Zwei von sechzehn Mitgliedern im aktuellen Uttinger Gemeinderat sind Frauen, das ist ein Anteil von 12,5 Prozent. Damit liegt die Ammerseegemeinde im Landkreis Landsberg mit rund 4600 Einwohnern weit unter dem Landesdurchschnitt von 22,2 Prozent. 2020 wurden laut Bayerischem Landesamt für Statistik von 31 780 Gemeinderatsmitgliedern nur 7056 Frauen vereidigt. In den Bürgermeisterämtern der Gemeinden gibt es unter 797 Rathauschefs nur 97 Frauen. Drei Oberbürgermeisterinnen stehen 22 Oberbürgermeistern gegenüber.
Das ist die Ausgangslage. Um die Verhältnisse zu ändern, gibt es nun in Bayern Initiativen wie „Bavaria ruft“. Wie kann es also gelingen, mehr Frauen in den Uttinger Gemeinderat zu bringen? Dieser Fragestellung ging eine fraktionsübergreifend organisierte Podiumsdiskussion in der Ammerseegemeinde nach, die etwa fünfzig Frauen und ein paar Männern verfolgten.
Einen der wichtigsten Tipps gab Moderatorin Michika Neugebauer: „Frauen wählen!“ Doch wie kommen nun mehr Frauen auf die Bewerberlisten für die anstehende Kommunalwahl in Bayern? Für sechs Jahre werden Mitglieder für den Gemeinderat, Stadtrat, Kreistag und die allermeisten Bürgermeisterämter am 8. März 2026 neu gewählt.
Auf dieses Datum fällt auch der internationale Frauentag. „Das kann kein Zufall sein“, meinte Daniela Groß (Grüne). Sie war mit 36 Jahren die Jüngste in der Runde, sitzt seit 2020 im Landsberger Stadtrat und im Kreistag. „Ich war hochschwanger als ich vereidigt wurde“, erzählte sie. Hybride Sitzungen hätten ihr während der Stillzeit sehr geholfen, die gab es aber nicht.
Kathrin Grabmaier (CSU) kennt das Problem und auch Hannelore Baur (SPD) hat drei Kinder großgezogen. Unterstützung von Mann und Eltern sei ein Privileg, sagte Groß. Sie berichtete von überlangen Sitzungen im Stadtrat, die kaum planbar seien. Auf eine Möglichkeit wies Grabmaier hin: Im Gemeinderat könne auch vereinbart werden, dass Kosten für Babysitter übernommen werden. Denn Hybrid-Sitzungen, bei dem sich eine Rätin online zuschalten kann, sind zwar inzwischen rechtlich möglich, werden von den Kommunen kaum angeboten.
Auch in Utting gibt es diese Möglichkeit nicht, erläuterte Bürgermeister Florian Hoffmann (LWG). In der Ammersee-Kommune gibt es zwölf Gemeinderatssitzungen pro Jahr, die langfristig geplant werden und in aller Regel von 19.30 Uhr bis 23 Uhr dauern. Dazu kommen noch Ausschusssitzungen, Workshops, Begehungen und Referentenposten. Aber er achte auf eine straffe Sitzungsleitung, und danach sitze man meistens zusammen, berichtete der Bürgermeister.
„Unbedingt mitgehen“, riet Baur dazu aus ihrer Erfahrung von 27 Jahren als Gemeinderätin in der Marktgemeinde Dießen. Dieses Amt hat die 65-Jährige vor zweieinhalb Jahren aufgeben, aber im Kreistag ist sie noch vertreten. Warum sie sich für das Gremium einst beworben hatte, erzählte die Sozialdemokratin so: Der Verein „Frauen helfen Frauen“, bei dem sie sich engagiert hat, habe ein Frauennotruf-Telefon betrieben, für das eine professionelle Kraft benötigt worden sei. Die 10 000 Mark dafür habe der Kreistag damals nicht bewilligt. Aktuell stehe an, ein Frauenhaus in Landsberg zu schaffen, deshalb werde sie auch noch einmal für dieses Ehrenamt kandidieren.
Die entscheidende Frage: „Welche Perspektive sitzt am Ratstisch?“
Als Erfolg führe Baur an, erreicht zu haben, dass nach 15 Jahren die Stelle der Frauenbeauftragten im Landratsamt wieder besetzt wurde. In Dießen habe sie es in ihrer Anfangszeit geschafft, eine Mittagsbetreuung an der Schule zu installieren, obwohl von den männlichen Kollegen seinerzeit gemutmaßt worden sei, dass „die Frauen nur zum Tennisspielen gehen“.
Groß berichtete von ihrem Erfolg, dass es nun in den öffentlichen Gebäuden Landsbergs Spender für Periodenprodukte gebe und bedürftige Menschen Zuschüsse für teure Verhütungsmittel bekommen könnten. Zudem habe sie ihre Perspektive als Mutter zweier kleiner Kinder beim Umbau des Inselbads erfolgreich eingebracht, sagte die Grünen-Politikerin. „Welche Perspektive sitzt am Ratstisch?“ Diese Frage sei ein wichtiger Aspekt bei allen Belangen, waren sich die Diskutantinnen einig.
Die 46-jährige Kathrin Grabmaier sitzt für die CSU im Gemeinderat Scheuring und ebenfalls im Kreistag. Einen echten Auslöser gab es bei ihr nicht, wie sie sagte. Vielmehr sei sie als 21-Jährige, damals wohnte sie noch in Weil, auf der Liste Dorfgemeinschaft Weil weit nach oben gewählt worden. Auch in Scheuring, einem 2000-Einwohner-Dorf, gibt es sogenannte Ortslisten, während es in Utting und Dießen Listen politischer Fraktionen wie CSU, SPD und Grüne oder Gruppierungen wie „Ländliche Wählergemeinschaft“ gibt.
Grabmaier schlug vor, in Utting eine reine Frauenliste aufzumachen. Dafür brauche es in der Gemeinde vier Kandidatinnen und 88 Unterstützerunterschriften, assistierte der Bürgermeister.

Für Frauen sei es besser, bei den Parteien zu kandidieren, meinten dagegen Baur und Groß. Bei den Grünen sei jeder ungerade Platz auf der Liste ein Frauenplatz, es gebe Förderprogramme und eine Mentorin sei ihr zur Seite gestanden, berichtete Groß. Deshalb sei es ihr möglich gewesen, als Newcomerin in Stadtrat und Kreistag einzuziehen.
In Landsberg sei damals keine Frau in ihrem Alter im Stadtrat vertreten gewesen. „Das könntest Du ändern“ sei ihr Antrieb gewesen. Bei der SPD werde gereiht aufgestellt, erläuterte Baur, und es gebe viele Fortbildungsangebote für angehende Kommunalpolitikerinnen. Gleich in ihrer ersten Bauausschusssitzung habe sie mit einem Einwand zur Grundflächenzahl beeindruckt, sagte sie – „alles lernbar“.
Inzwischen wisse sie, wann sie einen Antrag zur Geschäftsordnung stellen müsse, erklärte Grabmaier. In der Sache werde schon einmal hart diskutiert, manches gehe ihr dann auch mal nahe. Als politischen Erfolg wertete sie, dass kürzlich ein Ausweichgrundstück gefunden werden konnte, um die Heizzentrale für das dörfliche Nahwärmenetz zu bauen. Und in ihrer Anfangszeit habe sie eine Krippengruppe für Kinder unter drei Jahren etablieren können.
Grabmaier entschied sich im Laufe ihrer Tätigkeit für eine Mitgliedschaft in einer Partei – vor allem um auf das Netzwerk zugreifen zu können, wie sie sagte. Notwendig ist diese allerdings nicht, auch Nichtmitglieder können auf den Parteilisten kandidieren. „Wagt es doch!“, ermunterte Daniela Groß die Frauen im Publikum.


