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Eine Schülerin schreibt an einer Grundschule Wörter in ihr Heft. Heterogene Klassen, der Anspruch auf Ganztagsbetreuung und geänderte Fördermodalitäten erschweren vielerorts den Alltag im Klassenzimmer.
Eine Schülerin schreibt an einer Grundschule Wörter in ihr Heft. Heterogene Klassen, der Anspruch auf Ganztagsbetreuung und geänderte Fördermodalitäten erschweren vielerorts den Alltag im Klassenzimmer. Sebastian Gollnow/picture alliance/dpa
  • Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel erklärt in Utting, dass Grundschulklassen heterogener geworden sind und auf Lehrkräftemangel treffen.
  • Zum kommenden Schuljahr besteht in Bayern der Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler, wird aber schrittweise auf weitere Klassenstufen ausgebaut.
  • Der Uttinger Gemeinderat beschloss eine 40-prozentige Erhöhung der Kindergarten- und Krippengebühren zum 1. September 2026 wegen steigender Defizite.
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In Grundschule und Kindergarten läuft derzeit vieles nicht rund. Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel erklärt beim Gespräch mit Eltern und Lehrkräften in Utting, warum das aus ihrer Sicht so ist und was sich ändern sollte.

Von Renate Greil, Utting

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Gekürzte Förderungen auf der einen Seite, die große Herausforderung Ganztag auf der anderen: „Immer drückt irgendwo der Schuh“, hat Florian Mayer, Vorsitzender im Elternbeirat und im Förderverein der Uttinger Grundschule, bei zahlreichen Gesprächen festgestellt. Die Grünen/GAL Utting hatten die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag, Gabriele Triebel, eingeladen, um etwas zur „Zukunft der Grundschule“ zu sagen. Sie fasste das Thema weiter, denn auch die frühkindliche Bildung im Kindergarten ist ihr ein großes Anliegen, wie sie betonte. Auch dabei knirscht es in der Ammerseegemeinde, denn kürzlich hat der Uttinger Gemeinderat eine saftige Gebührenerhöhung für das kommende Kindergartenjahr beschlossen.

Das Gefühl des Elternbeirates, dass es „irgendwo hakt“, bestätigte Triebel. Die Mindeststandards würden von immer mehr Kindern nicht mehr erreicht und die Grundschulklassen seien heterogener geworden. Deren Zusammensetzung reiche oft von Kindern, die gerade erst ins Land kommen, bis zu Hochbegabten, hinzu kämen Kinder mit sozio-emotionalen und körperlichen Beeinträchtigungen. Und diese Gemengelage treffe auf einen Lehrkräftemangel, der sich vermutlich noch verschärfe. Die Landtagsfraktion der Grünen habe sich für die Schaffung von 3000 Stellen an Bayerns Schulen für den Doppelhaushalt 2026/2027 eingesetzt, erklärte Triebel. Die bayerische Staatsregierung halte jedoch an ihrem Stellenmoratorium fest.

Elternbeirat Mayer sprach auch ein konkretes Anliegen aus dem Schulalltag an – und fragte, warum die bisher regelmäßig von einem externen Anbieter geleistete Sexualaufklärung nicht mehr in der Schule angeboten werden dürfe. Sie werde nun, vom Förderverein mitfinanziert, am Nachmittag angeboten. Bereits 2016 sei beschlossen worden, in diesem Bereich keine externen Anbieter in Grundschulen mehr zuzulassen, stellte Triebel klar. Im Lehrplan sei dieser Unterrichtsstoff für die 4. Klasse vorgesehen, und zwar für die Zeit nach dem Übertrittszeugnis. Dennoch habe sich eine andere Praxis eingeschlichen, teils auch mit Anbietern, die sich nicht an die vorgeschriebenen Lehrinhalte hielten. Sexualkundeunterricht in der 4. Klasse sei ein heikles Thema, weil es in das Erziehungsrecht der Eltern eingreife, sagte Triebel und fand: „Die Klassenleitungen kennen Kinder und Eltern am besten.“

Für das externe Programm machten sich aber viele Anwesende stark.  „Da kannst du auch noch was lernen“, meinte eine Mutter, die seinerzeit nur rein biologisch aufgeklärt worden sei, wie sie sagte. Auch eine „Nicht-Vertrautheit“ mit der Lehrperson hielten viele in dem Bereich für sinnvoll. Drei bis vier Lehrkräfte im Bezirk zu diesem Thema weiterzubilden, die den Unterricht dann übernehmen, könnte nach Meinung von Michael Bauer, dem langjährigen Rektor der Carl-Orff-Schule Dießen in Dießen, eine gute Option sein.

Triebel äußerte auch Kritik am viergliedrigen Schulsystem in Bayern, ein System „aus dem vorletzten Jahrhundert“, wie sie sagte. „Wir ruhen uns zu sehr aus“, erklärte die Landtagsabgeordnete zur Bildungspolitik in Bayern und forderte mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. Zum kommenden Schuljahr besteht in Bayern der Anspruch auf Ganztagsbetreuung für die Erstklässler. Diese wird dann schrittweise auf die weiteren Klassenstufen ausgebaut.

Engpässe und Herausforderungen: Die Lehrerin und bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion Gabriele Triebel im Gespräch mit Eltern und Lehrkräften zur „Zukunft der Grundschule“ in Utting.
Engpässe und Herausforderungen: Die Lehrerin und bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion Gabriele Triebel im Gespräch mit Eltern und Lehrkräften zur „Zukunft der Grundschule“ in Utting. Nila Thiel

Gebundene oder offene Ganztagesklassen, die den Eltern nur den Beitrag für das Mittagessen kosten würden, wird es in Utting weiterhin aber nicht geben. Die Kommune werde weiterhin den Hort und die Mittagsbetreuung vorhalten, erklärt Geschäftsleiter Matthias Graf auf Nachfrage.  Aus diesem Grund habe die Gemeinde in den vergangenen Jahren hierfür viel Geld in die Erweiterung und Optimierung der Nachmittagsbetreuung in die Hand genommen. Die Kommunen sind auch für die Ferienbetreuung zuständig. Dafür genüge jedoch auch ein Angebot eines Anbieters, erklärte Triebel. Jede Schule sei anders und brauche ein eigenes Budget, forderte sie. In Utting finanziere der Förderverein Angebote und Mitmachaktionen, sagte Mayer. In anderen Gemeinden sei dies nicht möglich, das wisse er aus Gesprächen mit anderen Elternbeiräten.

Triebel betonte die Bedeutung der frühkindlichen Bildung. Denn auch Kindergartenzeit sei Bildungszeit. Doch auch dieses System sei „unterfinanziert“, sagte die Grünen-Landtagsabgeordnete. Der 100-Euro-Kita-Beitragszuschuss soll künftig gemeinsam mit anderen Förderungen im sogenannten Qualitätsbonus aufgehen. In Utting müssen sich die Eltern deshalb auf merklich höhere Beiträge einstellen. So wurde kürzlich im Gemeinderat beschlossen, die Gebühren für Krippe und Kindergarten zum 1. September 2026 um 40 Prozent zu erhöhen. Hintergrund ist, wie Gemeinderat Patrick Schneider (GAL) im Gespräch erläuterte, dass seit fünf Jahren die Defizite bei den Trägern der Kitas anstiegen, die die Gemeinde zusätzlich zu ihren Ausgaben für die Kitas zu hundert Prozent trage. Nun sei man zusätzlich zu den Kosten, die die Gemeinde ohnehin schon übernehme, bei mehr als 300 000 Euro im Jahr angelangt, und das in Zeiten klammer Kassen. Überlegt werde, im Ort künftig ein nach Einkommen gestaffeltes Gebührensystem einzuführen.

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