Utting:Markise stört die Sicht

Ein neues Dach beim Strandbad ist Ortsgespräch in Utting, denn die Konstruktion verstellt den Blick auf den Sprungturm im Ammersee. Nun wird nach Alternativlösungen gesucht.

Von Armin Greune, Utting

Noch bevor sie sich zur vollen Größe entfaltet hat, ist die neue Markise des Uttinger Strandbads zum Ortsgespräch geworden. Vielen ist der Wetterschutz für die Biergartentische ein Dorn in Auge: Sie sehen damit den Blick auf den Sprungturm, Uttings Wahrzeichen, verstellt. Der Proteststurm fegte auch durch die jüngste Gemeinderatssitzung: In der Bürgersprechstunde fand Wolf-Eckart Lüps, dass die Markise "in ihrer Maßlosigkeit alles erschlägt". Der Architekt hoffte, dass sich "charmantere Konstruktionen als dieses tonnenschwere Stahlgerüst" finden ließen und erntetet dafür Beifall. Wie Bürgermeister Josef Lutzenberger (GAL) jedoch erläuterte, sei die Konstruktion vom Gemeinderat im Mai 2014 mit knapper Mehrheit genehmigt worden. Falls keine grobe Überschreitung der angegebenen Maße vorläge - drei, je vier Meter hohe Stützen, 120 Quadratmeter überspannte Fläche -, befinde sich "alles im Bereich der Bauerlaubnis". Unter anderem hätte auch die Schlösser- und Seenverwaltung der Konstruktion zugestimmt. Im Mai hatten die sechs CSU-Vertreter und Matthias Hornsteiner (Ländliche Wähler) ihre Zustimmung zur Markise verweigert, konnten sich damit aber nicht gegen die übrigen acht Gemeinderäte durchsetzen.

Inzwischen hat Lutzenberger Lüps' Anregung aufgegriffen und das Gespräch mit Pächter Rupert Riedel gesucht. Dabei wurde ein Kompromiss gefunden: In dieser Saison bleibt die Schwenkarmmarkise erst einmal erhalten. Bis zum Herbst sind aber alle Kritiker eingeladen, Alternativen zum nun errichteten Sonnen- und Regendach zu erarbeiten. "Ich bin für alle architektonischen Anregungen offen, um eine filigranere Lösung zu finden", sagt Riedel auf Nachfrage. Er räumt ein, "selbst von der Massivität der Konstruktion überrascht worden" zu sein. Für ihn war die Markise, die eine fünfstellige Summe gekostet hat, die "größte Investition, seit ich die Pacht angetreten habe". Riedel bewirtschaftet das Strandbad nun im 25. Jahr. Schon als Baby sei er dort unter dem großen Ahorn gelegen: Die Anlage sei für ihn also nicht nur Erwerbsquelle, sondern auch eine Herzensangelegenheit, das gute Auskommen mit Besuchern und Badegästen eingeschlossen. Deshalb lädt er alle am Ostersonntag von 11 bis 17 Uhr zum Saisonstart ein, um bei einem Freigetränk die dann ausgefahrene Markise zu testen.

© SZ vom 02.04.2015
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