Beim Kunsthandwerkermarkt „Summermarkt“, der seit 1995 jährlich auf dem Gelände Summerpark in Utting stattfindet, steht ein Wechsel an. Der Gastronom, Musiker und Künstler Martin Gruber, der die Veranstaltung seit 2022 unter dem neuen Namen „Summermarkt“ organisiert, hat die Gemeinde Utting um eine vorzeitige Aufhebung des Marktrechtes gebeten. Denn mit diesem Recht geht die Pflicht einher, den Markt zu veranstalten – und dem kann Gruber, der seit zwei Jahren das Strandbad in Utting gepachtet hat, nicht mehr guten Gewissens nachkommen. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.
Vor zwei Jahren stand der Summermarkt bereits auf der Kippe. Damals ging ein Anlieger des Summerparks gerichtlich gegen Gruber als Marktchef vor, der Rechtsstreit endete erst mit einer Abweisung der Klage vor dem Verwaltungsgericht in München im April 2025. Allerdings fielen dabei erhebliche Anwaltskosten an, weshalb Gruber eine Online-Spendenaktion ins Leben rufen musste. Diese belastende Situation wirke auch noch nach, sagt Gruber auf SZ-Anfrage.
Den Summermarkt im Vorjahr hatte er aus dem Krankenbett aus miterlebt. Ein Bandscheibenvorfall zwang ihn damals zu einer achtwöchigen Ruhepause – gerade zu einer Zeit, da er als Strandbad-Pächter in Utting neu begonnen hatte. Er startete seine erste Saison dort unter schwierigen Bedingungen. Der Umbau des Kiosks war nicht fertig, er und sein Team mussten viel improvisieren. Nach seinem krankheitsbedingten Ausfall war die Saison dann schon fast wieder vorbei, und er begann den nächsten Markt zu organisieren. „Ich wollte es noch mal wissen“, sagt Gruber.
Aber wie er nun feststellte, war das Arbeitspensum für ihn und sein derzeit etwa 30-köpfiges Team viel zu hoch, um neben dem Strandbad mit Badebetrieb und Kiosk auch noch den dreitägigen Summermarkt zu stemmen, der an einem Wochenende Ende Juni stattfindet, also zu Beginn der Hauptsaison im Strandbad. „Eine Zerreißprobe“, die das Team überlastete, wie der Gastronom erzählt. Denn auch im Strandbad ging es rund.
Martin Gruber vergleicht die Anforderungen des Uttinger Strandbades mit einem Raumschiff
Vor Gruber hatte Textilkünstlerin und Veranstalterin Christiane Graf, die 2021 starb, das Marktrecht inne. Sie hat über zwei Jahrzehnte lang den jährlichen Markt geprägt. Gruber, der ihr 2019 beim Kulturprogramm schon zur Hand ging, führte zu Beginn seiner Marktzeit in Herrsching noch den Kult-Kiosk „Bayrische Brandung“. Dass er Pächter im Strandbad werden würde, lag da noch in weiter Ferne. Gruber vergleicht die Anforderungen des Kult-Kiosk mit einem Segelflieger und die des Strandbades Utting, das er 2025 für zehn Jahre von der Gemeinde gepachtet hat, mit einem Raumschiff. Zwar blickt er zufrieden auf die zweite Hauptsaison „mit viel Lob für die Küche und einer guten Stimmung bei allen“. Im Schnitt arbeite er aber rund hundert Stunden die Woche, manchmal mehr, sagt er. Zum Schutz seiner Gesundheit und die seiner Teammitglieder habe er sich entschlossen, eine Aufhebung des Marktrechtes zu beantragen.

Gruber wünscht sich, dass der „Summermarkt“ weitergeht. Einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin würde er sein Wissen gerne weitergeben. Mit den etwa achtzig Strandbetreibern sei er das ganze Jahr in Kontakt, erzählt er. Wichtig sei ihm auch immer gewesen, die Standpreise so zu gestalten, dass sich auch mal jemand ausprobieren, etwas selbst Gefertigtes präsentieren könne. Ein Zugpferd ist das kostenfreie Kulturprogramm, das Hochkaräter wie die „Hochzeitskapelle“ nach Utting brachte. „Das Kulturangebot war mir immer wichtig“, sagt Gruber. Der Summermarkt habe sich als Dorffest etabliert, meint der 56-Jährige. Idealismus gehöre schon dazu, diesen besonderen Markt direkt am Ammersee in Utting so weiterzuführen.
Ein Freiluftmarkt ist naturgemäß Wetterkapriolen ausgesetzt, die in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Heuer habe die Hitze – am Marktsamstag waren es 37,5 Grad – allen zu schaffen gemacht, berichtet er. Vor allem die älteren Besucher blieben aus, Standbetreiber reisten gar nicht erst an oder öffneten erst später. Es gebe schlechtes Wetter, gutes Wetter und inzwischen auch „zu gutes Wetter“, sagt Gruber. Rund zwei Drittel der Standbetreiber sind Kunsthandwerkerinnen und -handwerker, ein Drittel Händler.
Im Gemeinderat Utting stieß sein Gesuch auf Verständnis. Wie Geschäftsleiter Matthias Graf mitteilte, habe das Gremium in seiner jüngsten Sitzung dem Antrag von Gruber zur Aufhebung des Marktrechts zugestimmt. Die Verwaltung wurde anschließend beauftragt, bis zur nächsten Sitzung einen Vorschlag zur Ausschreibung für die Marktrechtvergabe vorzubereiten. Dann soll laut Graf auch über „Dauer, Zeitpunkt und Konzept“ des traditionellen Kunsthandwerkermarktes beraten werden.

