Alternative WohnformenGemeinsam im Alter

Lesezeit: 2 Min.

Elisabeth Burghart und Petra Herzog (von links) wollen mit dem Verein „Lebensraum Utting“ eine gemeinschaftliche Wohnform realisieren.
Elisabeth Burghart und Petra Herzog (von links) wollen mit dem Verein „Lebensraum Utting“ eine gemeinschaftliche Wohnform realisieren. Arlet Ulfers
  • Elisabeth Burghart und Petra Herzog haben mit Mitstreiterinnen den Verein „Lebensraum Utting" gegründet, um gemeinschaftliches Wohnen am Ammersee zu realisieren.
  • Das Projekt sieht etwa 30 Wohnungen für Singles, Paare und Familien vor, finanziert über Genossenschaftsanteile zwischen 75.000 und 150.000 Euro pro Wohnung.
  • Knapp 100 Interessenten haben sich bereits gemeldet, ein passendes Grundstück in Utting wird gesucht und der Spatenstich könnte übernächstes Jahr erfolgen.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Die Idee des gemeinschaftlichen Wohnens treibt Elisabeth Burghart und Petra Herzog schon lange um. Nun haben sie mit Mitstreiterinnen den Verein „Lebensraum Utting“ gegründet. Ihr Ziel ist ein Neubau für viele am Ammersee.

Von Renate Greil, Utting

SZ bei Google bevorzugen

Wie möchten wir alt werden? Das ist eine Frage, die Elisabeth Burghart und Petra Herzog umtreibt. Alleine und einsam im Alter zu sein, dass möchten die beiden Frauen vermeiden. Mit der Idee des gemeinschaftlichen Wohnens beschäftigen sie sich deshalb schon länger. Als im Sommer vergangenen Jahres Gabriele Übler mitmachen wollte, gingen die Frauen es konkret an: Sie ließen sich bei der Mitbauzentrale der Stadt München in Sachen bezahlbares Wohnen in der Gemeinschaft beraten und planten erste Schritte.

Dass sie auch im Alter Teil einer Gemeinschaft sein wollen, setzt ihren bisherigen Lebensstil fort. „Wir haben die Nachbarskinder mitbetreut, ukrainischen Kindern bei den Hausaufgaben geholfen und können Familien unterstützen“, sagt Burghart. Die Doppelhaushälfte, in der das Paar wohnt, wird jetzt schon nicht komplett genutzt. „Wir sitzen eigentlich immer in der Küche“, sagt die 71-Jährige. In dem neuen Wohnmodell würden sie sich auf etwa 70 Quadratmeter verkleinern, so viel Platz rechnen sie dort für Paare. Singles sollen zwischen 45 und 50 Quadratmeter große Wohnungen bekommen, Familien ab 90 Quadratmeter aufwärts. Dazu kommen noch die gemeinschaftlichen Einrichtungen wie Gästezimmer, Werkstatt, Musikzimmer, eine Wohnung, in die auch eine Pflegekraft, die mehrere Bewohner unterstützt, einziehen könnte, und eine große Küche. „Wir wollen ja auch zusammen etwas machen“, sagt Herzog.

Schon bei der ersten Informationsveranstaltung im vergangenen November waren die Frauen vom großen Bedarf überrascht, inzwischen haben sich knapp 100 Interessenten gemeldet. „Es kümmern sich hauptsächlich die Frauen“, stellt die 66-jährige Herzog fest. Folgerichtig sind daher im neuen Verein „Lebensraum Utting“, der Anfang Mai von 26 Personen gegründet wurde, mit Elisabeth Burghart, Petra Herzog, Natalia Ritzkowsky und Gabriele Übler vier Frauen gleichberechtigt im Vorstand. Gerade haben sie die Gemeinnützigkeit beantragt. Aus den Mitgliedsbeiträgen, für eine Person 60 Euro und für Paare 90 Euro im Jahr, soll neben anfallenden Gebühren der Aufbau einer Webseite bezahlt werden. Viele Arten seien durch den Verlust des Lebensraums gefährdet, erklärt Burghardt die Wahl des Vereinsnamens. Auch in Utting ist Wohnraum knapp und teuer, der Siedlungsdruck am Ammersee-Westufer sehr groß.

In mehreren Arbeitsgruppen arbeiten bereits 35 Aktive mit, die Schwerpunkte reichen von Finanzen bis zu Bauen und Planen. Der nächste Schritt ist es, zu klären, ob für das Projekt eine eigene Genossenschaft gegründet wird, ob man unter das Dach einer bestehenden Genossenschaft schlüpft oder ob das Modell „Mietshäuser-Syndikat“ infrage kommt. Das Finanzierungsmodell beim Genossenschaftsmodell sieht laut Herzog etwa so aus: Diejenigen, die einziehen wollen, erwerben einen Anteil. Pro Wohnung wird ein Beitrag zwischen 75 000 Euro und 150 000 Euro fällig, wobei der Anteil bei Auszug verkauft oder auch vererbt werden kann. Dazu kommt noch eine monatliche Beteiligung. „Wir wollen günstig bauen“, sagt Burghardt. Die Einlagen der Miteigentümer finanzieren den Eigenanteil, dazu kommen Förderungen und ein Kredit, der in der Regel günstig zu bekommen sei.

Gesucht wird ein Grundstück in Utting

Nach der Größe des Grundstückes, das erworben werden kann, richtet sich die Zahl der Wohnungen. Für 30 Wohnungen rechnen sie mit einer Größe von 3000 bis 3500 Quadratmetern, wobei verdichtet gebaut werden soll. Aber auch größere Grundstücke kommen infrage – einzige Bedingung: Es muss in Utting sein. Etwa je ein Drittel der Wohnungen soll für Singles, Paare und Familien gebaut werden. Das größte Interesse komme derzeit von Älteren, stellen die Frauen vom Vorstand fest, aber auch drei Familien seien schon dabei. Bei der Auswahl werde auch darauf geschaut, ob man zusammenpasse. Insgesamt blicken Herzog und Burghardt auch dank des großen Zuspruchs aus dem Ort zuversichtlich auf die Realisierung des Bauprojektes. „Wenn alles gut geht, dann ist übernächstes Jahr der Spatenstich“, sagt Herzog. Ein passendes Grundstück wird dringend gesucht.

Kontaktieren kann man den Verein unter der E-Mail-Adresse info@lebensraum-utting.de

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Immobilienmarkt
:Dieses Haus gibt es geschenkt – wenn man es abholt

Der eingeschossige Holzbungalow in Gauting stammt von dem Jugendstil-Architekten Richard Riemerschmid, ist denkmalgeschützt und müsste an anderer Stelle exakt wieder aufgebaut werden. Doch das Amt für Denkmalpflege blockiert.

SZ PlusVon Michael Berzl und Annette Jäger

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: