerbauweise soll eine neue Hütte entstehen und Platz für Lager, Sanitätsraum, Toilette, Dusche und einen Aufenthaltsraum mit Arbeitsplatz bieten.

Das neue Bootshaus wird nördlich angeordnet, der Eingang ist zwischen den beiden Gebäuden. Zudem ist eine große Holzterrasse geplant. Von dort aus hätten die Retter dann einen guten Blick über Badestrand und Bucht. Der Sanitätsraum soll auch von außen zugänglich sein. Die Fassaden werden aus unbehandeltem Lärchenholz gefertigt, das mit den Jahren vergraut.

In Holzständerbauweise sollen zwei neue Hütten entstehen mit Platz für Lager, Sanitätsraum, Toilette, Dusche und einen Aufenthaltsraum. (Foto: Cedric Ehlers/oh)

Entstehen werden die beiden Gebäude ungefähr an derselben Stelle, an der die alte Hütte steht. Weil der Untergrund am Seeufer aber weich und nachgiebig ist, sei unbedingt eine Bodenverbesserung notwendig, ehe die Bodenplatte für die Hütte errichtet werden könne, sagt der Architekt. Die Bootshütte wird etwas tiefer stehen als die Hütte, die auf Niveau der Straße gebaut werden soll. Aus Gründen des Hochwasserschutzes soll zuvor ein Betonsockel gegossen werden, lautete ein Vorschlag aus dem Gremium. 

Die nun präsentierte Planung kommt allerdings weitaus teurer als die bislang veranschlagten 100 000 Euro. Architekt Ehlers kommt auf knapp 320 000 Euro inklusive Außenanlagen und Baunebenkosten. In diese Summe eingerechnet sind schon die Eigenleistungen durch Ehrenamtliche. Deshalb hat Ehlers für den Terrassenbau lediglich die Kosten für das Material veranschlagt. Aber auch bei anderen Gewerken, Abbruch und Innenausbau beabsichtigen die Wasserwachtler selbst Hand anzulegen. Bürgermeister Hoffmann hofft überdies auf eine weitere Möglichkeit zur Einsparung: Er will die Bautätigkeiten auf das Kommunalunternehmen (KU) der Gemeinde verlagern, weil er hier Einsparmöglichkeiten durch Nachverhandlungen sieht, die die Gemeindeverwaltung als Auftragsgeber so nicht hätte.

Zutritt nur für Angehörige der Wasserwacht: Auf dem Rettungssteg haben Badegäste nichts zu suchen. (Foto: Arlet Ulfers)

Der Neubau soll im Eigentum der Gemeinde bleiben, aber von der Hilfsorganisation genutzt werden. Die Innenausstattung werde vom Bayerischen Roten Kreuz übernommen. Einig war sich das Gremium darin, dass Utting als Seegemeinde weiterhin eine Wasserwacht benötige. Einhellig stimmte der Gemeinderat der Planung deshalb zu – trotz der weitaus höheren Kosten. Wenn alles gut läuft, soll die alte Hütte im kommenden Herbst abgerissen werden. Da die Holz-Module für das neue Haus vorgefertigt sind und der Aufbau dementsprechend schnell über die Bühne geht, könnte die Wasserwacht bereits in der Saison 2025 ihre Arbeit in neuen Räumlichkeiten aufnehmen.

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